ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2009Börsebius: Räuber und Gendarm

GELDANLAGE

Börsebius: Räuber und Gendarm

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LNSLNS Jetzt, in der nach Finanzkrise und der jüngst ausgestandenen Bundestagswahl so ereignisarmen Zeit, freuen wir uns sehr, dass uns wenigstens die so sehr ans Herz gewachsenen Landesbanken genügend Stoff an realsatirischer Tagesaktualität liefern. Was würden wir ohne diese in Deutschland neun existierenden regionalen Spitzeninstitute für Sparkassen und gleichermaßen Abladestationen für abgelegte und nicht mehr recycelbare Politiker ansonsten bloß anstellen?

Gottlob wurde dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Beschluss, das war, glaube ich, 1989, die -Sparkassenszene auf ein oder bestenfalls zwei Zentralinstitute zu fokussieren, nicht Folge geleistet, was uns heute einen erquicklich hohen Unterhaltungswert liefert. Und das immer wieder aufs Neue, wie uns bei der HSH-Nordbank eindrücklich vorgeführt wird. Wer jagt wen, wer ist der Gute, wer ist der Böse? Diese wunderbar inszenierten Räuber-und-Gendarm-Spielchen, das ist das, was die Leute wirklich delektiert. Dass dabei die eine oder andere Milliarde auf der Stecke bleibt, was soll es, ein bisschen Schwund ist halt immer.

Da marschierte doch jüngst bei der Bayern-LB eine halbe Kavallerie an Staatsanwälten und Kripobeamten ein, in Spielfilmqualität, versteht sich, und das auch noch mit einer grundsoliden Story, wie es sich für ein vernünftig inszeniertes Schurkenstück geziemt, wir sehen ja schließlich alle gerne „Tatort“.

Die Bank, so der harsche Vorwurf, habe vor einigen Jahren die Hypo-Alpe-Adria völlig überteuert gekauft, das rieche so stark nach Untreue, deretwegen das jetzige Eingreifen – Ewigkeiten später – dringend vonnöten gewesen sei. Es mag kleinkariert sein zu kritisieren, dass so eine gewaltige Justizaktion auf der Kostenseite auch nicht gerade für einen Appel und ein Ei zu haben ist, schließlich geht es hier um Höheres.

Das Anliegen der Gendarmen, des bin ich gewiss, wird ausgehen wie das Hornberger Schießen. Der Räuber legt ein Wertgutachten vor, in dem der damalige Kaufpreis als angemessen dreimal abgesichert dastehen wird, und dann fällt die ganze Geschichte ansatzlos in sich zusammen.

Haben wir denn um alles in der Welt nichts Wichtigeres zu tun? Von Herrn Sarazzin etwa haben wir schon so lange nichts Neues mehr gelesen, obwohl bei ihm und der Bundesbank nicht so klar ist, wer denn nun der Räuber ist und wer der Gendarm. Aber spannend bleibt es trotzdem.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 7. November 2009 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (02 21/98 54 80–17). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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