ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2009Rosazeatherapie: Mit Doxycyclin gegen Inflammation

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Rosazeatherapie: Mit Doxycyclin gegen Inflammation

Dtsch Arztebl 2009; 106(43): A-2159 / C-1810

Reisdorf, Simone

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LNSLNS Eine neuartige Galenik von Doxycyclin bewirkt, dass das Tetrazyklin antientzündliche Effekte ohne Antibiose entfaltet. Die Rosazea lässt sich auf diese Weise gut verträglich therapieren, es werden keine resistenten Bakterien selektiert.

Ursache der Rosazea ist eine nicht bakterielle Entzündung. Als wirkungsvolle weitere Behandlungsoption wurde mit Oraycea® (Galderma) eine neuartige Formulierung des Antibiotikums Doxycyclin entwickelt: Sie garantiert über 24 Stunden einen Plasmaspiegel, der antiinflammatorisch, aber nicht antimikrobiell wirkt.

Die Hauterkrankung Rosazea („Kupferrose“) imponiert durch ein persistierendes zentrofaziales Erythem mit Jucken, Brennen, Stechen, Teleangiektasien und Schuppung. Bei progressivem Verlauf treten später auch Papeln und Pusteln, Hyperplasien, Ödeme und Phymata auf. Etwa fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind davon betroffen.

In den Anfangsstadien wird Rosazea oft übersehen oder unterschätzt, 62 Prozent der Betroffenen suchen keine ärztliche Hilfe. In fortgeschrittenen Stadien wird sie dagegen häufig mit den Folgen eines Alkoholabusus verwechselt – oder einfach mit Akne. „Bei Rosazea sind aber, im Gegensatz zu Akne, keine Komedonen zu finden“, erläuterte Prof. Dr. med. Thomas Lugen (Münster). Insgesamt leiden Frauen häufiger unter der Kupferrose; die schwereren Formen, etwa mit Rhinophym („Knollennase“) sind eher bei Männern anzutreffen.

„Obwohl Bakterien die Rosazea offenbar nicht verursachen, wirken Antibiotika wie Tetracycline und Makrolide lindernd“, erklärte Prof. Frank Hevert (Gießen/Laupheim). Im Langzeitverlauf der Behandlung komme es aber unter anderem häufig zur Entwicklung antibiotika-resistenter Bakterien. Bei der neuartigen Galenik von Doxycyclin werde das Antibiotikum (Dosierung 40 mg) teilretardiert freigesetzt: 30 mg sofort, 10 mg allmählich. Oraycea ist in Deutschland als erstem europäischem Land auf den Markt gebracht worden.

„In dieser niedrigen Dosis wirkt Doxycyclin nicht antibiotisch, übt also keinen Selektionsdruck auf Bakterien aus“, betonte Hevert.

Hemmung von Zytokinen und Leukozytenmigration
Dagegen kommen die antientzündlichen Effekte dieses Tetracyclins zum Tragen: Es hemmt proentzündliche Zytokine und Enzyme und die Einwanderung von Leukozyten. Eine antibiotische Wirkung setze erst ab einem Plasmaspiegel von etwa 1 000 ng/ml ein, die antientzündliche Wirkung schon ab etwa 200 ng/ml, so Hevert. Und Oraycea garantiere bei einmal täglicher Einnahme einen Doxycyclin-Plasmaspiegel von etwa 200 bis 500 ng/ml über 24 Stunden.

Prof. Dr. med. Helmut Schöfer (Frankfurt am Main) stellte Daten klinischer Studien vor, in denen die neue 40-mg-Formulierung von Doxycyclin mit Placebo oder herkömmlichen Doxycyclin-Tabletten zu 100 mg verglichen wurde. „In die beiden Phase-III-Studien ROSE 301 und ROSE 302 wurden insgesamt mehr als 500 Patienten mit mittlerer bis schwerer Rosazea eingeschlossen“, sagte der Dermatologe. „16 Wochen lang konnte Oraycea im Vergleich mit Placebo die Anzahl der entzündlichen Läsionen hochsignifikant verringern. Das Nebenwirkungsprofil lag auf Placeboniveau.“

In einer weiteren Studie, die ebenfalls 16 Wochen dauerte, wurden 40 mg teilretardiertes mit 100 mg konventionellem oralem Doxycyclin verglichen. „Die Reduktion der Anzahl entzündlicher Läsionen war in beiden Studienarmen nahezu identisch“, erklärte Schöfer. „In der 100-mg-Gruppe litten jedoch 26 Prozent der Patienten an unerwünschten gastrointestinalen Wirkungen, im 40-mg-Arm mit Oraycea nur fünf Prozent.“

„Die bisher übliche orale Antibiotikatherapie veränderte die normale bakterielle Flora und begünstigte Superinfektionen wie die vaginale Candidiasis; fast alle behandelten Frauen litten darunter“, ergänzte Dr. Dieter Reinel (Hamburg). „Mit 40 mg teilretardiertem Doxycyclin in Oraycea dagegen wurde dieser unerwünschte Effekt bisher nicht beobachtet.“

Wichtig seien außerdem ein guter Sonnenschutz mit mindestens Lichtschutzfaktor 15. Als Begleittherapie eigneten sich topisch angewandtes Metronidazol-Gel, spezielle Massagen sowie Methoden zur Stressbewältigung.
Simone Reisdorf
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