ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2009Psychiatrie: Gemischter Eindruck

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Psychiatrie: Gemischter Eindruck

Dtsch Arztebl 2009; 106(43): A-2151

Joosten, Hermann J.

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Andreas Marneros, Michael Bauer, Anke Rohde (Hrsg.): Depressionen und bipolare Erkrankungen in der psychiatrischen und allgemeinärztlichen Praxis. Ein Leitfaden. ABW Wissenschaftsverlag, Berlin 2007, 675 Seiten, kartoniert, 69,95 Euro
Andreas Marneros, Michael Bauer, Anke Rohde (Hrsg.): De­pressionen und bipolare Er­krankungen in der psychia­trischen und all­gemein­ärztlichen Praxis. Ein Leit­faden. ABW Wissen­schafts­verlag, Berlin 2007, 675 Seiten, kartoniert, 69,95 Euro
Bei diesem Buch handelt es sich um eine Übersetzung eines US-amerikanischen Werkes mit dem Titel „The Physican’s Guide to Depression & Bipolar Disorders“. Gleich im ersten Unterkapitel werden die Diagnose und Therapie dieser Erkrankungen für den Allgemeinmediziner beschrieben. Es gibt weiter ausführliche Artikel über die grundsätzlichen Behandlungsstrategien, die Psychotherapie und ein Unterkapitel über diese Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

Es folgen Kapitel, welche den Zusammenhang mit und die Auswirkungen von anderen Erkrankungen und affektiven Störungen darlegen, wie zum Beispiel zwischen Depression und Diabetes, Adipositas, gynäkologischen und kardiovaskulären Erkrankungen, Schlaganfall, HIV. Insbesondere diese Kapitel sind für die diagnostische und therapeutische Praxis von großem Wert.

Insgesamt hinterlässt das Buch einen sehr gemischten Eindruck. Als Zielgruppe benennt der Verlag Psychiater und Allgemeinärzte. Allerdings werden in den Kapiteln ausführlich Studienergebnisse mit statistischen Befunden vorgestellt und diskutiert. Dies macht das Buch für Allgemeinärzte nicht gut lesbar, denn aus zeitlichen Gründen muss der Allgemeinmediziner von einer Vertiefung in Spezialistendiskussionen hinein absehen. Der Untertitel „Ein Leitfaden“ ist angesichts der Fülle der mitgeteilten Daten und der umfangreichen Literaturnachweise unpassend.

Als nachteilig, trotz der Bearbeitung zur Anpassung an die Verhältnisse des deutschen Gesundheitssystems, erweist sich die US-amerikanische Provenienz des Werks. Auch die Daten, etwa zur Prävalenz und Inzidenz, stammen aus den USA und sind nur bedingt auf deutsche Verhältnisse zu übertragen. Die psychotherapeutische Behandlung ist sehr einseitig dargestellt. Psychodynamische Verfahren, systemische Therapie und andere Formen der Psychotherapie werden nicht erwähnt. Auch fehlt ein eigenes Kapitel über Depression im Alter. Gerade für einen Allgemeinmediziner ist dies wichtig im Praxisalltag.

Für den Psychiater ist das Werk sicherlich eine gute Ergänzung zu originär deutschen Werken. Für den Allgemeinmediziner erscheint das Werk für die Behandlungspraxis nur sinnvoll, wenn er sich vertiefend und ausführlich über den Zusammenhang zwischen Depression und anderen Erkrankungen informieren will. Hermann J. Joosten
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