ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2009Medizinstudierende Deutschlands: Optimistischer in die Zukunft

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Medizinstudierende Deutschlands: Optimistischer in die Zukunft

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Der klassische Arztberuf hat beim Nachwuchs nicht an Attraktivität verloren. Dies ergab die aktuelle Umfrage des Deutschen Ärzteblattes Studieren.de. Doch die Kritik an den Arbeitsbedingungen nimmt zu.

Auf dem Kongress „Perspektiven und Karriere“ werden die Ergebnisse der Umfrage vorgestellt. Foto: Svea Pietschmann
Auf dem Kongress „Perspektiven und Karriere“ werden die Ergebnisse der Umfrage vorgestellt. Foto: Svea Pietschmann
Aus dem Herzen sprechen die Spitzenorganisationen der Ärzteschaft sowie ärztliche Berufsverbände und Fachgesellschaften den Ärztinnen und Ärzten von morgen. An die Unterhändler der neuen schwarz-gelben Koalition appellierten sie, den Arztberuf wieder auf die Behandlung von Patienten zurückzuführen und bessere Arbeitsbedingungen in Klinik und Praxis, eine angemessene Vergütung und bessere Möglichkeiten, Beruf und Familie in Einklang zu bringen, zu fördern. Dies deckt sich genau mit dem, was sich die heutigen Medizinstudierenden am meisten wünschen. Flexiblere Arbeitszeiten, Kinderbetreuung am Arbeitsplatz, verbesserte Umgangsformen im Krankenhaus sowie eine höhere Vergütung stehen ganz oben auf ihrer Liste. Dies ergab die jüngste Internetbefragung „Zukunft Arzt“ des Deutschen Ärzteblattes Studieren.de, unterstützt von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Mehr als 700 Studierende aller medizinischen Fakultäten Deutschlands, von denen sich 76 Prozent bereits im klinischen Abschnitt ihres Studiums befinden, nahmen daran zwischen März und Juni 2009 teil.

Die Umfrage, die an eine ähnliche Internetbefragung des Deutschen Ärzteblattes Studieren.de aus dem Jahre 2007 anschließt, offenbart einen erfreulichen Trend: Die Medizinstudentinnen und -studenten betrachten mittlerweile ihre Zukunft als Ärztin oder Arzt in Deutschland wieder positiver.

Gute berufliche Chancen
Ein Grund dafür mag die große Nachfrage der Krankenhäuser nach Fachärztinnen und -ärzten sein, die sich in den letzten zwei Jahren verstärkt hat. Ihre beruflichen Chancen in einem deutschen Krankenhaus bewerten jetzt 65 Prozent der Befragten als sehr gut und gut; vor zwei Jahren taten das nur 37 Prozent. Sehr gute und gute berufliche Chancen in der Niederlassung sehen heute 38 Prozent der Teilnehmer im Vergleich zu 26 Prozent im Jahr 2007. Auch der Drang der Befragten, nach Abschluss des Studiums Deutschland den Rücken zu kehren und ins Ausland auszuwandern, hat abgenommen. Während bei der Umfrage vor zwei Jahren noch zwei Drittel der Befragten angaben, mit dem Gedanken zu spielen, nicht in Deutschland ärztlich tätig zu werden, erwägen dies jetzt nur noch 44 Prozent.

Großen Einfluss auf die Sicht auf die eigene Zukunft als Ärztin oder Arzt haben die Erfahrungen, die die Befragten im Verlauf ihres Studiums machen. So ändern 71 Prozent ihre Einstellungen zum Arztberuf sowie die persönlichen Lebensplanungen während ihrer Studienzeit. Einige Studierende lassen sich den Arztberuf dadurch sogar vollständig „vergraulen“: Fünf Prozent der Befragten möchten nach den ersten Einblicken in einen deutschen Medizineralltag nicht mehr ärztlich tätig werden, 33 Prozent ganz sicher nicht in Deutschland. Und zwölf Prozent der Umfrageteilnehmer würden das Studienfach „Humanmedizin“ nach dem Abitur erst gar nicht mehr wählen. Zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten wollen sich ferner nicht auf ihre eigentliche Wunschfachrichtung versteifen, sondern je nach Arbeitsmarktsituation flexibel für verschiedene Gebiete bleiben. 41 Prozent von ihnen haben zunächst ihren Wunsch, in naher Zukunft eine Familie zu gründen, zur Seite geschoben.

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Obwohl viele Kliniken sich nach eigenen Angaben bemühen, die Arbeitsbedingungen für Ärzte und Ärztinnen zu verbessern, assoziieren die meisten an der Umfrage teilnehmenden Studierenden ebenso wie bei der Umfrage von 2007 hauptsächlich negative Attribute mit dem Arbeitsplatz Krankenhaus. Für knapp 90 Prozent stehen nach wie vor Bürokratie, Stress sowie hierarchische Strukturen im Vordergrund. Nur zehn Prozent meinen, dass die Tätigkeit im Krankenhaus angemessen bezahlt werde. Noch schlechter schneidet die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ab. Nur fünf Prozent der Umfrageteilnehmer sehen im Krankenhaus gute Möglichkeiten, um ärztliche Tätigkeit und Elternschaft miteinander zu verbinden.

Ein anderes Bild bietet sich im ambulanten Bereich. Hier meint fast die Hälfte der Studierenden (46 Prozent), Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren zu können und flexiblere Arbeitszeiten vorzufinden (57 Prozent). Lediglich 38 Prozent der Studierenden glauben, ihr berufliches Glück in einer eigenen Arztpraxis zu finden. 27 Prozent der Nachwuchsmediziner können sich gute berufliche Chancen durch die Nutzung der neuen Möglichkeiten, als angestellte/r Ärztin/Arzt in einer Praxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum zu arbeiten, vorstellen. Fast unverändert zu der Umfrage von 2007 assoziieren die meisten Studierenden mit einer ambulanten Tätigkeit eine hohe Verantwortung (95 Prozent), wirtschaftliches Risiko (87 Prozent), Bürokratie (88 Prozent) sowie Stress (55 Prozent), aber auch die Möglichkeit selbstbestimmt zu arbeiten (72 Prozent).

Bei aller Kritik haben die Ärztinnen und Ärzte von morgen aber auch viele Vorschläge, wie der Arztberuf attraktiver gestaltet werden kann. An der Spitze steht der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten (91 Prozent). Es folgen Wünsche nach Kinderbetreuung am Arbeitsplatz (84 Prozent), verbesserten Umgangsformen im Krankenhaus (83 Prozent) sowie einer höheren Vergütung (81 Prozent). Ferner fordern die Studierenden eine verbesserte Struktur der Weiterbildung (79 Prozent), mehr Fördermaßnahmen (75 Prozent), weniger restriktive politische Rahmenbedingungen für Ärzte (73 Prozent), mehr Unterstützung durch Kammern und Verbände (55 Prozent) sowie eine ausgelagerte Verwaltung (51 Prozent).

Wenngleich bei der diesjährigen Befragung ein etwas geringerer Prozentsatz der Studierenden angibt, aus Deutschland auswandern zu wollen – interessiert an fachlichem Austausch über Landesgrenzen hinweg sind die Medizinstudierenden ebenso wie vor zwei Jahren. 84 Prozent möchten die sich ihnen bietenden Möglichkeiten nutzen und gern auch im Ausland tätig werden. Vielen (71 Prozent) von -ihnen schwebt vor, einen Teil der Facharztweiterbildung im Ausland zu absolvieren, 30 Prozent stellen sich zudem einen Forschungsaufenthalt im Ausland vor. Leben und arbeiten möchten sie vorzugsweise in der Schweiz, in Schweden, in den USA, in Großbritannien sowie Australien/Neuseeland. Ihren Wunsch nach einer Tätigkeit im Ausland begründen die Studierenden mit einem besseren Arbeitsklima (89 Prozent), geregelten Arbeitszeiten (86 Prozent), dem Interesse an der Sprache und Kultur des anderen Landes (87 Prozent), einer besser strukturierten Aus- und Weiterbildung (80 Prozent), einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf (59 Prozent) sowie guten Karrierechancen nach der Rückkehr (71 Prozent).

Enthusiasmus für den Beruf
Eine in den Umfragen 2007 und 2009 des Deutschen Ärzteblattes Studieren.de deutlich sichtbare Konstante sind das Engagement und der Enthusiasmus der Nachwuchsmediziner. Trotz der Änderung von Vorstellungen im Verlauf des Studiums hat der klassische Arztberuf unter den Studierenden nicht an Attraktivität verloren: 91 Prozent der jetzigen Nachwuchsmediziner wollen kurativ tätig werden (2007: 90 Prozent). Als bevorzugte Fachrichtungen für die stationäre Versorgung und den ambulanten Bereich nennen die Nachwuchsmediziner sowohl 2007 als auch 2009 die „klassischen“ kurativen Fächer: Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesiologie, Pädiatrie, Gynäkologie sowie Allgemeinmedizin.

Vorgestellt werden die Ergebnisse der Umfrage auch auf dem Kongress „Perspektiven und Karriere“ des Deutschen Ärzteblattes und des Deutschen Ärzte-Verlages am 23. und 24. Oktober in Berlin.
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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