ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2009Randnotiz: Business must go on
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LNSLNS Der tägliche Irrsinn in einem normalen deutschen Krankenhaus: Die Zahl qualifizierter Assistenzärzte nimmt seit Jahren stetig ab. Nachwuchs ist kaum in Sicht. Hand aufs Herz – welcher Krankenhausarzt würde diesen Beruf heute noch einmal wählen? Eine qualifizierte Personalplanung gibt es schon lange nicht mehr, weil jene, die planen und entscheiden, leider wenig wissen von dem, was sie entscheiden. Bereitschaftsdienste sind nur noch mit Honorarärzten aufrechtzuerhalten. Sie werden gebraucht, aber nicht geschätzt. Sie arbeiten fürs Geld, haben keine ärztlichen Ideale mehr.

Die „Fallzahlen“ steigen: Patienten mit lächerlichen Befindlichkeitsstörungen bis zu komplexen Krankheitsbildern; multimorbide Patienten, kosten- und personalintensiv, deren Versorgung und Pflege faktisch nicht mehr gewährleistet werden kann.

„Da müssen wir was tun. Da müssen wir dranbleiben“, sagt der Manager – nicht Bankmanager, Geschäftsführer nennt sich der Herr mit vordergründigem Hang zu christlichem Gedankengut. Wir sind ja schließlich ein kirchliches Haus.

„Organisieren Sie es“ wird dem Abteilungsleiter gesagt. Es wird organisiert und geschuftet vor dem Mühlrad der ärztlichen Ethik, bis die paar übriggebliebenen Figuren am Rand der Erschöpfung sind und darüber hinaus. Derweil konferiert der Verwaltungsapparat erschöpfend.

Die Politiker: Medizinische Versorgung für alle! Medizinische Versorgung für alle wie bisher? Nicht bezahlbar, nicht leistbar. Jeder weiß es, keiner sagt es, keiner will es hören. Priorisieren? Pfui, schlimmes Wort.

„Organisieren Sie es!“ Der Abteilungsleiter weiß nicht mehr, wie er den Irrsinn organisieren soll. Er wird ausgetauscht. Business must go on.

Dr. med. Andrea Gerfer*
*Name geändert
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