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Die Abschaffung der berühmt-berüchtigten Tenderpoints als wichtigstes Kriterium des Fibromyalgiesyndroms (FMS) ist eindeutig zu begrüßen. In Bezug auf die Definition des FMS bringt es aber noch mehr Probleme: Das Krankheitsbild des FMS war früher inadäquat definiert, jetzt ist es fast gar nicht definiert. Ich empfinde es als unseriös, wenn sich epidemiologisch-wissenschaftliche Bemühungen und daraus entstandene Therapieempfehlungen (aktuelle deutsche S3-Leitlinie FMS) auf eine Patientengruppe mit solchen wagen Einschlusskriterien, wie „Schmerzen des Achsenskeletts (Halswirbelsäule oder vorderer Brustkorb oder Brustwirbelsäule oder Lendenwirbelsäule), Schmerzen der linken und rechten Körperhälfte, Schmerzen oberhalb und unterhalb der Taille, Steifigkeits-/Schwellungsgefühl der Hände oder Füße oder Gesicht sowie körperliche beziehungsweise geistige Müdigkeit oder Schlafstörungen“ beziehen. Als Arzt mit 20-jähriger täglicher Erfahrung mit Patienten mit FMS würde ich die Definition ändern: Das FMS ist ein Krankheitsbild, charakterisiert durch eine langandauernde generalisierte vertebragene Funktionsstörung, manifestiert durch multiple senso-motorische vor allem schmerzhafte lokale sowie reflektorisch übertragene Symptomatiken seitens der oberen und unteren Extremitäten, des Kopfes, des Rumpfes und der inneren Organe, generalisierte trophisch-entzündliche Weichteilstörungen sowie schmerzbedingte psychovegetative Erschöpfung des Patienten. Die Patientengruppe mit diesen, beziehungsweise weiter spezifizierten Einschlusskriterien sollte zum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung werden. Darunter verstehe ich nicht nur statistisch-epidemiologische, sondern vor allem klinisch-physiologische Grundlagenforschung. Aus Positionen klassischer Segment-Anatomie (metamerer Körperaufbau [1]) und moderner Schmerzphysiologie (neurogene Entzündung, zentrale und periphere Schmerzsensibilisierung [2]) ist das Krankheitsbild des Fibromyalgiesyndroms in meinen Augen ätiopathogenetisch nicht rätselhaft sondern eindeutig vertebragenbedingt, metamerbezogen und trophisch-vegetativ vermittelt (3).
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0728a


Eugen Judin
Lindemannstraße 5
40237 Düsseldorf
E-Mail: eugenjudin@gmx.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Wancura-Kampik I: Segment-Anatomie. München: Elsevier 2009.
2.
Schmidt RF, Lang F: Physiologie des Menschen. Heidelberg: Springer Medizin Verlag 2007; 296–342.
3.
Judin E: Praktische Vertebrologie in der Allgemeinmedizin. Bremen: UNI-MED-Verlag 2007.
4.
Häuser W, Eich W, Herrmann M, Nutzinger D, Schiltenwolf M, Henningsen P: Fibromyalgia syndrome — classification, diagnosis, and treatment [Fibromyalgiesyndrom: Klassifikation, Diagnose und Behandlungsstrategien]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(23): 383–91. VOLLTEXT
1. Wancura-Kampik I: Segment-Anatomie. München: Elsevier 2009.
2. Schmidt RF, Lang F: Physiologie des Menschen. Heidelberg: Springer Medizin Verlag 2007; 296–342.
3. Judin E: Praktische Vertebrologie in der Allgemeinmedizin. Bremen: UNI-MED-Verlag 2007.
4. Häuser W, Eich W, Herrmann M, Nutzinger D, Schiltenwolf M, Henningsen P: Fibromyalgia syndrome — classification, diagnosis, and treatment [Fibromyalgiesyndrom: Klassifikation, Diagnose und Behandlungsstrategien]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(23): 383–91. VOLLTEXT

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