ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2009Bankgeschäfte: Offenheit gefragt

BERUF

Bankgeschäfte: Offenheit gefragt

Vetter, Michael

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LNSLNS Finanzpartnerschaft erfordert heute weitaus mehr an wechselseitiger Kommunikation als noch vor der Kreditkrise. Daran werden sich die Ärzte gewöhnen müssen.

Das obligatorische Halbjahresgespräch mit dem für ihn zuständigen Bankangestellten fand für Dr. med. Günter M. als Hausarzt mit eigener Praxis in einer für ihn ungewohnten Atmosphäre statt. Einerseits war das Gesprächsklima mit seinem langjährigen Ansprechpartner bei der Bank zwar wie eigentlich immer recht angenehm, andererseits spürte er, dass „etwas im Busch war“. Erst als M. seinen Gesprächspartner konkret darauf ansprach, wurde dieser deutlich.

Offensichtlich wurde dem Arzt verübelt, dass er seinem Steuerberater strikt untersagt hatte, auf Anrufe der Bank zu aktuellen Fragen seiner wirtschaftlichen Situation sofort zu reagieren. Der Steuerberater war angewiesen, ihn als Praxisinhaber immer zuerst von Anrufen der Bank in Kenntnis zu setzen. Die Bank hatte M. bereits vor Jahren gebeten, diese Praxis zu überdenken, „um keine wertvolle Zeit zu verlieren“. M. war dagegen der Meinung, dass relevante Fragen zunächst mit ihm selbst zu klären seien. Außerdem gab es vonseiten der Bank Irritationen darüber, dass der pro Quartal erstellte Finanzstatus der hausärztlichen Praxis grundsätzlich erst vier Wochen nach dem jeweiligen Stichtag zum Quartalsende erstellt und der Bank zur Verfügung gestellt wird.

Die Bank will wissen, wie es läuft
Darüber hinaus – auch dieser Punkt wurde in der Vergangenheit von seiner Bank bereits kritisiert – war der Hausarzt bisher eher zurückhaltend mit Auskünften, wenn es um weitergehende betriebliche Informationen ging; etwa über Strategien zur Gewinnung von Privatpatienten mit entsprechendem Umsatzpotenzial. Im Ergebnis messe M. den Umfang seiner Kommunikation mit dem Kreditinstitut bisher nicht die Bedeutung bei, die seine Bank von ihm erwarten könne.

Während des Halbjahresgesprächs betonte der Bankangestellte auch, dass es nach wie vor „nicht gut ankommt“, dass M. bei kurzfristigem Liquiditätsbedarf mehr oder weniger ohne Rücksprache seinen Überziehungskredit auf dem Geschäftskonto über das Limit von 30 000 Euro hinaus „einfach in Anspruch nimmt“. Die Bank habe dies in der Vergangenheit zwar immer geduldet und entsprechende Überweisungsaufträge zugelassen, ein Fortschreiben dieser Situation für die Zukunft solle es nach dem Gespräch allerdings nicht mehr geben. Daran ließ der Bankmitarbeiter keinen Zweifel. In diesem Zusammenhang hatte M. von seiner Hausbank in der Tat immer wieder Umschuldungsvorschläge erhalten, um seine finanzielle Gesamtsituation langfristig zu ordnen. Eine angemessene Rückmeldung hatte es von M. dazu, zumindest nach Meinung des Kreditinstituts, nicht gegeben.

M. beurteilte die Geschäftsbeziehung naturgemäß anders und argumentierte, dass ohne Zustimmung der Bank weder Überweisungsaufträge ausgeführt worden noch Verlängerungen der Praxiskredite erfolgt wären. Die angeführten Problembereiche hätten allesamt nicht die Bedeutung, die ihnen von der Bank beigemessen würden. Hinzu komme aus seiner Sicht, dass es so gut wie keinen Schriftverkehr gebe, der auch nur auf einen dieser Punkte Bezug nehme. Das einzige Schreiben, an das er sich erinnern könne, beinhalte lediglich die Bitte des Kreditgebers, den jeweiligen Finanzstatus schneller zu übermitteln. Aber auch hier sei bisher weder eine schriftliche Mahnung noch ein mündlicher oder telefonischer Hinweis mit der Bitte um Erledigung erfolgt.

Der Bankangestellte betonte nach dem Meinungsaustausch, dass er und sein Arbeitgeber auch künftig auf eine partnerschaftliche Geschäftsverbindung Wert legten und dass die angesprochenen Punkte von M. zunächst als Diskussionsvorschläge gesehen werden sollten. Weiterhin sei es selbstverständlich, dass auch die Bank ihren Teil zu einer Verbesserung der Kommunikation beitragen müsse.
Michael Vetter

Checkliste
Vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftslage sollten Ärzte darüber nachdenken, ob und in welcher Form sich die Finanzkommunikation mit ihrer Hausbank verbessern lässt. Dazu sollte die zeitnahe Übermittlung wirtschaftlicher Daten (betriebswirtschaftliche und bilanzielle Auswertungen, Steuererklärungen und -bescheide et cetera) ebenso gehören wie Informationen über strategische Planungen der Praxis.

Zu einer anspruchsvollen Kommunikation gehört auch die rechtzeitige Information des Arztes über kurzzeitige Liquiditätsprobleme und die damit meist verbundene Bitte um eine vorübergehende Erhöhung des Kontokorrentkredits auf dem Praxiskonto. Details dazu sollten also jeweils kurzfristig mit dem Kundenberater der Hausbank abgestimmt werden.

Darüber hinaus interessiert es den Kreditgeber natürlich, wenn Umsätze und Gewinne von den Planvorgaben abweichen. Die Bank sollte auch bei diesen wichtigen Punkten auf dem Laufenden gehalten werden. Rechtzeitig informiert, kann gegebenenfalls Beratung und Hilfestellung geleistet werden.

Gemeinsam mit dem jeweiligen Kundenberater sollte darüber hinaus festgelegt werden, in welchen Abständen auf Orientierungsgespräche Wert gelegt wird, in denen nahezu sämtliche Aspekte behandelt werden, die mit der wirtschaftlichen Seite der Praxis zu tun haben. Dies sollte die Hausbank als vertrauensvoller Partner aber auch als Bringschuld sehen, um ihrem Kunden eigeninitiativ Optimierungsvorschläge zur Festigung der Kundenbeziehung vorzustellen. Infrage kommen zum Beispiel Kreditalternativen, Verbesserungsvorschläge zum Rating beziehungsweise zum Scoring oder Hinweise auf betriebliche Strategien in der Praxis.
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