ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2009Börsebius: Wenn Fonds dicht machen . . .

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Börsebius: Wenn Fonds dicht machen . . .

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LNSLNS Vor Einführung der Abgeltungsteuer wurden Hunderte neuer Investmentfonds neu aufgelegt, getrommelt wurde eben mit dem sehr den Absatz fördernden Argument, so noch steuerfreie Kursgewinne in der Zukunft sichern zu können. Abertausende Anleger hörten die selige Botschaft und stürmten vor allem in die besonders hochgejubelten Dachfonds.

Heute steht ein Großteil dieser Anlagefrischlinge vor dem Aus, einer Vielzahl von Investmentfonds droht damit ein frühes Begräbnis – mangels Masse. Viele dieser neuen Produkte haben das kritische Anlagevolumen von 50 Millionen Euro nicht überschreiten können, und so fressen die nicht unerheblichen Bodensatzkosten solcher Fonds nicht nur Renditen auf, sondern knabbern gar die Substanz an.

Blöd ist nur, dass die Fondskunden meist erst im Nachhinein erfahren, was wirklich Sache ist. Schon seit Wochen schließen nahezu alle bekannten Fondsgesellschaften (DWS, Deka, Union Invest und andere) ihre kümmerlichen Fonds.

Per Post erfahren dann die betroffenen Anleger, welches Schicksal ihrem Fonds bevorsteht. Entweder wird einfach zugemacht oder mit einem anderen Fonds fusioniert. Ein Mitspracherecht des Kunden gibt es natürlich nicht, während der Fondsgesellschaft lediglich eine Informationspflicht obliegt. Servicewüste Deutschland.

Ob Zumachen oder Fusionieren, das kann und darf dem Anleger weiß Gott nicht egal sein, steckt der steuertechnische Teufel nämlich allzu sehr im Detail. Wird der Fonds liquidiert, dann gilt das steuertechnisch als Verkauf, will heißen, es droht ziemliches fiskalisches Ungemach. Ist der Fondserwerb noch keine zwölf Monate alt, unterliegen also die zwangsweise realisierten Kursgewinne der Abgeltungsteuer plus Soli plus eventueller Kirchensteuer. Das ist ein klarer Treppenwitz der Geschichte: Fonds, die zum Steuersparen beworben und erworben wurden, werden selbst zur Steuerfalle.

Aber auch bei einer Fusion, die steuerlich unbedenklich ist, sollten Anleger nicht ohne Weiteres die Hände in den Schoß legen. Es kann durchaus sein, dass die Anlagepolitik nicht mehr stimmt, wieder ein Ausgabeaufschlag zu berappen ist oder die Fondsgesellschaft im neuen Konstrukt bei den Gebühren sehr viel kräftiger zulangt als zuvor. Wachsamkeit hilft also auch hier, unliebsame Überraschungen zu vermeiden.
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