ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2009Nanotechnologie: Umweltbundesamt warnt vor Gesundheitsrisiken

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Nanotechnologie: Umweltbundesamt warnt vor Gesundheitsrisiken

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LNSLNS Das Umweltbundesamt (UBA) hat vor Risiken durch den Einsatz von Nanotechnologie etwa in Kleidungsstücken und Kosmetika gewarnt. Solange die Wirkung auf Mensch und Umwelt noch nicht erforscht sei, sollten Produkte, die solche winzigen Partikel freisetzen könnten, vermieden werden. Nötig seien eine Kennzeichnungspflicht und ein Melderegister.

Einem UBA-Hintergrundpapier zufolge können manche der mit bloßem Auge nicht erkennbaren Partikel bis tief in die Lunge vordringen und dort Entzündungen auslösen. Zu einem geringen Teil könnten Teilchen auch in die Blutgefäße und damit in andere Organe des Körpers gelangen. Das UBA verweist auch auf Tierversuche, denen zufolge bestimmte Nanopartikel die DNA schädigen und Lungenkrebs auslösen können. Es gebe Hinweise, dass Nanoröhrchen aus Kohlenstoff Erkrankungen ähnlich wie Asbestfasern auslösen könnten.

Fürs bloße Auge unsichtbar: Experten fordern eine Kennzeichungspflicht für Produkte, die Nanopartikel enthalten. Foto: iStockphoto
Fürs bloße Auge unsichtbar: Experten fordern eine Kennzeichungspflicht für Produkte, die Nanopartikel enthalten. Foto: iStockphoto
Die Nanotechnologie arbeitet mit kleinsten Strukturen. Ein Nanometer ist 1 000-mal kleiner als der Durchmesser eines Menschenhaars. Laut dem Verbraucherzentrale Bundesverband stecken Nanopartikel bislang in einzelnen Produkten, zum Beispiel aus den Bereichen Funktionstextilien, Sonnencremes, Schuhputzmittel oder Wandfarbe. In Lebensmitteln würden sie hierzulande aber noch nicht verarbeitet, sagte eine Referentin.

Das UBA sieht in der Nanotechnologie aber auch Chancen für die Umwelt. So könnten nanotechnisch optimierte Kunststoffe das Gewicht von Autos und Flugzeugen senken und somit helfen, Treibstoff zu sparen. Auch bei der Entwicklung energiesparender LED-Leuchten habe die Nanotechnologie einen wichtigen Beitrag geleistet.

Die Grünenfraktion im Bundestag forderte, sowohl Chancen als auch Risiken der Nanotechnologie in den Blick zu nehmen. Diese biete große Chancen für ressourcenleichtes Wirtschaften, erklärte die forschungspolitische Sprecherin Priska Hinz. „Die können aber nur genutzt werden, wenn ihre Risiken erkannt und beherrscht werden.“ Sowohl eine Meldepflicht als auch ein Kennzeichnungssystem für Nanoprodukte seien sinnvoll. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz unterstützt die Forderungen nach einer solchen Melde- und Kennzeichnungspflicht. afp
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