ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2009Randnotiz: Hart – und ein wenig unfair

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Randnotiz: Hart – und ein wenig unfair

Dtsch Arztebl 2009; 106(44): A-2169 / B-1861 / C-1821

Gerst, Thomas

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LNSLNS Als neutrale Moderation lässt sich kaum bezeichnen, was Frank Plasberg in seiner Sendung „Hart aber fair“ zum Thema „Testfall Schweinegrippe – sind wir Versuchskaninchen der Pharmaindustrie?“ zu bieten hatte. Kritikern der Arzneimittelindustrie wurde ausgiebig Gelegenheit geboten, Mutmaßungen über deren Machenschaften zu verbreiten, dem Geschäftsführer des Verbandes forschender Pharmaunternehmen fuhr Plasberg patzig in die Parade.

Wohltuend waren da die nicht immer politisch korrekten, aber zutreffenden Anmerkungen des Berner Immunologen Prof. Beda Stadler. Anstatt darüber zu lamentieren, dass hier gute Geschäfte mit bösen Viren gemacht würden, sollte man lieber darüber nachdenken, warum dieser für die Volksgesundheit wichtige Bereich komplett der Industrie überlassen werde. Es sei doch klar, „dass die bösen Buben in dieser Situation mit dem Preis handeln“. Man müsse dafür sorgen, dass künftig so etwas nicht mehr möglich sei.

Auch als Plasberg überflüssigerreise am Beispiel einer angeblich gegen Neurodermitis und Schuppenflechte Wunder wirkenden Salbe die Pharmaindustrie, die das Produkt nicht vermarkten wollte, anprangerte, fand sein Gast aus der Schweiz deutliche Worte: „Wenn man hier so tut, als würde ein blödes Avocadoöl mit Vitaminen drin eine schwere Krankheit vom Erdboden verschwinden lassen, dann ist das Betrug“, schimpfte Stadler.

Die von Plasberg behaupteten „besten klinischen Studien“ erwiesen sich nach der Sendung bei kritischer Überprüfung als unzureichend, die Vermarktung der Salbe startete bereits vor Ausstrahlung der Sendung. Sicher ist nur: Die bösen Buben sitzen überall.
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