ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2009USA: Enttäuschende Screening-Bilanzen

AKTUELL: Akut

USA: Enttäuschende Screening-Bilanzen

Dtsch Arztebl 2009; 106(44): A-2170 / B-1862 / C-1822

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Zwei Jahrzehnte nach der Einführung der Früherkennung auf Mamma- und Prostatakarzinom ziehen US-Experten (JAMA 2009; 302: 1685–92) eine ernüchternde Bilanz. Trotz des Einsatzes von 20 Milliarden US-Dollar im Jahr sei der erhoffte Rückgang der Krebssterblichkeit weitgehend ausgeblieben. Auf das Mamma- und Prostatakarzinom entfielen in den USA etwa 26 Prozent aller Krebsdiagnosen, das seien 386 560 Fälle pro Jahr.

Diese Zahl ist seit der Einführung des Screenings deutlich gestiegen. Betrug das Lebenszeitrisiko eines Mannes, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, 1980 noch eins zu elf, so liegt es heute bei eins zu sechs. Zu verdanken ist dies in erster Linie dem PSA-Screening. Bei den Frauen ist das Lebenszeitrisiko auf ein Mammakarzinom von eins zu zwölf in 1980 auf heute eins zu acht gestiegen, eine Folge der Mammografie, die 70 Prozent der US-Frauen über 40 Jahre wenigstens einmal in ihrem Leben durchführen lassen. In jedem vierten Fall wird dann ein duktales Carcinoma-in-situ (DCIS) gefunden. Rechne man diese Präkanzerose zu den Diagnosen, dann habe sich bei den Frauen die Zahl der Brustkrebsfälle fast verdoppelt, wie dies bei den Prostatakarzinomdiagnosen des Mannes der Fall sei, berichtet Laura Esserman, die Leiterin des Carol Franc Buck Breast Care Center an der Universität von Kalifornien in San Francisco.
Sie thematisiert in ihrem Beitrag die bekannte Problematik der Überdiagnose und Übertherapie infolge des Screenings, das viele Tumoren entdeckt, die nicht zum Tod des Patienten führten. Gleichzeitig würden nach wie vor schnell wachsende und oft sehr aggressive Intervalltumoren zwischen den Screening-Terminen verpasst. Dies erkläre, warum ein deutlicher Rückgang bei den fortgeschrittenen Krebserkrankungen auch zwei Jahrzehnte nach dem Beginn des Screenings ausgeblieben sei. Die Autorin bezweifelt zwar nicht, dass ein regelmäßiges Mammografie-Screening das Risiko einer Frau, an einem Brustkrebs zu sterben, um 20 Prozent senke, da der Krebstod aber wegen der verbesserten Therapien insgesamt selten sei, sei der absolute Vorteil gering. Um einen Todesfall zu vermeiden, müssen laut Esserman 838 Frauen über sechs Jahre am jährlichen Screening teilnehmen, was Tausende von Röntgenaufnahmen, Hunderte von Biopsien und viele unnötige Krebsoperationen zur Folge hat, bei der Tumoren (in erster Linie DCIS) entfernt werden, die ohne Operation niemals das Leben der betroffenen Frauen gefährdet hätten. rme
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