ArchivDeutsches Ärzteblatt23/1997Die Träger der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft 1997

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Die Träger der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft 1997

Dtsch Arztebl 1997; 94(23): A-1558 / B-1310 / C-1226

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LNSLNS Aus Anlaß des 100. Deutschen Ärztetages 1997 in Eisenach sind mit der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet worden:
Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Martin Michael Arnold
Prof. Dr. med. Wilfried Fitting
Dr. med. Jacques Robert Marie Moulin
Prof. Dr. med. Horst Joachim Rheindorf
Prof. Dr. med. habil. Otto Scholz
Die beim 56. Deutschen Ärztetag 1952 in Berlin gestiftete Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft wird seither jährlich an solche Ärzte verliehen, die sich durch ihre vorbildliche ärztliche Haltung, durch besondere Verdienste um Stellung und Geltung des ärztlichen Standes oder durch außerordentliche wissenschaftliche Leistungen hervorgetan haben. Nachstehend die Laudationes der Verleihungsurkunden im Wortlaut.


Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Martin Michael Arnold
"Die deutschen Ärzte ehren in Martin Michael Arnold einen Arzt, der sich durch sein Wirken als akademischer Lehrer, Wissenschaftler und Sachverständiger sowie durch seine langjährige engagierte Tätigkeit in Gremien der Hochschule, der ärztlichen Selbstverwaltung und in der Politikberatung in hervorragender Weise um die ärztliche Versorgung der Patienten, die Forschung und Lehre, das Gesundheitswesen und das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht hat.
Geboren am 27. Dezember 1928 in Mainz, studierte Martin Michael Arnold nach dem Schulbesuch in Düsseldorf - unterbrochen durch Militärdienst im Zweiten Weltkrieg und Gefangenschaft von 1944 bis 1945 - und Abitur ab 1950 Medizin an den Universitäten Göttingen und Freiburg sowie an der Medizinischen Akademie Düsseldorf. 1955 Staatsexamen und 1956 Promotion zum Dr. med. mit einer bei Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. mult. Erich Derra in Düsseldorf angefertigten Arbeit zum Thema ,Das Verhalten der Serumaldolase bei chirurgischen Erkrankungen'. Nach der Pflichtassistentenzeit (I. Medizinische Klinik Düsseldorf, Prof. Dr. med. Franz Große-Brockhoff) arbeitete er von 1957 bis 1961 an der Medizinischen Forschungsanstalt der MaxPlanck-Gesellschaft in Göttingen (Prof. Dr. med. Karl Thomas und Prof. Dr. phil. Dr. med. Friedrich Timm) auf den Gebieten der Histochemie und Elektronenmikroskopie. 1961 wechselte Martin Michael Arnold an das Institut für Anatomie (Prof. Dr. med. Heinz Rollhäuser) der Justus-Liebig-Universität in Gießen und 1962 an das Anatomische Institut der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen (Prof. Dr. med. Walter Graumann). Dort Habilitation im Jahr 1965 mit einer Arbeit über die ,Funktionsentwicklung des Goldhamstermagens'.
Im Jahr 1971 wurde Martin Michael Arnold zum außerplanmäßigen Professor und Wissenschaftlichen Rat ernannt. 1972 Ruf auf den Lehrstuhl Anatomie III an der Universität Tübingen. Einen Ruf auf den Lehrstuhl Anatomie I an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf lehnte Martin Michael Arnold 1976 ab. Von 1984 bis zur Übernahme einer vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft eingerichteten Stiftungsprofessur ,Gesundheitssystemforschung' an der Medizinischen Fakultät Tübingen im Jahr 1990 war er geschäftsführender Direktor des Anatomischen Instituts.
Zum 31. März 1995 lief die auf fünf Jahre befristete Förderung der Stiftungsprofessur aus. Die vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Baden-Württemberg mit einer Anschubfinanzierung eröffnete Chance zur Fortführung der Arbeit der von Arnold aufgebauten Einrichtung wurde von der Medizinischen Fakultät nicht ergriffen.
Das Schriftenverzeichnis von Martin Michael Arnold weist auf seinem ursprünglichen Fachgebiet (Anatomie und Histochemie) rund 60 und auf dem bis heute von ihm vertretenen Gebiet der Gesundheitssystemforschung annähernd 200 Veröffentlichungen auf. Das Spektrum der Themen umfaßt medizinische, ökonomische, gesundheitspolitische und ethische Fragestellungen.
Frühzeitig hat sich Martin Michael Arnold mit dem Problem der Medizinerausbildung befaßt. Er organisierte Tutorien für ausländische Studenten, führte zahlreiche Neuerungen in den Kursen der Anatomie und Histologie ein, die dem Ziel dienten, den Unterricht zum Beispiel durch die Einbindung von Klinikern praxisbezogener zu gestalten und die Freude am Lernen zu fördern. Mehr als 20 Jahre war er als Gutachter des Deutschen Akademischen Austauschdienstes tätig. Maßgeblich beteiligt war er an der Erarbeitung eines Konzeptes für die Gründung einer Freien Medizinischen Hochschule des Hartmannbundes und sehr engagiert in dem von der Robert Bosch Stiftung (Stuttgart) geförderten ,Murrhardter Kreis'.
Im Rahmen der akademischen Selbstverwaltung wurde Martin Michael Arnold 1974 zum Baubeauftragten des Verwaltungsrates der Universität Tübingen für den Bereich der Medizin ernannt. Diese Funktion und die 1978 erfolgte Berufung in den Wissenschaftlichen Beirat der Bundes­ärzte­kammer - wo er sich anfangs zusammen mit dessen damaligem Vorsitzenden, Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Hanns Peter Wolff, Mainz, sehr intensiv mit der Entwicklung medizinischer Orientierungsdaten befaßte - haben einen engen Kontakt mit der klinischen Medizin und mit neuen Entwicklungen in ihren verschiedenen Fachdisziplinen gewährleistet. Von 1986 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundes­ärzte­kammer im Jahr 1995 gehörte er dem Vorstand dieses Gremiums an. Ebenfalls bis zu diesem Zeitpunkt blieb er seinen ursprünglichen Interessen durch die über 25 Jahre hinweg ausgeübte ehrenamtliche Tätigkeit als Schatzmeister der Gesellschaft für Histochemie e.V. verbunden.
Das breite, durch die Teilnahme an gesundheitsökonomischen Kolloquien der Robert Bosch Stiftung geförderte Interesse an Zusammenhängen zwischen Medizin und Ökonomie führte im Jahr 1985 zur Berufung in den neu gegründeten Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, dem er bis 1992 angehörte und dessen Vorsitzender er von 1988 bis April 1992 war.
Im Sommer 1989 wurde Martin Michael Arnold von der Landesregierung Vorarlberg zum Vorsitzenden eines neu eingerichteten medizinisch-wissenschaftlichen Beirates ernannt, der als wesentliches Ergebnis seiner Arbeit in Jahr 1993 ein Geriatrie-Konzept ,Vorarlberg' vorgelegt hat.
Bestimmt durch seine Arbeit in der vergleichenden Gesundheitssystemforschung - im Rahmen der Schriftenreihe der Ludwig-Sievers-Stiftung sind von 1989 bis 1995 neun Länderstudien erschienen - hat Martin Michael Arnold schon bald nach dem Fall der Mauer die damals noch bestehende DDR besucht, um die dortige Versorgungswirklichkeit kennenzulernen. Dies führte unter anderem zu Kontakten mit der Charité in Berlin und 1991 zur Berufung in die 6. Struktur- und Berufungskommission, deren Aufgabe die Neustrukturierung derselben war. Es gehörte zu den enttäuschendsten Erfahrungen von Martin Michael Arnold, daß dieses Engagement nicht den erhofften Erfolg hatte und die Chance eines Neubeginns dieser traditionsreichen Stätte der deutschen Medizin durch die finanziellen Engpässe des Landes Berlin nicht genutzt werden konnte.
Seine Sachkenntnis insbesondere in universitären Strukturfragen, speziell in der Medizin, brachte ihm 1993 die Berufung in die Forschungskommission in Niedersachsen ein.
Anfang 1997 wurde Martin Michael Arnold als Stellvertreter eines unparteiischen Mitgliedes in den Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen berufen.
Die Aktivitäten Martin Michael Arnolds in Forschung und Lehre und an der Schnittstelle von Medizin, Ökonomie und Politik wurden auf vielfältige Weise ausgezeichnet: Goldener Reflexhammer des Marburger Bundes 1992, Ehrenmitgliedschaft in der Gesellschaft für Histochemie 1994, Großes Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg 1995, Promotion zum Dr. med. h. c. der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin 1996.
Martin Michael Arnold war im Lauf seiner akademischen und außerakademischen Aktivitäten stets bemüht, die Verhältnisse in den Bereichen, für die er Verantwortung übernommen hatte oder empfand, zu optimieren. Insbesondere ging es ihm und geht es ihm unverändert darum, den überragenden Stellenwert der medizinischen Versorgung in einer säkularisierten Welt zu erklären und Medizin und Ökonomie zu verbinden, indem er Verständnis auf seiten der Ärzte für Gesichtspunkte der Ökonomie und auf seiten der Wirtschaftswissenschaftler für die Ansätze der Medizin zu wecken sucht.
Martin Michael Arnold hat sich durch seinen engagierten Einsatz, durch seine hohe wissenschaftliche Kompetenz, vorbildliche ärztliche Haltung als Arzt, Wissenschaftler, akademischer Lehrer, wissenschaftlicher Politikberater, Gesundheitspolitiker und Staatsbürger um die ärztliche Versorgung der Patienten, die Hochschulpolitik sowie durch seinen Einsatz in Beratungs- und Forschungsgremien um die Patienten, die Forschung, die Gesundheitsökonomie und die Hochschulpolitik, die Medizin, die Ärzteschaft und die ärztliche Selbstverwaltung sowie um das Gesundheitswesen in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht."


Anschrift
Im Tannengrund 1
72072 Tübingen


Prof. Dr. med. Wilfried Fitting
"Die deutschen Ärzte ehren in Wilfried Fitting einen Arzt, der sich durch sein Wirken als Arzt, akademischer Lehrer, Wissenschaftler, Gutachter und Berater sowie durch seine langjährige engagierte Tätigkeit in verschiedenen Gremien der ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften und an der Hochschule in hervorragender Weise um die ärztliche Versorgung der Patienten, die Forschung und Lehre, die Entwicklung des ärztlichen Gutachter- und Schlichtungswesens, die ärztliche Fort- und Weiterbildung sowie um das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht hat. Geboren am 31. Dezember 1919 in Bonn, begann Wilfried Fitting nach dem Abitur im März 1937 am Realgymnasium am Deutschen Kolleg in Bad Godesberg und nach Absolvierung des Arbeits- und Wehrdienstes während des sich unmittelbar anschließenden Kriegsdienstes sein Studium der Medizin, anfangs kombiniert mit dem Studium der Chemie, an den Universitäten in Bonn, in Straßburg und in Tübingen. 1945 bestand er das Physikum. Nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft setzte er das Medizinstudium in Bonn fort, wo er das Staatsexamen am 17. Dezember 1948 ablegte. Ärztliche Tätigkeit am Pathologischanatomischen Institut der Universität Bonn, Direktor Prof. Dr. med. Wilhelm Friedrich Ceelen. Dort beendete er seine experimentelle Dissertation zu dem Thema ,Histologische Untersuchungen über die Bedeutung der Retikulumzellen für die Regeneration des roten Knochenmarkes im Femur bei Erwachsenen bei chronischer Anämie, zugleich ein Bericht über vergleichende Untersuchungen von panoptisch gefärbten KnochenmarkSchnittpräparaten mit Ausstrichpräparaten nach dem Tode' und wurde 1949 zum Dr. med. promoviert.
Fortsetzung der klinischen Weiterbildung an der Medizinischen Universitäts-Klinik Bonn (Direktor: Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Paul Martini) und in der Chirurgischen Universitäts-Klinik Bonn (Direktor: Prof. Dr. med. Alfred Gütgemann). 1955 erhielt er die Anerkennung als Facharzt für Innere Krankheiten durch die Ärztekammer Nordrhein. Während der nachfolgenden Tätigkeit in der Medizinischen Universitäts-Klinik Bonn arbeitete Wilfried Fitting über Probleme der pathologischen Anatomie des Knochenmarks und des retikuloendothelialen Systems an histologischen Schnittpräparaten von durch Sternalpunktion gewonnenem Knochenmark, über die Bedeutung von Gewebs-Auto-Antikörpern bei experimentell erzeugten allergisch-hyperergischen Entzündungsvorgängen sowie über den Einfluß heterologer Gewebszellen auf den pathologisch-anatomischen Verlauf der MasugiNephritis mit dem Hinweis, daß die Behandlung mit sogenannten Frischzellen schädlich sein kann. 1950/51 richtete Wilfried Fitting nach kurzem Gastaufenthalt in dem Radio-Isotopen-Institut unter der Leitung des Physikers Prof. Dr. rer. nat. Werner Maurer an der Medizinischen Universitäts-Klinik Köln (Direktor: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. h. c. Dr. med. h. c. Hugo Wilhelm Knipping) und nach Erwerb von Kenntnissen über Strahlenphysik und Strahlenschutz sowie nach Erarbeitung spezieller Meßtechniken das Radio-IsotopenLaboratorium in der Medizinischen Universitäts-Klinik Bonn ein. Seine wissenschaftlichen Forschungen galten nun unter Anwendung der Markierung mit radioaktiven Isotopen dem quantitativen Jodstoffwechsel. Nach Feststellung eines spezifischen Konzentrierungsvermögens der menschlichen Speicheldrüsen für anorganisches Serum-Jodid ergab sich für die Klinik die Möglichkeit, die äußerst geringe Konzentration des anorganischen Jodids im menschlichen Serum zu bestimmen - als Voraussetzung für die Ermittlung der quantitativen JodidAufnahme sowie des Jodid-Aufnahmevermögens der Schilddrüse bei variablen Serum-Jodid-Konzentrationen, bei unterschiedlichen Funktionszuständen der Schilddrüse und bei kompensatorischer Struma. Die Ergebnisse ermöglichten zudem eine quantifizierende Deutung des sogenannten Radiojod-Tests sowie Untersuchungen der endokrinen Schilddrüsenfunktion mittels In-vivo- und In-vitro-Verfahren. Daneben wurden von ihm die Szintigraphie zur Funktions- und Lokalisationsdiagnostik von Organen sowie die Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion mit radioaktivem Jod unter Berücksichtigung genauer Dosisberechnung in der Klinik eingeführt, gleichsam als Beginn der sich später als eigenständiges medizinisches Teilgebiet entwickelnden ,Nuklearmedizin'. 1958 erhielt Wilfried Fitting die Venia legendi für das Lehrgebiet Innere Medizin mit der Habilitationsschrift: ,Der Jodumsatz der Schilddrüse (Untersuchungen mittels radioaktiven Jods)'. Die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeiten fanden ihren Niederschlag in zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen in der medizinischen Fachliteratur.
Nach Fortsetzung seiner Forschungsarbeiten und nach Lehrtätigkeit auf dem Gebiet der Inneren Medizin, der Hämatologie, Endokrinologie und der klinischen Elektrokardiographie erfolgte 1965 die Ernennung zum ,Außerplanmäßigen Professor' an der Rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität Bonn.
1961 wurde Wilfried Fitting unter Beibehaltung seiner akademischen Lehrtätigkeit an der Universität Bonn die Leitung der Medizinischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses Köln übertragen, zugleich mit der Aufgabe, dessen vollständigen Neubau mitzugestalten. Damit verbunden war die Einführung moderner Kran­ken­haus­struk­tu­ren, insbesondere die Ausstattung der Medizinischen Klinik mit modernen Einrichtungen. Das Fachgebiet Innere Medizin war so neben den anderen Fachabteilungen mit den Schwerpunkten Kardiologie, Gastroenterologie, Hämatologie, Endokrinologie, Diabetologie, internistische Intensivmedizin, Infektiologie, Endoskopie, Sonographie und internistischer Labormedizin medizinisch-klinisch vertreten. 1975 wurde Wilfried Fitting zum Ärztlichen Direktor des Evangelischen Krankenhauses Köln sowie zum Vorsitzenden des Krankenhausdirektoriums und zum Leiter der Krankenpflegeschule der ,Schwestern des Zehlendorfer Diakonievereins' am Krankenhaus ernannt. Während seiner klinischen Tätigkeit gehörte Wilfried Fitting zeitweilig dem Vorstand der Ärztekammer Nordrhein an, ferner dem Vorstand des Verbandes der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands e.V. Wilfried Fitting war Mitglied des ,Fachausschusses Gesundheitsdienst' der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Dort hat er unter anderem maßgeblich an der ,Unfallverhütungsvorschrift Gesundheitsdienst' für Krankenhäuser und ärztliche Praxen mitgewirkt.
Nach Beendigung seiner klinisch-ärztlichen Tätigkeit wurde Wilfried Fitting von dem Vorstand der Ärztekammer Nordrhein ab April 1985 zum ehrenamtlichen stellvertretenden Mitglied der ,Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler bei der Ärztekammer Nordrhein' für das Gebiet der ,Inneren Medizin' berufen, nachdem er sich für diese schwierige und umfangreiche, aber auch gesundheitspolitisch so bedeutsame und dem Allgemeinwohl dienende Aufgabe mit all seinen Kenntnissen und Erfahrungen zur Verfügung gestellt hatte. Im Dezember 1985 wurde er außerdem zum stellvertretenden und dann ab Dezember 1987 zum ehrenamtlichen ,Geschäftsführenden Kommissionsmitglied' berufen; er war zugleich Mitglied der ,Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen' bei der Bundes­ärzte­kammer.
Bis zu seinem Ausscheiden am 31. Dezember 1996 wurden diese Aufgaben von ihm mit unermüdlichem Engagement und großem Sachverstand wahrgenommen. Sein besonderes Anliegen war es, auf der rechtlichen Grundlage des geltenden Statuts mit ärztlicher Sachkompetenz und im Zusammenwirken mit den übrigen sachverständigen medizinischen und juristischen Kommissionsmitgliedern ärztliches Handeln in einem für die Beteiligten kostenfreien Verfahren objektiv und unabhängig kritisch und haftungsrechtlich als Grundlage für die außergerichtliche Schadensregulierung überzeugend zu beurteilen. Die gutachtlichen Bescheide verbesserten das Patienten-Arzt-Verhältnis und förderten die Leistungsqualität der Ärzteschaft.
Wissenschaftliche Auswertungen der gutachtlichen Beurteilungen wurden zur Qualitätssicherung ärztlichen Handelns und zur Vermeidung künftiger Behandlungsfehler in Vorträgen, in medizinischen Fachzeitschriften, in der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung und in den jährlichen Tätigkeits- und Ergebnisberichten der Ärztekammer Nordrhein der Ärzteschaft als Empfehlungen für praxisbezogene Hilfen für ärztliche Entscheidungsprozesse zugänglich gemacht. Die Erkenntnisse und medizinischen Feststellungen der Gutachterkommission dienen somit auch als Grundlage für die Entwicklung von qualitätssichernden Leitlinien und Richtlinien auf den verschiedensten Fachgebieten der Medizin sowie zur Prophylaxe vermeidbarer Behandlungsfehler.
Wilfried Fitting hat sich durch seinen engagierten Einsatz und seine vorbildliche Haltung als Arzt, Wissenschaftler, akademischer Lehrer, Berater von ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften und unabhängigen Gutachterkommissionen, als Gesundheitspolitiker und als Staatsbürger um die ärztliche Versorgung der Patienten, um die ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung sowie um das Gutachterwesen in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht."


Anschrift
Tiberiusstraße 3
50968 Köln


Dr. med. Jacques Robert Marie Moulin "Die deutschen Ärzte ehren in Jacques Robert Marie Moulin einen Arzt, der sich in mehr als 40jähriger Tätigkeit, zuerst als praktischer Arzt und ab 1964 als Facharzt für Rheumatologie, um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung sowie die internationale Zusammenarbeit der Ärzteschaft, insbesondere in seiner Eigenschaft als Generalsekretär der Französischen Ärztekammer, als Mitglied und über einige Jahre Leiter der französischen Delegation sowie als Vorsitzender des Ausschusses ,Ethik und Berufsregeln' des Ständigen Ausschusses der Europäischen Ärzte, als Präsident des Weltärztebundes und nicht zuletzt als Mitglied der Europäischen Akademie für ärztliche Fortbildung in hervorragender Weise verdient gemacht hat.
Geboren am 30. April 1921 in Paris, studierte Jacques Robert Marie Moulin nach dem Abitur in Janson de Sailly während des Zweiten Weltkrieges an der Medizinischen Hochschule in Poitiers (1939 bis 1940) und an der Medizinischen Fakultät in Paris (1940 bis 1945). Im April 1945 wurde er zum Doktor der Medizin promoviert. Während seiner Verwendung im französischen Militär war Jacques Robert Marie Moulin als Assistenzarzt in der Gruppe Olivier und als kriegsfreiwilliger Oberarzt eingesetzt. Im September 1944 ist er vom Kriegsministerium zum Ge­sund­heits­mi­nis­terium abkommandiert worden, danach wurde er dem Ministerium für Deportierte und Kriegsgefangene, Abteilung Repatriierung, zugeteilt und zum stellvertretenden Leiter dieser Abteilung ernannt. In dieser Funktion war Jacques Robert Marie Moulin für den Einsatz jener Ärzte verantwortlich, die für die Abteilung Repatriierung abgestellt wurden. Damals wurden rund 4 000 Ärzte einberufen oder erneut zum Wehrdienst eingezogen.
Jacques Robert Marie Moulin hat tatkräftig an Repatriierungsmissionen am Ende des Zweiten Weltkrieges teilgenommen und an der Heimführung von Elsässern und Lothringern aus Frankfurt/Oder mitgewirkt. Danach hat er sich an der Einrichtung eines Repatriierungszentrums in Nordafrika (Algerien und Marokko) beteiligt.
Von 1947 bis 1964 war Jacques Robert Marie Moulin in verschiedenen Wohnbezirken in Paris als Arzt für Allgemeinmedizin niedergelassen. Von 1964 bis 1977 erfolgte seine Weiterbildung im Fach Rheumatologie, einem Gebiet, auf das er seine Tätigkeit als niedergelassener Facharzt für Rheumatologie in Paris konzentrierte.
Für das Französische Rote Kreuz war Jacques Robert Marie Moulin von 1945 bis 1964 aktiv tätig und hat sich dort auf arbeitsmedizinische Probleme konzentriert. Er war von 1957 bis 1964 Ambulanzarzt in Paris, von 1964 bis 1970 wirkte er, zuständig für Rheumatologie, für das Französische Rote Kreuz in Paris, von 1964 bis 1970 war er zugleich Konsiliararzt für Rheumatologie am Hôpital de Vacluse (Essone).
Unter dem Eindruck der verheerenden Folgen gewaltsamer Auseinandersetzungen - nicht zuletzt auch des Zweiten Weltkrieges - hat sich Jacques Robert Marie Moulin stets zielstrebig unter Wahrung eines klaren eigenen Standpunktes mit seinem von ärztlicher Erfahrung und menschlichem Verständnis geprägten großen Verhandlungsgeschick sowie der ihm eigenen Konsilianz und Überzeugungskraft für dauerhafte, tragfähige Lösungen eingesetzt. Die seit vielen Jahren hervorragenden Beziehungen zwischen der französischen und der deutschen Ärzteschaft sind dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Seit dem 80. Deutschen Ärztetag im Mai 1977 in Saarbrücken hat Jacques Robert Marie Moulin - von wenigen Deutschen Ärztetagen abgesehen - regelmäßig an den Arbeitssitzungen der Deutschen Ärztetage teilgenommen. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Kooperation zwischen der französischen und deutschen Ärzteschaft verlieh ihm der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer im Juli 1994 das Ehrenzeichen der deutschen Ärzteschaft.
Als Präsident des Weltärztebundes hat sich Jacques Robert Marie Moulin besonders um die Reintegration afrikanischer Ärzteorganisationen bemüht; er hat sich mit Nachdruck dafür eingesetzt, daß der Weltärztebund in seiner Vorreiterrolle bei der Bewältigung humanitärer Aufgaben bestärkt wurde. Stets vertrat er die Auffassung, daß es nicht ausreiche, sich mit bloßen schriftlichen Aktionen und konsentierten Deklarationen zu äußern, sondern daß vielmehr den Ärztinnen und Ärzten direkte praktische und tatkräftige Hilfe geleistet werden muß, wenn sie mit vielen sie überfordernden Problemen in ihrem Land konfrontiert werden.
Von 1987 bis 1994 führte Jacques Robert Marie Moulin den Vorsitz im Ausschuß ,Ärztliche Ethik und Berufsregeln' des Ständigen Ausschusses der Europäischen Ärzte. Seine Amtsführung zeichnete sich vor allem dadurch aus, daß er die Arbeitstagungen stets gewissenhaft und sorgfältig vorbereitete und sie zu einem fruchtbaren Ergebnis führte, auch dank seiner guten Kontakte zu den europäischen Einrichtungen, Verbänden und Organisationen, wie beispielsweise der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und dem Europarat. Zugleich pflegte Jacques Robert Marie Moulin ausgezeichnete partnerschaftliche Beziehungen zu den Spitzenorganisationen und Repräsentanten in maßgeblichen Gremien seines Landes und zu den französischen Ministerien. Die Arbeitstagungen und Konferenzen leitete Jacques Robert Marie Moulin souverän und umsichtig. Auch schwierige Beratungen führten zu vorzeigbaren Ergebnissen, nicht zuletzt dank seiner Zielstrebigkeit, seiner großen Sachkenntnis und seines beharrlichen persönlichen Einsatzes. In den letzten drei Jahren unter Vorsitz von Jacques Robert Marie Moulin - von 1992 bis 1994 - behandelten diese Gremien ebenso aktuelle wie konfliktreiche Themen wie beispielsweise die Bioethikkonvention, die mit der Forschung über das menschliche Genom verbundenen Probleme und die Kostenbegrenzung im Gesundheitswesen sowie Fragen der ärztlichen Ethik.
Zur Arbeit der Internationalen Konferenz der Ärztekammern und Organisationen mit entsprechenden Aufgaben, die bei der Französischen Ärztekammer koordiniert wird und die sich schwerpunktmäßig mit Regeln und Normen der Berufsordnung und der ärztlichen Ethik, Fragen der Aus-, Weiter- und Fortbildung sowie der Migration der europäischen Ärztinnen und Ärzte innerhalb der Europäischen Union befaßt, leistete Jacques Robert Marie Moulin einen wichtigen, bleibenden Beitrag; auch dort leitete er die Arbeitstagungen und Konferenzen in vorbildlicher und unbestechlicher Weise.
In Anerkennung seines großen Einsatzes und seines ehrenamtlichen Wirkens in nationalen, supranationalen und internationalen Gremien wurde Jacques Robert Marie Moulin wiederholt geehrt, so unter anderem mit der Europäischen Verdienstmedaille in Silber (1991) und dem Offizierskreuz der Ehrenlegion (1997).
Jacques Robert Marie Moulin hat sich durch seinen unermüdlichen Einsatz und seine vorbildliche Haltung als Arzt, als gewählter Repräsentant von ärztlichen Organisationen und Verbänden sowie durch sein sachkundiges, beharrliches, engagiertes Wirken in zahlreichen regionalen, nationalen und internationalen Gremien um seine Patienten, um die Medizin, um die internationale Zusammenarbeit, um die Vertretung der ärztlichen Anliegen und die Wahrung ethischer Grundsätze ärztlichen Handelns sowie um die berufliche Unabhängigkeit in der Europäischen Union und im Weltärztebund in hervorragender Weise verdient gemacht."


Anschrift
35, rue Malar
F-75007 Paris


Prof. Dr. med. Horst Joachim Rheindorf
"Die deutschen Ärzte ehren in Horst Joachim Rheindorf einen Arzt, der sich durch sein engagiertes Wirken als Arzt und Geschäftsführender Arzt der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, seine mehr als vierzig Jahre währende Tätigkeit in ärztlichen Verbänden und Selbstverwaltungskörperschaften sowie seinen Einsatz in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung an Universitäten und Akademien und seine Mitarbeit in Gremien der Ärzteschaft um die ärztliche Versorgung der Patienten, die deutsche Ärzteschaft sowie das Gesundheitswesen und das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland in hohem Maße verdient gemacht hat.
Am 6. Mai 1922 in Kassel geboren, studierte Horst Joachim Rheindorf nach Abitur und Kriegseinsatz als Infanterist und im Sanitätsdienst Medizin - wiederholt durch Fronteinsätze unterbrochen - ab 1943 an der Medizinischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg/Lahn. Dort absolvierte er 1950 das Staatsexamen und wurde im gleichen Jahr zum Dr. med. promoviert. Weiterbildung in Frauenheilkunde (Prof. Dr. med. Carl Kaufmann), in Innerer Medizin (Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. mult. Hans Erhard Bock) in Marburg/Lahn von 1950 bis 1953, ergänzt durch rechtsmedizinische und juristische Studien, insbesondere zur ,Geschichte der Fruchtabtreibung'.
Bereits unmittelbar nach dem Medizinstudium engagierte sich Horst Joachim Rheindorf intensiv in der ärztlichen Berufspolitik und der Selbstverwaltung auf Landes- und Bundesebene. Pflichtbewußtsein, geschulte Rhetorik, Mut, Durchsetzungskraft und Zivilcourage prägten fortan die berufliche Karriere, das Lebenswerk und Wirken des dynamischen, gestandenen Vollblut-Berufspolitikers.
Ursprünglich war ihm eine ärztlich-wissenschaftliche Karriere vorgezeichnet, die der Ordinarius für Frauenheilkunde schon während der Pflichtassistentenzeit Horst Joachim Rheindorfs förderte. Das Chaos der Nachkriegsjahre an den Universitäten und die Unzulänglichkeiten im Personalbereich der medizinischen Fakultäten, die noch immer anhaltende Notlage der Ärztinnen und Ärzte sowie die harsche, oftmals unbeugsame Haltung der Krankenhausträger gegenüber der jungen, ausgebeuteten und im Stich gelassenen Ärztegeneration bewogen den jungen Klinikarzt, sich zusammen mit Rolf Schlögell, Josef Stockhausen, HeinzJosef Goldbach, Wilhelm Theopold, Rolf Detlev Berensmann, Heinz Friedrich Moog und anderen in dem in Marburg gegründeten Verband der Jungärzte zu engagieren und unter Zurückstellung persönlicher Wünsche und Interessen in diesem Verband der angestellten Ärzte mitzuwirken. Dieser berufspolitische Antrieb und seine Motive, für die Rechte der jüngeren Ärzteschaft zu kämpfen und sie durchzusetzen, haben den Arzt und Berufspolitiker Horst Joachim Rheindorf seitdem nicht mehr losgelassen.
Seine klinische Tätigkeit gab er auf, als ihn Dr. med. Carl Oelemann, Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern und in den ersten Nachkriegsjahren deren Präsident, für die Kassenärztliche Vereinigung und die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, beide damals noch nicht Körperschaften des öffentlichen Rechts, für eine hauptamtliche Tätigkeit gewann. Bei Dr. med. August Haller wurde er von 1953 bis 1956 mit den Grundlagen der Sozialversicherung und der ärztlichen Berufspolitik vertraut gemacht, ehe er 1956 nach Konstituierung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen als Körperschaft des öffentlichen Rechts deren ärztliche Geschäftsführung übernahm. In seinem neuen, weitgefächerten Betätigungsfeld konnte er unter vollem fachlichen und persönlichen Einsatz alles das anpacken, entfalten und entwickeln, was er, als in der Sache richtig erkannt, im Dienste der Ärzteschaft verwirklichen wollte. Seine Initiativen waren geleitet von der Erkenntnis, daß nur transparente und gerechte Regelungen die Ärzte und ihre Selbstverwaltung vor Angriffen von außen und innen bewahren können. Als eine wichtige Voraussetzung für die berufliche Tätigkeit sah er stets die Konstituierung, Fundierung und richtungweisende Weiterentwicklung des Fort- und Weiterbildungswesens in Hessen und auf Bundesebene. So wurde er frühzeitig in den Weiterbildungsausschuß der Bundes­ärzte­kammer gewählt, von dem die entscheidenden Impulse und Richtlinien für eine zeitgemäße ärztliche Weiter­bildungs­ordnung ausgegangen sind; sie tragen auch die Handschrift von Horst Joachim Rheindorf. Der Entwurf einer neuen ,Muster'-Berufsordnung wurde ebenfalls maßgeblich von ihm mitgeprägt.
Mit zäher, oftmals unkonventioneller Beharrlichkeit stritt er für die Verbesserung der damals oft nur unzureichenden finanziellen Absicherung gegen das Risiko von Berufsunfähigkeit sowie für eine gesicherte Alters- und Hinterbliebenenversorgung. Das Versorgungswerk im Bereich der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen wurde unter der Ägide von Horst Joachim Rhein-dorf zu einem der besten berufsständischen Versorgungswerke ausgebaut.
Unterstützt durch das Präsidium der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, gelang es Horst Joachim Rheindorf, Bad Nauheim als Zentrum der ärztlichen Fort- und Weiterbildung auf- und auszubauen. Die Initiative zur Gründung der Akademie für ärztliche Fortbildung, später ergänzt durch ,Weiterbildung', der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, deren Vorsitz er vier Jahre innehatte, geht auf ihn zurück. Auf seine Anregung hin wurden der Bau der Carl-Oelemann-Schule in Bad Nauheim geplant und die überbetriebliche Ausbildung, die Fort- und Weiterbildung zur Arzt-Fachhelferin durchgeführt. Den Vorstandsvorsitz hatte er viele Jahre inne. Das herausragende Lebenswerk von Horst Joachim Rheindorf und das Vorzeigestück der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen bleibt das Fortbildungszentrum mit der Akademie in Bad Nauheim. Das hessische Beispiel der Akademie unter Vorsitz von Dr. med. Hermann Kerger entwickelte sich zur Modelleinrichtung und zum Muster für ähnliche Einrichtungen anderer Lan­des­ärz­te­kam­mern. Dem Präsidium des Hessischen Landesgesundheitsrates gehörte er zeit seines Bestehens an und leitete dessen Krankenhausausschuß. Er setzte sich für die Entwicklung eines modifizierten Belegarztsystems ein. Der Redaktion des ,Hessischen Ärzteblattes' gehörte Horst Joachim Rheindorf 35 Jahre an.
Die Einrichtung der ,Bad Nauheimer Gespräche' legte Horst Joachim Rheindorf dem damaligen Präsidenten der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, Dr. med. Wolfgang Bechtoldt, nahe, der sie bis zu seinem frühen Tod mit der ihm eigenen Dynamik entwickelte und dazu beitrug, daß sich unterschiedliche Gruppierungen bis heute zum gemeinsamen Dialog zusammenfinden.
Ausfluß seiner preußischen Tugenden, der selbstverständlichen Pflichterfüllung war auch sein Engagement für den ärztlichen Nachwuchs. Mit eigenen Mitteln stiftete er einen Fonds ,Begegnung mit der ärztlichen Jugend' mit dem Ziel, die nachwachsende Generation von sozialutopisch-reformerischen Ideen abzuhalten, für die Selbstverwaltung zu gewinnen, Verständnis für die gemeinsamen Aufgaben zu wecken und sie von einem kurzsichtigen Job-Denken abzuhalten.
Seine Mitarbeit und seine Erfahrungen waren auch im Verband Freier Berufe in Hessen e.V. und im Wirtschaftlichen Beirat der Deutschen Klinik für Diagnostik, Wiesbaden, gefragt. In der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e.V., deren Gründungsmitglied er ist, war er 25 Jahre lang stellvertretender Vorsitzender. Als Kenner der ärztlichen Altersversorgungswerke war Horst Joachim Rheindorf Sprecher des EG-Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Berufsständischer Versorgungswerke e.V. bis 1992.
1971 wurde Horst Joachim Rheindorf auf Grund seiner Verdienste bei der Institutionalisierung der ärztlichen Fortbildung in Hessen, als Initiator der Hessischen Akademie für Betriebs- und Arbeitsmedizin und seiner berufspolitischen Publikationen zum Lehrbeauftragten für ärztliche Rechts- und Berufskunde im Fachbereich Humanmedizin der Universität Gießen berufen.
Auf Bundesebene wirkte er unter anderem in den Ständigen Konferenzen ,Ärztliche Weiterbildung' sowie ,Fürsorge und Versorgung' und im Ausschuß ,Arbeitsmedizin' mit. Er war Mitglied im Deutschen Senat für ärztliche Fortbildung und gehört dem "Großen Senat" heute noch an. Horst Joachim Rheindorf engagierte sich auch als Organisator, Moderator und Referent bei nationalen und internationalen Fortbildungskongressen. Für dieses Engagement ehrte ihn die Bundes­ärzte­kammer 1971 mit der Verleihung der Ernst-von-BergmannPlakette.
Auch nach seiner Pensionierung 1987 brachte Horst Joachim Rheindorf seine Arbeitskraft in die Deutsche Akademie für medizinische Fortbildung und Umweltmedizin, Kassel und Bad Nauheim, ein, deren Vorsitz er seit mehr als 25 Jahren innehat.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands hat Horst Joachim Rheindorf in den neuen Bundesländern Symposien, Seminare und Kurse durchgeführt und vielen Ärztinnen und Ärzten in der Arbeits- und Betriebsmedizin im Rahmen von Aufbaukursen zur Qualifizierung verholfen.
1992 wurde Horst Joachim Rheindorf zum Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Schriftstellerärzte e.V. gewählt. 1995 ist er in Velingrad (Bulgarien) zum Vizepräsidenten der Union Mondiale des Écrivains Médecins (UMEM) gewählt worden.
Er ist Ehrenmitglied des Marburger Bundes auf Landes- und Bundesebene. 1982 erhielt er in Anerkennung seiner Verdienste um die Gesundheitserziehung die Bernhard-Christoph-Faust-Medaille des Landes Hessen. 1987 verlieh ihm die Lan­des­ärz­te­kam­mer die Ehrenplakette in Gold, ihre höchste Auszeichnung. Die Landeszahnärztekammer Hessen zeichnete ihn mit der Ehrenplakette aus. Seit 1983 ist er korrespondierendes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin e.V., seit 1986 Ehrenmitglied des Bundesverbandes Deutscher Schriftstellerärzte.
Horst Joachim Rheindorf hat sich durch unermüdlichen Einsatz, Sachverstand und Weitblick, verbunden mit eisernem Willen, Zielstrebigkeit, Durchsetzungsvermögen, aber auch durch seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, seine Pflichterfüllung, Aufrichtigkeit, nimmermüde Hilfsbereitschaft und vorbildliche Haltung als Arzt, Berufs- und Gesundheitspolitiker sowie als Staatsbürger um die ärztliche Versorgung der Patienten, um die Ärzteschaft und die ärztliche Selbstverwaltung sowie die Erhaltung eines freiheitlichen Gesundheitswesens in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht."


Anschrift
Götzenmühlweg 10
61350 Bad Homburg v. d. H.


Prof. Dr. med. habil. Otto Scholz
"Die deutschen Ärzte ehren in Otto Scholz einen Arzt, der sich in fast vier Jahrzehnten chirurgischer Tätigkeit um seine Patienten sowie als Wissenschaftler und akademischer Lehrer insbesondere um die Chirurgie - besonders die Abdominalchirurgie, die Chirurgie der Nieren und Nebennieren, die Unfallchirurgie und die Knochentransplantation - sowie um die ärztliche Versorgung der Patienten, die Wissenschaft, den Ausbau des Gesundheitswesens und die nationale und internationale Kooperation und Zusammenarbeit in besonderer Weise verdient gemacht hat.
Geboren am 5. Juni 1916 in Geusa (Kreis Merseburg), studierte Otto Scholz nach dem Abitur in Merseburg und nach Ableistung des Arbeits- und Wehrdienstes Medizin an den Universitäten in Halle und Leipzig. Das Staatsexamen legte er 1942 ab, zum Dr. med. wurde er im Januar 1943 mit dem Thema ,Therapie und Prognose der Pneumokokkenperitonitis' promoviert. Während des Zweiten Weltkrieges war er als Bataillonsarzt eingesetzt und wurde zweimal verwundet. Nach dem Krieg begann er zunächst seine gynäkologisch-geburtshilfliche Weiterbildung an der Privatklinik Thies in Leipzig, die im Jahr 1946 enteignet wurde. Es folgten Weiterbildungszeiten an der Universitätskinderklinik in Leipzig, die durch eine Dienstverpflichtung als Hilfsvenerologe zur Bekämpfung grassierender Infektionskrankheiten unterbrochen wurden.
Im Jahr 1947 setzte Otto Scholz seine Tätigkeit als Stationsarzt an der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung des St. Elisabeth-Krankenhauses Leipzig unter Leitung von Dr. med. Paul Wigger fort. 1948 fand er zu seinem späteren Interessengebiet, der Chirurgie. Durch seine Arbeit an der Chirurgischen Abteilung des St. Elisabeth-Krankenhauses unter Leitung von Prof. Dr. med. Erich Hempel erhielt er eine solide, breit angelegte Weiterbildung. Im November 1950 wurde er wissenschaftlicher Oberassistent im Chirurgisch-Poliklinischen Institut der Universität Leipzig bei seinem eigentlichen chirurgischen Lehrer, Prof. Dr. med. Dr. Herbert Uebermuth. Nach dessen Berufung zum Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik wurde Otto Scholz dort Oberarzt. Noch vor Abschluß der Habilitation und trotz der Eröffnung einer akademischen Laufbahn zog Otto Scholz es, einem alten Wunsch folgend, vor, die Position als Chefarzt der Chirurgischen Klinik im Krankenhaus "Am Sund" in Stralsund (einem ehemaligen Lazarett der Kriegsmarine) zu übernehmen, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1981 tätig war.
Mehr als 15 Jahre lang war Otto Scholz im damaligen Bezirkskrankenhaus zugleich stellvertretender Direktor für Wissenschaft und Fortbildung und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates. Als ambulant tätiger Chirurg versorgte Otto Scholz auch nach seiner Pensionierung viele seiner Patienten.
Im Jahr 1960 habilitierte sich Otto Scholz mit dem Thema ,Konservative Behandlung schwerer gedeckter Hirntraumen' an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. 1969 wurde er von der Ernst-MoritzArndt-Universität Greifswald zum Honorarprofessor ernannt. Als Facharzt für Chirurgie und für Urologie mit der Teilgebietsanerkennung für Traumatologie gehört Otto Scholz zu den wenigen Wissenschaftlern und engagierten Chirurgen, die sowohl in der Chirurgie und Traumatologie als auch in der Kinderchirurgie, Urologie und Gynäkologie kompetent und erfolgreich waren. Als Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik Leipzig half er mit Weitblick und großem Durchsetzungsvermögen, die Thoraxchirurgie, eine selbständige Herzchirurgie (Prof. Dr. med. Martin Herbst), die Kinderchirurgie (Prof. Dr. med. Fritz Meißner) und die Urologie (Prof. Dr. med. Alexander Feustel) mit aufzubauen; nach Jahren des Niederganges der deutschen Medizin gelang es so, wieder Anschluß an die internationale medizinische Entwicklung zu finden.
Für Otto Scholz gab es keinen fruchtlosen Widerstreit von Integration versus Spezialistentum. Konsequent entwickelte er deshalb am Bezirkskrankenhaus Stralsund (2 000 Krankenhausbetten) frühzeitig Spezialabteilungen für Unfall-, Kinder- und Gefäßchirurgie. Gegen den Widerstand des zentralistisch geführten Gesundheitswesens der damaligen DDR gelang es ihm bereits in den siebziger Jahren, die verordnete Auflösung der Tbc-Chirurgie zu verhindern und aus diesem Teilgebiet eine moderne fachspezifische Thoraxchirurgie zu entwickeln und zu etablieren. Bereits im Jahr 1961 entstand auf das Betreiben von Otto Scholz eine eigenständige Anästhesie. Im damaligen Bezirk Rostock wurde mit tatkräftiger Hilfe von Otto Scholz auch eine chirurgisch orientierte Wachstation als erste Modelleinrichtung aufgebaut. Auf dem Höhepunkt der Kongokrise im Jahr 1960/1961 stellte sich Otto Scholz auf Bitten der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) und des Internationalen Roten Kreuzes für den humanitären NothilfeEinsatz in der Provinz Kivu/Ostzaire zur Verfügung und leitete tatkräftig eine der ersten Einsatzgruppen mit internationaler Anerkennung. Unter anderem mußten das Hospital Menga unter großem persönlichen Einsatz und unter widrigen Umständen wieder arbeitsfähig gemacht, drei Leprastationen im Distrikt Menga versorgt und plötzlich aufgetretene Pocken durch eine breitangelegte, wirksame Impfaktion bekämpft werden.
Otto Scholz war ein begeisternder, universell gebildeter, imponierender akademischer Lehrer und vorbildlicher professioneller Fortbilder. Die ärztlichen Fortbildungskongresse und kollegialen Konferenzen in Stralsund wurden von zahlreichen Ärztinnen und Ärzten aus der ganzen damaligen DDR besucht, weil viele international renommierte Chirurgen aus der Bundesrepublik Deutschland, aus Schweden, Österreich und aus der Volksrepublik Polen gerne den auf Initiative von Otto Scholz gestarteten Einladungen nach Stralsund folgten. Es ist ein besonderes Verdienst, daß Otto Scholz auch das Vertrauen der örtlichen Dienststellen und teilweise auch der unter schwierigen Umständen wirkenden Nachbaruniversitäten gewinnen konnte, wofür er wiederholt gerügt wurde. Otto Scholz sorgte dank seiner guten Verbindungen für damals formal nicht gestattete eigene Veröffentlichungen und Veröffentlichungen seiner Schüler in Fachzeitschriften in der Bundesrepublik Deutschland. Der akademische Lehrer und Wissenschaftler Otto Scholz wirkte als exponierter Anwalt interdisziplinärer Zusammenarbeit, zeitkritischer Vernunft des Machbaren und des pragmatischen, ideologiefreien Ausgleichs. Er verstand es frühzeitig, wissenschaftliche Erkenntnisse und technischen Fortschritt für die ärztliche Praxis nutzbar zu machen. Otto Scholz ist ein Pionier der Qualitätssicherung in der Chirurgie im Sinne Billroths. Ein wesentliches Element der von ihm geprägten Qualitätssicherungsmaßnahmen sind Mortalitätskonferenzen und die kontinuierliche Aufarbeitung sämtlicher Todesfälle unter maßgeblicher Beteiligung von Pathologen und Hausärzten.
Otto Scholz hat sich auch in wissenschaftlichen Gremien und Einrichtungen der ärztlichen Selbstverwaltung mehr als 40 Jahre engagiert. So ist er unter anderem seit 1957 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Darüber hinaus war er als beratender Chirurg des Bezirksarztes Vorsitzender der Facharztprüfungskommission des Bezirkes Rostock sowie als Gründungs- und als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Chirurgie der drei Nordbezirke der damaligen DDR bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1981 tätig.
Besonnenheit, Maßhalten und tolerante Gelassenheit sowie konsequentes, erfolgreiches Durchsetzungsvermögen waren und sind - gepaart mit Gemeinsinn - eine der prägenden Haupttugenden von Otto Scholz. Zu Hofierungen durch das System der DDR wahrte er klaren Abstand. Als umfassend weitergebildeter Chirurg widerstand er mit seiner Ehefrau, der Internistin und Radiologin Dr. med. Erika Scholz, Angeboten aus der Bundesrepublik Deutschland, um seinen Patienten ebenso wie seinen Kolleginnen und Kollegen, vor allem den Schülern und der heranwachsenden Jugend unter den damaligen Bedingungen der DDR Vorbild und Anwalt zu sein. Otto Scholz scheute auch nicht den persönlichen Einsatz, um während des Bürgeraufstands am 17. Juni 1953 in Leipzig Verletzte zu behandeln. Otto Scholz hat unter den komplizierten Bedingungen der Nachkriegszeit und des DDR-Regimes als Fachmann und Persönlichkeit der Medizin Ansehen erhalten und dieses auf vielfältige Weise gemehrt.
Otto Scholz wurde wiederholt in Anerkennung seines ärztlichen Einsatzes und seiner vorbildlichen Haltung geehrt, so unter anderem mit der Ehrenbürgerwürde der Hansestadt Stralsund und der Ehrenmitgliedschaft in der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen e.V. (1995).
Otto Scholz hat sich durch seinen engagierten Einsatz und seine vorbildliche Haltung als Arzt, Wissenschaftler, akademischer Lehrer, Berufs- und Gesundheitspolitiker und als Staatsbürger um die ärztliche Versorgung der Patienten, um die Weiterentwicklung der Chirurgie und um das Gesundheits- und Krankenhauswesen in der damaligen DDR und die Verbesserung der Beziehungen und Verbindungen zwischen den Ärztinnen und Ärzten insbesondere während der Teilung Deutschlands in hervorragender Weise verdient gemacht."


Anschrift
Große Parower Straße 53
18435 Stralsund

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