ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2009„Kopfprämie“: Befremdlich
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Als wenn die Ärzteschaft gegenwärtig nicht schon genug Probleme hätte, gießen Prof. Wirth und seine edlen Mitstreiter noch Öl ins Feuer und erklären sich zum Gralshüter von Moral und Ethik in unserem Gesundheitswesen.

Wer Zuweiserpauschalen, Kopfprämie oder Kooperationsverträge anprangert, sollte sich auch an die eigene Nase fassen. Den niedergelassenen Kollegen Geldgier und Korruption vorzuhalten, ist einfach, von einer Zahlung des bis zu Zehnfachen des Quartalshonorars zu reden, mag unerhört klingen. Der Satz hätte von seiner Dramatik erheblich verloren, wenn Prof. Wirth auf die Höhe des Quartalshonorars von 23 Euro im RLV verwiesen hätte. Es scheint eher eine kleinliche Neiddebatte aufzukommen, in der man versucht, die Kooperationsformen zu kriminalisieren, anstatt eine sachliche Diskussion zu bestreiten. Warum soll eine sinnvolle Kooperation zugunsten des Patienten und der stationären Einrichtung nicht honoriert werden? Es glaube doch keiner, auch nur ein Arzt schickt seine Patienten dauerhaft dorthin, wo schlechte Qualität angeboten wird, nur weil ihm eine „Kopfprämie“ angeboten wird.

Dass gerade Chefärzte die entstandene Diskussion losgetreten haben, löst Befremden aus. Gerne operiert man Patienten als Selbstzahler oder behandelt sie in der chefärztlichen Sprechstunde, aber bitte nicht für 23 Euro im Rahmen des Regelleistungsvolumens. Da muss es dann doch bitte etwas mehr und „angemessen“ sein.

Oder man verspricht, mit dem Logo der universitären Einrichtung werben zu dürfen, wenn man eine bestimmte Anzahl von Zuweisungen vorgenommen hat, damit man dann eine großartige Kompetenz vorgaukeln kann.

Von der Höhe des Lehrstuhls herab, mag es sich trefflich über andere urteilen lassen, aber die Verhältnismäßigkeit bleibt auf der Strecke . . .
Dr. Steffen Wagnitz, D.-Schneider-Straße 14, 14480 Potsdam
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