ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2009Aktion Faire Woche: Der Mensch im Mittelpunkt

POLITIK

Aktion Faire Woche: Der Mensch im Mittelpunkt

Dtsch Arztebl 2009; 106(44): A-2178 / B-1870 / C-1830

Schuster, Christina

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Auftakt zur Fairen Woche vor dem Brandenburger Tor. Das Fair-Trade- Siegel garantiert die Einhaltung bestimmter Standards. Foto: epd
Auftakt zur Fairen Woche vor dem Brandenburger Tor. Das Fair-Trade- Siegel garantiert die Einhaltung bestimmter Standards. Foto: epd
Das System des Fairen Handels setzt auf hohe soziale Standards und verbessert auch im Gesundheitsbereich das Leben vieler Menschen.

Perspektiven schaffen – fair Handeln! Das war das Motto der diesjährigen sogenannten Fairen Woche vom 14. bis zum 27. September, an der sich Weltläden, Supermärkte, Importeure, aber auch Gastronomen und Kantinen in Deutschland beteiligten. „Es fanden mehr als 2 000 Veranstaltungen und Aktionen statt“, sagte Christoph Albuschkat, Koordinator der Fairen Woche. Zum Beispiel wurden am 27. September die Wahlplakate der Parteien nach der Bundestagswahl mit Plakaten der Weltläden überklebt. Die Fachgeschäfte für faire Produkte wollten zeigen, dass die Verbraucher handeln und Perspektiven schaffen können für Menschen in den armen Ländern. Denn der Faire Handel setze nicht auf maximalen Gewinn, er sichere die Existenz von benachteiligten Kleinbauern und Handwerkern und sorge für Nachhaltigkeit, so Albuschkat.

Gefördert wird die Faire Woche unter anderem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „Die Produzentinnen und Produzenten im Süden wollen keine Almosen von uns. Sie wollen eine faire Chance auf den Weltmärkten“, erklärt Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul anlässlich der Fairen Woche 2009. Denn viele Kleinbauern und Arbeiter lebten in großer Armut. Die Gründe hierfür seien vielfältig, erläutert das BMZ. Zum Beispiel verkaufen die Industrienationen subventionierte und billige Lebensmittel in den Entwicklungsländern und verdrängen somit einheimische Produkte. Auch fehle es in den Ländern des Südens an technischem Know-how; die schlechte Infrastruktur erschwere zusätzlich die Produktion und den Transport. Um diese Defizite auszugleichen, müssten Entwicklungsländer ausländische Investoren anlocken, indem sie etwa die Steuern senkten. Dadurch entgehe den Regierungen aber Geld, das sie dringend für Bildung, Soziales und Gesundheit benötigten.

Foto: dpa
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Fair Trade für mehr Gesundheit
Das System des Fairen Handels berücksichtige deshalb die ökologische und soziale Komponente, sagt Claudia Brück vom Verein Transfair, der Produkte mit dem Fair-Trade-Siegel auszeichnet. Um das Siegel zu erhalten, müssen die Handelspartner strenge Standards erfüllen. Die Produzenten müssen Mindestlöhne zahlen und für Umwelt- und Gesundheitsschutz sorgen. Als Gegenleistung garantiert man ihnen langfristige Geschäftsbeziehungen und Mindestpreise, die über dem Weltmarktniveau liegen. Zusätzlich erhalten die Produzenten eine Fair-Trade-Prämie, von der die ganze Gemeinde profitiert. „Die Mitglieder der Kooperativen entscheiden immer demokratisch, wofür die Prämie verwendet wird“, betont Brück. Dabei investierten die meisten in die Gesundheit, etwa in die Einrichtung von Apotheken oder Gesundheitsstationen.

So zum Beispiel die Banelino-Kooperative im Nordwesten der Dominikanischen Republik, die Bananen anbaut. Mehr als 340 Kleinbauern haben sich zusammengeschlossen und beschäftigen etwa 1 000 Mitarbeiter. Vor Ort gibt es keine flächendeckende medizinische Grundversorgung. Deshalb hat Banelino von der Prämie eine Gesundheitsstation eingerichtet. Dort behandele man nicht nur die Arbeiter kostenfrei, sondern auch ihre Familien und die Menschen aus der Umgebung, berichtet Transfair. „Der Faire Handel ist ein wirksames und praktisches Instrument zur Armutsbekämpfung“, betont Ministerin Wieczorek-Zeul. Dennoch gibt es Schwachpunkte: Nach einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung fehlt es den Akteuren im Fairen Handel an einem entwicklungspolitischen Konzept. Auch sei man noch uneinig, ob der Faire Handel als Modell auf das gesamte Handelssystem übertragbar oder nur ein Symbol sei, das für „einen gerechteren, menschlicheren Umgang zwischen Nord und Süd steht“. Dennoch habe sich die Lebens- und Arbeitssituation vieler Menschen verbessert – auch im Gesundheitsbereich.
Christina Schuster
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