ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2009Sammlung Brandhorst: Eine prächtige Farbenwelt der Kunst

KULTUR

Sammlung Brandhorst: Eine prächtige Farbenwelt der Kunst

Nedbal, Dagmar

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Farbenfrohes erscheint vor und hinter den Museumsmauern. Foto: Angelo Razeto
Farbenfrohes erscheint vor und hinter den Museumsmauern. Foto: Angelo Razeto
Für die Fassade des neuen Museums in München, das die Sammlung Brandhorst beheimatet, hat sich das Berliner Architekturbüro Sauerbruch-Hutton etwas ganz Besonderes ausgedacht: bunte Keramikstäbchen. Farbenfrohes erscheint nun vor und hinter den Museumsmauern. Auf diese Weise kündigt das Äußere bereits das Innere an – eine prächtige Farbenwelt der Kunst.

Doch der Reihe nach: Die Sammlung von Anette und Udo Brandhorst ging nicht an die Tate Modern nach London oder an das Centre Pompidou in Paris, sondern nach München und bereichert seit Mai mit mehr als 700 Werken auf 53 000 Quadratmetern das Kunstareal der Bayerischen Landeshauptstadt. In Verbindung mit der benachbarten Sammlung der Pinakothek der Moderne ergänzt die Sammlung Brandhorst das Profil der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts an der Isar. Neben wichtigen Positionen zur Entwicklung der Moderne von Joan Miró, Josef Beuys, Georg Baselitz, Mario Merz, Bruce Nauman, Alex Katz, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Mike Kelley und Damien Hirst bilden Werke von Andy Warhol und rund 60 Arbeiten von Cy Twombly die Schwerpunkte der Sammlung. Warhol ist mit einem in Europa wohl einzigartigen Werkpanorama vertreten.

Der Schwerpunkt der Sammlung Brandhorst liegt auf der Malerei des vergangenen Jahrhunderts, als die Maler begannen, auf ihrem Weg in die Abstraktion Farbe und Form voneinander zu trennen. Für den „Lepanto“-Zyklus des US-Amerikaners Cy Twombly gibt es sogar einen eigenen Raum mit gewölbter Wand, damit sich alle zwölf Bilder mit einem Blick erfassen lassen. Twombly nimmt somit einen zentralen Platz in der Sammlung von Anette und Udo Brandhorst ein.

Für ausladende Skulpturen bietet in erster Linie das Erdgeschoss Platz. Zu Brandhorsts neueren Erwerbungen zählt Damien Hirsts Anatomiekoloss „Hymn“, ein plakativ bemalter Bronzetorso mit sichtbaren Eingeweiden. Im Obergeschoss findet man den gekurvten Saal für Cy Twomblys Werkzyklus. Ein imposantes, über Eck platziertes Fenster in der Beletage wendet sich zur Pinakothek der Moderne. So blickt das Panoramafenster fast arrogant auf den sich geradezu nackt präsentierenden Betonnachbarn herüber.

Das Architekturbüro hat den bunten Museumsbau mit einem ausgeklügelten energiesparenden Heiz- und Belüftungssystem ausgestattet. 36 000 Keramikstäbe glitzern in 23 verschiedenen Farben und machen das Museum Brandhorst zu einem unverwechselbaren Kleinod. Einige Stäbe sind zart und pastellig, andere sehr kräftig glasiert in Rot-, Grün-, Gelb- und Blautönen. Trickreich ist auch die Beleuchtung des Museums mit prismatischen Folien, die eine spezielle Lichtqualität erzeugen und viel Tageslicht hereinlassen. Hinsichtlich Innovation und ökologischer Sensibilität ist der Museumsbau derzeit beispielgebend.

Udo Brandhorst, „Wahlbayer“ aus dem Rheinland, hat die zusammen mit seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau Anette aufgebaute Sammlung zeitgenössischer Kunst 1999 dem Bayerischen Staat gestiftet und erhielt im Gegenzug quasi das rund 48 Millionen Euro teure Schmuckkästchen.
Dagmar Nedbal
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