ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2009Multiple Sklerose: Verminderte Schubrate

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Multiple Sklerose: Verminderte Schubrate

Dtsch Arztebl 2009; 106(44): A-2204

Weiß, Maria

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Autoreaktive T-Zellen und Makrophagen schädigen die Myelinscheiden von Nervenzellen: ein Pathomechanismus bei der multiplen Sklerose. Abbildung: DMSG Bundesverband e.V.
Autoreaktive T-Zellen und Makrophagen schädigen die Myelinscheiden von Nervenzellen: ein Pathomechanismus bei der multiplen Sklerose. Abbildung: DMSG Bundesverband e.V.
Der oral applizierbare Immunmodulator Cladribin verzögert die Progression bei schubförmiger MS, wie eine zulassungsrelevante Phase-III-Studie belegt.

Der Wunsch vieler Multiple-Sklerose(MS)-Patienten nach einer oralen Therapie ist in greifbare Nähe gerückt. Die auf dem Kongress der US-amerikanischen Akademie für Neurologie erstmalig vorgestellten Ergebnisse der CLARITY-Studie* zeigen eine signifikante Überlegenheit des oralen Immunmodulators Cladribin im Vergleich zu Placebo.

Cladribin ist ein Purin-Nukleosid-Analogon, dessen immunmodulatorische Wirkung mit Leukozytendepletion schon länger bei der Therapie der Haarzellleukämie genutzt wird. Nach Einschleusung der Substanz in die Zelle hält die Wirkung lange an, sodass der Wirkstoff nur über wenige jährliche Zyklen eingenommen werden muss.

Im Rahmen der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie sei über zwei Jahre bei 1 326 Patienten mit schubförmiger MS die Wirksamkeit einer Cladribin-Monotherapie gegen Placebo getestet worden, berichtete Dr. Berit Rosche von der Berliner Charité.

Die kumulative Dosierung betrug im ersten Jahr in den zwei Verumarmen 5,25 oder 3,5 mg/kg/Körpergewicht (KG), verabreicht in vier oder zwei fünftägigen Behandlungszyklen, und im zweiten Jahr 3,5 mg/kg/KG in zwei Zyklen. In den beiden Cladribin-Gruppen erreichten signifikant mehr Patienten Schubfreiheit als unter Placebo (78,9/79,7 Prozent versus 60,9 Prozent). Damit sei die Schubrate um 58 beziehungsweise 55 Prozent im Vergleich zu Placebo reduziert worden, so Rosche. Das Risiko für eine Krankheitsprogression war in den Verumgruppen um 31 beziehungsweise 33 Prozent vermindert. Ebenfalls überlegen war Cladribin bei der Reduktion der Krankheitsaktivität (gemessen an Gadolinium anreichernden T1-Läsionen und aktiven T2-Läsionen).

Cladribin erwies sich als sehr gut verträglich; als Folge der guten Verträglichkeit wird die sehr geringe therapiebedingte Abbruchrate von nur 5,8 Prozent bewertet. Opportunistische Infektionen traten nicht auf. Vier Patienten erkrankten im Behandlungszeitraum an verschiedenen soliden Tumoren und 2,3 Prozent der Patienten entwickelten einen Herpes zoster, der aber auf die Haut beschränkt und gut behandelbar war. Auf Grundlage der jetzt zur Verfügung stehenden Daten wird in Kürze die Zulassung für Cladribin für die Behandlung der schubförmigen MS in den USA und Europa beantragt. Unklar sei zurzeit noch, ob Cladribin als Basistherapeutikum oder als Eskalationstherapie zur Anwendung kommen werde, sagte die Expertin.
Maria Weiß

Veranstaltung: Merck-Serono Post AAN (American Academy of Neurology), Fortbildung, 17. Juni 2009, Berlin
Autoreaktive T-Zellen und Makrophagen schädigen die Myelinscheiden von Nervenzellen: ein Pathomechanismus bei der multiplen Sklerose.
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