ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2009Differenzialtherapie der chronischen koronaren Herzkrankheit – Wann medikamentöse Therapie, wann perkutane Koronarintervention, wann aortokoronare Bypassoperation? Schlusswort
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wir haben klar ausgedrückt, dass Änderungen des Lebensstils in Kombination mit einer medikamentösen Therapie die Grundpfeiler der Therapie der chronischen koronaren Herzerkrankung sind, deren Wichtigkeit nicht genug betont werden kann.

Die zitierten Studien – RITA-2 (1) und COURAGE (2) – zeigen eindrücklich die Erfolge einer medikamentösen Therapie. In beiden Studien wurde jedoch ein initial medikamentöses Prozedere mit einer initialen Revaskularisation verglichen, ohne dass den konservativ behandelten Patienten revaskularisierenden Maßnahmen im weiteren Studienverlauf vorenthalten waren. Dies hatte zur Folge, dass in RITA-2 35,4 % und in COURAGE 40,2 % der initial konservativ behandelten Patienten einem revaskularisierendenVerfahren (circa 70 % PCI, 30 % ACB) zugeführt wurden. Zweifellos waren dies diejenigen Patienten, welche aufgrund ausgeprägter Ischämien medikamentös nicht ausreichend behandelt werden konnten. Die Revaskularisation dieser Patienten hat beträchtlichen Anteil am positiven Ergebnis der medikamentösen Therapie in Bezug auf Symptomatik und Prognose.

Wir sind – entgegen der Einschätzung des Leserbriefautors – weiterhin davon überzeugt, dass „hochgradige“ Stenosen einen hohen pathogenetischen Stellenwert haben, wobei in der Beurteilung die Morphologie der Koronarstenose gegenüber der funktionellen Relevanz der Koronarstenose in den Hintergrund getreten ist.

Die „Nationale Versorgungsleitlinie Chronische KHK“ (3) empfiehlt die Katheteruntersuchung/Revaskularisation nur bei symptomatischen Patienten unter adäquater antianginöser Therapie bei Vorliegen eines Ischämienachweises.

Unter diesen Voraussetzungen ist die Revaskularisation eine sinnvolle und wichtige additive Therapieoption, auf die wir keinesfalls verzichten wollen! Natürlich sagen wir unseren Patienten zuvor auch, was der Leserbriefautor sich von einem „mutigen“ Autorenteam gewünscht hätte, dass für die perkutane Koronarintervention (PCI) bei chronischer KHK bisher kein Nachweis eines Überlebensvorteils in randomisierten kontrollierten Studien im Vergleich zur medikamentös-konservativen Therapie geführt worden ist.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0749b


Dr. med. Martin Ruß
Prof. Dr. med. Karl Werdan
Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III
Universitätsklinikum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube-Straße 40
06096 Halle(Saale)
E-Mail: karl.werdan@medizin.uni-halle.de
martin.russ@medizin.uni-halle.de

Interessenkonflikt
Die Autoren beider Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Henderson RA, Pocock SJ, Clayton TC, et al.: Seven-year outcome in the RITA-2 trial: coronary angioplasty versus medical therapy. Journal of the American College of Cardiology 2003; 42: 1161–70. MEDLINE
2.
Boden WE, O’Rourke RA, Teo KK, et al.: The evolving pattern of symptomatic coronary artery disease in the United States and Canada: baseline characteristics of the Clinical Outcomes Utiliz¬ing Revascularization and Aggressive DruG Evaluation (COURAGE) trial. Am J Cardiol 2007; 99: 208–12. MEDLINE
3.
Nationale Versorgungsleitlinien chronische KHK, Langfassung. http://www.versorgungsleitlinien.de/themen/khk/pdf/nvl_khk_langpdf. 2008
4.
Ruß M, Cremer J, Krian A, Meinertz T, Werdan K, Zerkowski HR: Different treatment options in chronic coronary artery disease — when is it the time for medical treatment, percutaneous coronary intervention or aortocoronary bypass surgery? [Differenzialtherapie der chronischen koronaren Herzkrankheit – Wann medikamentöse Therapie, wann perkutane Koronarintervention, wann aortokoronare Bypassoperation?] Dtsch Arztebl Int 2009; 106(15): 253–61. VOLLTEXT
1. Henderson RA, Pocock SJ, Clayton TC, et al.: Seven-year outcome in the RITA-2 trial: coronary angioplasty versus medical therapy. Journal of the American College of Cardiology 2003; 42: 1161–70. MEDLINE
2. Boden WE, O’Rourke RA, Teo KK, et al.: The evolving pattern of symptomatic coronary artery disease in the United States and Canada: baseline characteristics of the Clinical Outcomes Utiliz¬ing Revascularization and Aggressive DruG Evaluation (COURAGE) trial. Am J Cardiol 2007; 99: 208–12. MEDLINE
3. Nationale Versorgungsleitlinien chronische KHK, Langfassung. http://www.versorgungsleitlinien.de/themen/khk/pdf/nvl_khk_langpdf. 2008
4. Ruß M, Cremer J, Krian A, Meinertz T, Werdan K, Zerkowski HR: Different treatment options in chronic coronary artery disease — when is it the time for medical treatment, percutaneous coronary intervention or aortocoronary bypass surgery? [Differenzialtherapie der chronischen koronaren Herzkrankheit – Wann medikamentöse Therapie, wann perkutane Koronarintervention, wann aortokoronare Bypassoperation?] Dtsch Arztebl Int 2009; 106(15): 253–61. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige