ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2009Kommentar: Ins Herz getroffen
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Herzlichen Dank an das DÄ und Frau S. Gieseke für diesen Kommentar. Er trifft ins Herz des deutschen Gesundheitswesens und damit auch in die Seele aller seiner Beteiligten.

Ein Leitartikel sollte noch folgen, denn das Thema ist zentral. Ein ehemals freier Beruf wird zum ökonomischen Steuerungsinstrument. Zwei sehr konkrete Aspekte fehlen mir noch in der Betrachtung:

1. Durch die extreme Öko­nomi­sierung werden Schwerkranke und Multimorbide in die Unter- oder gar Nichtversorgung gedrängt. Ärzte, die sich dennoch dieser Patienten annehmen, riskieren Regresse, da sie nie mit dem Arzneimittelbudget auskommen – das heißt, auch diese werden durch existentielle Regressforderungen aus dem System eliminiert . . . Die rein statistische Aufbereitung von Verordnungsdaten, die teure Einzelschicksale gar nicht erst prüfen, mit der sicheren Folge von Budgetüberschreitungen, bedarf meines Erachtens einer Verfassungsklage, da das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit dadurch nicht mehr gewährleistet ist.

Die strikte Anwendung der SGB V Regeln macht dann den besten Arzt arbeitsunfähig oder existenzunfähig durch Insolvenz – und lässt damit noch mehr Menschen erkranken, leiden – oder gar sterben.

2. Die individuelle Lösung gegen Burn-out ist gut vorgeschlagen, aber das übergeordnete gesellschaftliche Problem sollte auch thematisiert werden: Kann ein Gesundheitssystem mit reiner Profitorientierung geleitet werden:

Viel Krankheit = viel Umsatz = mehr Profit?

Diese Gleichung kollidiert doch mit dem Prinzip Menschlichkeit, mit der Ethik, mit dem Hippokrtatischen Eid . . .
Dr. Wolfgang Baur, Lohnbachstraße 5, 38690 Vienenburg
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