ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2009Warnung vor Schlankheitskapsel Li-Pro

AKTUELL: Akut

Warnung vor Schlankheitskapsel Li-Pro

Dtsch Arztebl 2009; 106(45): A-2218 / B-1900 / C-1860

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Das Schlankheitsmittel „Li-Pro2“ kann die Gesundheit gefährden und ist nicht verkehrsfähig. Als Inhaltsstoffe werden ausschließlich Pflanzenextrakte genannt. Analysen im Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz haben jedoch ergeben, dass „Li-Pro2“ den nicht deklarierten, in Deutschland verschreibungspflichtigen Arzneimittelwirkstoff Sibutramin enthält.

Die türkisfarbenen Kapseln werden zurzeit vor allem im Internet und in privaten Kreisen angeboten und verkauft. Zum Teil gibt es auch entsprechende Auktionen im Internet. Ein Hersteller ist auf der Packung (Kunststoffdose mit grünem Etikett und englischsprachigem Aufdruck) nicht genannt. Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz warnt die Verbraucherinnen und Verbraucher dringend vor der Einnahme dieses Produkts oder vergleichbarer Präparate.

Sibutramin ist ein Appetitzügler und wird als letzte Möglichkeit zur medikamentösen Behandlung von Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht) verwendet. In Deutschland ist Sibutramin nur in einem einzigen Fertigarzneimittel enthalten und nur nach ärztlicher Verordnung in Apotheken erhältlich. Die in den illegalen Schlankheitskapseln gefundene Wirkstoffmenge ist fast doppelt so hoch wie die in Deutschland zugelassene höchste Einzeldosis.

Gefährliche Blutdrucksenkung durch den Inhaltsstoff Sibutramin
Zum Wirkstoff Sibutramin sind vielfältige Anwendungsverbote und Nebenwirkungen bekannt, die eine ärztliche Überwachung zwingend erforderlich machen. Sibutramin kann eine gefährliche Blutdruckerhöhung verursachen. Außerdem kann es akute Herzerkrankungen provozieren. Schwangerschaft und Stillzeit sind Kontraindikationen für Sibutraminhaltige Arzneimittel. Bei gleichzeitiger Einnahme von Psychopharmaka drohen gefährliche Wechselwirkungen.

„Li-Pro2“ ist offensichtlich ein Nachfolger des Schlankheitsmittels „LiDa“, das in vergangenen Jahren für Schlagzeilen gesorgt hatte. Die vermeintlich natürlichen chinesischen Schlankheitskapseln enthielten ebenfalls nicht deklariertes Sibutramin.

Die Überwachungsbehörden der Bundesländer wurden verständigt, wie bereits in der Vergangenheit. Auch die Staatsanwaltschaft hatte schon ermittelt, denn der Handel mit solchen Schlankheitskapseln ist nach dem Arzneimittelgesetz ein Straftatbestand, der mit einer Freiheitsstrafe oder mit einer Geldstrafe geahndet werden kann. Zyl
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