ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2009Medizingeschichte: Detaillierte Schilderungen

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Medizingeschichte: Detaillierte Schilderungen

Nizze, Horst

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Bettina Brockmeyer: Selbstverständnisse. Dialoge über Körper und Gemüt im frühen 19. Jahrhundert. Wallstein, Göttingen 2009, 452 Seiten, gebunden, 39,90 Euro
Bettina Brockmeyer: Selbstverständnisse. Dialoge über Körper und Gemüt im frühen 19. Jahrhundert. Wallstein, Göttingen 2009, 452 Seiten, gebunden, 39,90 Euro
Die Medizin zwischen 1750 und 1850 war „ein bunter Jahrmarkt“, auf dem der gleichermaßen verehrte wie umstrittene Vater der Homöopathie Samuel Hahnemann (1755–1843) eine hervorragende Rolle spielte. Die subtile Studie anhand von Praxisunterlagen Hahnemanns erfüllt beispielhaft den Ruf nach dem „Patient’s View“ (Roy Porter) in der Medizingeschichte, wie ihn – in anderer Art – Jürgen Thorwald in dem Buch „Die Patienten“ zu Höhepunkten der Medizin des 20. Jahrhunderts vermittelt hat.

Die Autorin hat für das Werk über die Homöopathie-Epoche aus dem Fundus 5 500 archivierter Briefe und Krankentageblätter des hahnemannschen Krankengutes der Köthener Zeit 50 Personen und rund 800 Briefe ausgewählt und mit weiteren diesbezüglichen Archivalien ausgewertet. Die berücksichtigten Selbstzeugnisse enthalten Körper- und Gemütsschilderungen, weil sich die Patienten ihre Empfindungen in oft sehr intimer Weise von der Seele geschrieben haben. Das quellenreiche Buch schildert ungemein detailliert Diät und Diätetik, Geschlechterrollen und Krankheit, Religion und Medizin, Sexualität und Beischlaf, Deutungsweisen zu Körperausscheidungen sowie den Umgang mit Sterbenden und Toten in der Medizin der Hahnemann-Zeit. Dabei stehen Aussagen zu Körper und Gemüt der Kranken im Zentrum der Betrachtungen, die überzeugend den herkömmlichen medizingeschichtlichen Kontext um „die Dimension der Selbstwahrnehmungen der historischen Akteure und Akteurinnen“ erweitern. Horst Nizze
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