ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2009Catherine Hamlin: Mehr als Medizin

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Catherine Hamlin: Mehr als Medizin

Korzilius, Heike

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Catherine Hamlin Foto: Right Livelihood Award
Catherine Hamlin Foto: Right Livelihood Award
Die australische Gynäkologin Catherine Hamlin (85) ist mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden, weil sie sich seit 40 Jahren in Äthiopien für Frauen einsetzt, die an Scheidenfisteln leiden. Diese Verbindungen zwischen Vagina und Darm oder Harnblase sind die Folge von Geburtskomplikationen. Sie führen zu Inkontinenz, die für die betroffenen Frauen soziale Ausgrenzung und Isolation bedeutet.

Eine Stellenanzeige im „Lancet“ veränderte 1959 nicht nur Hamlins Leben, sondern auch das Tausender anderer Frauen. Das Princess Tsahai Memorial Hospital in Addis Abeba suchte Ärzte für die Hebammenausbildung. Hamlin und ihr Mann Reginald, ebenfalls Gynäkologe, kamen und blieben. Wegen der vielen Patienten, die es zu versorgen galt, geriet die Hebammenausbildung jedoch zur Nebensache. Die Hamlins nahmen sich vor allem der Patientinnen mit Scheidenfisteln an und entwickelten eine Operationstechnik, die mehr als 90 Prozent von ihnen vollständig heilt. 20 000 Frauen erhielten so während der letzten Jahrzehnte die Chance, wieder ein normales Leben zu führen.

1974 gründeten die beiden Gynäkologen das Addis Abeba Fistula Hospital, in dem Catherine Hamlin nach dem Tod ihres Mannes 1993 die Leitung übernahm. Trotz ihrer 85 Jahre ist sie dort auch heute noch für ihre Patientinnen da.

Der Right Livelyhood Award, der Hamlin am 9. Dezember in Stockholm verliehen wird, ist mit 50 000 Euro dotiert. Die Jury zeichnet damit Menschen aus, die „praktische Antworten“ auf die drängendsten Herausforderungen der Gegenwart geben. Heike Korzilius
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