ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2009Filmkritik: „Man wird es früh genug erfahren“

KULTUR

Filmkritik: „Man wird es früh genug erfahren“

Osterloh, Falk

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Richard liegt auf der Isolierstation. Seine Eltern tragen einen Mundschutz, als sie ihn umarmen. An der Wand hängen seine Fußballmedaillen. Lennie bestaunt den Babybauch seiner Mutter und hört ihn aufgeregt mit einem Stethoskop ab. Unter Lennies Pullover schauen Schläuche hervor. Pauline will Schauspielerin werden und probt eine Szene aus der Zauberflöte. Es gebe kein Richtig oder Falsch, nur ein Hier und Jetzt, schreibt sie in ihr Tagebuch.

Richard, Lennie und Pauline haben Blutkrebs. Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilmer Thomas Riedelsheimer begleitet sie und ihre Familien in seinem Film „Seelenvögel“ durch ihren Alltag aus Angst, Tapferkeit und inniger Lebensliebe. Behutsam und in fließenden Bildern zeigt er den Menschen als Wanderer durch ein traurig schönes, wundersames und geheimnisvolles Dasein.

„Seelenvögel“ ist ein zutiefst bewegender Film über den Tod und das Leben, der hinter dem Weltlichen eine Poesie des Menschseins im Zusammenklang mit der Natur in zarten Bildern erspürt und ein wenig die Angst vor dem Ende zerstreut. Nach dem Tod, sinniert Richard einmal, kommt vielleicht ein ewiger Schlaf, vielleicht der Himmel oder ein Weiterleben in den Herzen anderer Menschen. Und er resümiert: „Man wird es schon früh genug erfahren.“
Falk Osterloh
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