ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2009Medica 2009: Bildgebende Verfahren Innovationstreiber

TECHNIK

Medica 2009: Bildgebende Verfahren Innovationstreiber

Kempe, Lisa

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Neuentwicklungen bei der Bildgebung erleichtern das Auffinden von Tumoren und unterstützen die medizinische Diagnostik.

Ob sich heutzutage eine neue Technik im Gesundheitsmarkt durchsetzen kann, hängt auch davon ab, ob die Leistung von den Kostenträgern erstattet wird. Schließlich kommt auf eine Klinik bei der Anschaffung eines medi-zintechnischen Großgeräts für die Bildgebung schnell ein Investitionsvolumen von mehreren Millionen Euro zu.

Die bildgebenden Verfahren zählen zu den zentralen Themen bei der Medizinmesse und beim Medica- Kongress. Foto: Medica
Die bildgebenden Verfahren zählen zu den zentralen Themen bei der Medizinmesse und beim Medica- Kongress. Foto: Medica
Anatomie und Funktion in einem Bild
In der onkologischen Diagnostik erhielt kürzlich ein neuartiges Verfahren aus der molekularen Bildgebung die Zustimmung der Zulassungsbehörden und hat damit den Weg aus den Forschungslabors in die klinische Anwendung geschafft: Mit dem „Gemini TF“ präsentiert das Unternehmen Philips bei der Medica ein System, das die Positronenemissionstomografie mit der Röntgencomputertomografie (PET/CT) kombiniert (Halle 10/A22). Dabei handelt es sich um ein so-genanntes Time-of-flight-PET/CT-System, bei dem Gammastrahlen anhand präziser Zeitmessungen genauer verfolgt und erfasst werden können. Im Vergleich zu herkömmlichen PET-Lösungen verfügt das System über eine zweifach höhere effektive Bildsensitivität. Die Vorteile aus der Fusion aus anatomischer Bildgebung (CT) und Funktionsbildgebung (PET): Die Bildaufnahme verkürzt sich bei einem PET-Ganzkörperscan auf unter zehn Minuten. Der Patient profitiert durch höheren Komfort. Er wird bei der Untersuchung direkt aus dem CT-Tunnel ohne Umlagerung in die PET-Röhre geschoben.

Die derzeitige Hauptzielrichtung der molekularen Bildgebung ist das Auffinden von Lungentumoren und deren Fernmetastasen. Das Verfahren eröffnet aber auch neue Wege in der Entzündungsdiagnostik. Für drei Indikationen, allesamt das Organ Lunge betreffend, und neuerdings eingeschränkt für das Skelett, kann das PET/CT eingesetzt werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten. „Gemessen an ihrem Potenzial, hat man die PET bisher nur marginal nutzen dürfen. Nun lässt sich dank der Kostenübernahme das Versorgungsangebot besser nutzen“, erklärte Prof. Dr. med. Jörg Mahlstedt, Vorsitzender des Berufsverbands der Deutschen Nuklearmediziner. Der hohe technische Aufwand des Fusionsverfahrens sei immer dann gerechtfertigt, wenn andere bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Kernspintomografie keine eindeutigen Ergebnisse lieferten.

Einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung von medizintechnischen Innovationen der Bildgebung haben auch Unternehmen der Zulieferbranche, die sich parallel zur Medica auf der Compamed präsentieren. Im Rahmen des Produktmarkts und Forums „Hightech for Medical Devices“ des Fachverbands für Mikrotechnik IVAM zeigen 34 Aussteller nano- und mikrotechnologische Lösungen, die wichtige Bestandteile für moderne bildgebende Systeme sind. Vertreten sind hier vor allem kleine Unternehmen, die Strahlenquellen, Detektoren, Sensoren und Optiken, komplette Mikrosysteme und elektronische Bauteile entwickeln.

Ultraschall mit visueller Kontrolle
Bei den Ultraschallsystemen geht der Trend weiterhin zu zunehmend kompakteren und leistungsstarken Systemen für Klinik und Praxis. Die E-Zono AG etwa entwickelt preisgünstige tragbare Ultraschalltechnologie für spezifische Anwendungen. Dabei setzt das Unternehmen auf die Regionalanästhesie und hat das „eZono 3 000“ als wissensbasiertes Ultraschallsystem speziell für die Bedürfnisse von Anästhesisten entwickelt (Halle 16/G54).

Als Alternative zur Vollnarkose hält die Regionalanästhesie mit ihren peripheren Nervenblockaden insbesondere in die orthopädische Chirurgie und in die Unfallchirurgie verstärkt Einzug. Bislang gab es dabei keine Möglichkeit der visuellen Kontrolle. Bei der Positionierung der Nadelspitze in der Nähe der Nerven musste sich der Anästhesist daher auf Indizien wie Missempfindungen oder Muskelzuckungen des Patienten verlassen. Der Ultraschall ermöglicht jetzt die unmittelbare Visualisierung der Nadel. Nadellage und vor allem die Verteilung des Anästhetikums in der Zielstruktur werden sichtbar. Während bisher bei bis zu einem Drittel der Patienten der Versuch, eine Regionalanästhesie durchzuführen, abgebrochen werden musste, schaffen gut ausgebildete Anästhesisten unter Ultraschalllokalisation eine Erfolgsquote von bis zu 98 Prozent.

„Der Einsatz von Ultraschall ist ohne Zweifel die wichtigste aktuelle Entwicklung in der Regionalanästhesie und hat das Potenzial, die Regionalanästhesie zu revolutionieren“, würdigt der Anästhesist und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum Worms, Priv.-Doz. Dr. med. Egbert Hüttemann, das junge Verfahren.
Dr. rer. nat. Lisa Kempe

Veranstaltungstipp: Die molekulare Bildgebung in der Onkologie ist Thema auf dem Medica-Kongress: „Integrierte Diagnostik und Therapie in der Onkologie“, Donnerstag, 19. November 2009, 10 bis 13 Uhr, Congress-Center Düsseldorf/CCD Süd
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema