ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2009Thromboembolie-prophylaxe in der Schwangerschaft: Faktor-Xa-Hemmung hat Vorteile

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Thromboembolie-prophylaxe in der Schwangerschaft: Faktor-Xa-Hemmung hat Vorteile

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Der selektive Faktor-Xa-Hemmer Fondaparinux kann für Schwangere eine Alternative zu niedermolekularen Heparinen sein: bei Unverträglichkeiten oder wenn Frauen Medikamente aus Schweinegewebe ablehnen.

Schwangerschaft ist ein Risikofaktor für Venenthrombosen, aber venöse Thromboembolien sind auch die häufigste vermeidbare Todesursache bei werdenden Müttern. Überproportional gefährdet sind Frauen mit Thromboseanamnese oder mit erworbener oder angeborener Thrombophilie. Auch das Kind ist bedroht, denn in etwa 25 Prozent der Fälle von Venenthrombose kommt es zum Spontanabort. Für Risikokandidatinnen wird in den aktuellen Leitlinien eine Prophylaxe mit niedermolekularen Heparinen empfohlen (1).

Als Alternative bietet sich nach Dafürhalten von Prof. Dr. med. Carl-Eric Dempfle, Mannheim, der selektive Faktor-Xa-Hemmer Fondaparinux (Arixtra®) an. Ein wesentlicher Pluspunkt sei für ihn das berechenbare pharmakologische Profil, weil es sich um eine chemisch definierte Substanz ohne Chargenvariabilität handele. Dazu komme die günstige Wirkdauer mit rascher Anflutung und langer Eliminationshalbwerts-zeit, sodass bei nur einmal täglicher, subkutaner Applikation ein 24-Stunden-Schutz gewährleistet sei.

Eine Thromboembolie-Prophylaxe mit Fondaparinux statt mit einem niedermolekularen Heparin hält Dempfle unter anderem dann für sinnvoll, wenn es bei der Schwangeren Hinweise auf eine systemische oder lokale Heparinunverträglichkeit gibt. Während die HIT II (heparininduzierte Thrombozytopenie) relativ selten vorkommt, sind allergische Hautreaktionen auch bei schwangeren Frauen häufiger als bislang angenommen. Typischerweise entwickeln sich Tage oder Wochen nach Behandlungsbeginn an den Einstichstellen infiltrierende, stark juckende Plaques mit zum Teil sekundärer Generalisierung. In etwa der Hälfte der Fälle findet man nach Angaben von Dempfle auch bei noch normaler Thrombozytenzahl HIT-typische Heparin-Plättchen-Faktor-4-Antikörper.

In letzter Zeit erlebe er immer häufiger Frauen – nicht nur aus dem islamischen Kulturkreis – die ein aus Schweinegewebe hergestelltes Medikament ablehnten, berichtete Dempfle. Auch in dieser Situation sei Fondaparinux als vollsynthetischer Wirkstoff eine gute Option.

Fondaparinux geht nicht in den Kreislauf des Kindes über Ein Übergang von Fondaparinux in den kindlichen Kreislauf ist nicht zu befürchten. Ex vivo am Plazentamodell konnten auch bei hoch dosierter Perfusion auf der maternalen Seite kein funktionell relevanter Transfer in das fetale Gewebe nachgewiesen werden (2). Bei seinen eigenen Patientinnen hat Dempfle die Fondaparinux-Konzentration nach der Entbindung im Nabelschnurblut untersucht. Die Konzentration war zehnmal niedriger als im mütterlichen Plasma (3). Das lasse sich wahrscheinlich darauf zurückführen, dass Fondaparinux fast vollständig am Antithrombin gebunden sei und damit letztlich nicht in einer freien Form als transportfähiges Molekül vorliege.

Laut Fachinformation soll Fondaparinux bei graviden Frauen nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden. Das Gleiche gilt aber auch für die niedermolekularen Heparine, sodass man sich bei der Thromboembolie-Prophylaxe in der Schwangerschaft immer außerhalb der Zulassung bewegt. Eine breitere Datenbasis soll das „FondaPPP-Register“ liefern. Es handelt sich dabei um eine retrospektive Erhebung zu Patientinnen, die präpartal, peripartal und postpartal prophylaktisch oder therapeutisch Fondaparinux erhalten haben. Dokumentiert werden sollen Indikationen, Wirksamkeit und Komplikationen. Dempfle hofft, dass möglichst viele Kollegen ihre Erfahrungen beisteuern.
Gabriele Blaeser-Kiel

Satellitensymposium „Selektive Faktor-Xa-Hemmung: Bewährte Innovation?“ (Veranstalter: Glaxosmithkline) beim 115. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden
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1.
Duhl AJ et al.: Am J Obstet Gynecol 2007; 197: 457–521. MEDLINE
2.
Lagrange F et al.: Thromb Haemost 2002; 41: 47–9.
3.
Dempfle CE: N Engl J Med 2004; 350: 1914–5. MEDLINE
1. Duhl AJ et al.: Am J Obstet Gynecol 2007; 197: 457–521. MEDLINE
2. Lagrange F et al.: Thromb Haemost 2002; 41: 47–9.
3. Dempfle CE: N Engl J Med 2004; 350: 1914–5. MEDLINE

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