ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2009Rechtsreport: Übertragungsphänomene
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LNSLNS Der kurze Bericht über die unerlaubte sexuelle Beziehung eines Psychotherapeuten zu einer Patientin hinterlässt einen schalen Geschmack. Schon der erste Satz vom Psychotherapeuten, der sich in eine sexuelle Beziehung hineinziehen lässt, lädt zur Vermutung ein, dass die Patientin die böse Verführerin sein soll und der Therapeut der arme Verführte. Fachleute sind sich einig: Die Patientin darf sich alles an Verfüh rungskünsten erlauben, der Therapeut hat auf jeden Fall seine professionelle Distanz zu wahren. Dass dem Arzt sexueller Missbrauch unter Ausnutzung des Beratungs-, Behandlungs- und Betreuungsverhältnisses nicht vorzuwerfen ist, da er weder offen noch versteckt Macht oder Überlegenheit einer Schutz befohlenen als Mittel einsetzte, um sie gefügig zu machen etc. und dass dies nicht zutreffe, weil es sich um eine echte Liebes - beziehung handelt, kann ich nicht nachvollziehen. Ich frage mich, wie das Gericht davon ausgehen kann, dass es sich um eine echte Liebesbeziehung handelt! In Fachkreisen sind wir uns einig, dass es sich bei den Liebesgefühlen und den erotischen Avancen einer Patientin/eines Patienten gegenüber dem Therapeuten/ der Therapeutin nie um echte Liebesgefühle handelt, sondern um Übertragungsphänomene, die vom Therapeut erkannt und in keiner Weise missbräuchlich erwidert werden dürfen.
Dr. med. Christoph Smolenski, Ärztlicher Direktor der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik, Walporzheimer Straße 2, 53474 Ahrweiler
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