ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 4/2009Arztbewertung im Internet: Qualitätssicherung erforderlich

SUPPLEMENT: PRAXiS

Arztbewertung im Internet: Qualitätssicherung erforderlich

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Die Missbrauchsmöglichkeiten von Arztbewertungsportalen in der derzeit üblichen Form sind erheblich. Dabei gibt es sichere und sinnvolle Alternativen.

Arztbewertungsportale sind in. Diesen Eindruck vermitteln zumindest die Betreiber solcher Internetportale. Bei vielen Konsumenten haben Produktbewertungen im Internet einen hohen Aufmerksamkeitswert. Das betrifft vor allem Produkte, die man tendenziell nur ein einziges Mal kauft und für die es klare Beurteilungskriterien gibt. Wie aber lässt sich eine gute ärztliche Tätigkeit bewerten? Nur allzu oft ist das kurzfristig Schmerzhafte das langfristig Gute – und andersherum.

Bei Arztpraxen handelt es sich zudem um einen spezifischen regionalen Markt. Die Konkurrenz sitzt direkt um die Ecke. Würde also ein Arzt unerkannt zehn oder gar 20 ungünstige Bewertungen über einen Kollegen in der Nachbarschaft abgeben, könnte er ihm erheblich schaden. Der ökonomische Schaden im begrenzten Einzugsgebiet einer Arztpraxis wäre dabei unverhältnismäßig höher, als wenn beispielsweise ein Hersteller unter den Nutzern eines Massenkonsumgutes erfundene positive Bewertungen platzieren ließe. Die Situation ist auch deutlich anders als etwa bei Lehrerbewertungsportalen – der benachbarte Lehrer hat keine konkurrierenden wirtschaftlichen Interessen.

Wer eine Arztbewertung abgeben will, meldet sich dazu mit seiner E-Mail-Adresse im Bewertungsportal an und erstellt eine Benutzeridentität, mit der er Bewertungen abgeben kann. Nichts hindert ihn daran, sich einige Tage später mit einer weiteren E-Mail-Adresse und unter anderem Namen erneut anzumelden. Er erhält dann eine neue IP-Adresse, sodass er nur mit sehr großem Aufwand zu identifizieren wäre. Auch dem Portalbetreiber gegenüber wäre er anonym. Der Zeitaufwand für die Beschaffung einer neuen E-Mail-Adresse beträgt nur wenige Minuten. Es ist kein Problem, binnen einer Stunde zehn negative Bewertungen einzutragen, die so wirken, als seien sie von zehn verschiedenen echten Patienten dieses Arztes.

Welche Sicherungen gibt es, die einen solchen Missbrauch verhindern? In den Geschäftsbedingungen erklärt man gegenüber den Portalbetreibern, nicht selbst Arzt zu sein und als Patient bei dem betroffenen Arzt gewesen zu sein. An dieser Stelle zu lügen, ist leicht. Und natürlich nicht strafbar. Um ein schlechtes Image zu erzeugen, wird der Täter den Konkurrenten nicht auffallend beleidigen. Es reicht, wenn zehn angebliche Patienten anklicken, die Wartezeiten seien sehr lang, die Praxisausstattung sei recht mäßig und Ähnliches.

Einer wettbewerbsrechtlichen Überprüfung wird diese ungesicherte Art einer Praxisbewertung nicht standhalten. Einen Musterprozess könnten Ärztegenossenschaften, Berufsverbände oder Ärztekammern anstrengen. Die Betreiber dieser werbefinanzierten Portale wünschen sich selbstverständlich viele schnelle Eintragungen. Die Kundenfreundlichkeit der Bedienung ist im Internet das Kapital schlechthin. Das Risiko für die gezielt und manipulativ ungerecht bewertete Arztpraxis kann nur durch Aufsichtsbehörden ausgeschaltet werden.

Die persönliche Identität der angeblichen Patienten muss dem Portalbetreiber zweifelsfrei bekannt sein. Nur dann wird verhindert, dass jemand mit diesem nützlichen Instrument zur Demontage konkurrierender Arztpraxen schreitet. Eine einfache, aber zeitaufwendige Identitätskontrolle besteht darin, dass dem Benutzer ein persönliches Passwort an seine Postadresse geschickt wird. Auch das relativ teure Postident-Verfahren käme infrage, bei dem sich der Benutzer mit seinem Ausweis bei der Post melden muss. Billig und schnell ist das Verschicken eines Passwortes als SMS an das Handy des Nutzers. Dabei wäre der potenzielle unkorrekte Gebrauch auf die Zahl der Handys beschränkt, auf die man zugreifen kann.

Bis die Verhältnisse auf diesem umkämpften Markt sich geklärt haben, kann man jedem Praxisarzt nur raten, ab und zu die Bewertungen zu lesen, die in den Portalen über ihn auftauchen. Die gute Nachricht für Ärzte lautet auch im Zeitalter des Internets: Persönliche Empfehlungen von Mensch zu Mensch sind die beste und billigste Werbung. Roman Machens, Internet: www.praxismanagement.biz
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