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Geldanlage: Sparen nach Plan

Jobst, Peter

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Die Wirtschaftskrise hat viele Anleger verunsichert: Einerseits sollte gerade jetzt ein finanzielles Polster für Notfälle aufgebaut werden, andererseits sind die Zinsen derzeit so niedrig wie schon lange nicht mehr.

Ab jetzt wird gespart, heißt es derzeit in vielen Familien. Die Wirtschaftskrise hat ihre Spuren hinterlassen, und wer im Alter finanziell sorglos leben will, muss rechtzeitig vorsorgen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei die Höhe der Vorsorge und die Ziele, die damit erfüllt werden sollen.

Hinsichtlich der Höhe spielen psychologische Effekte eine besondere Rolle: Viele Haushalte kommen mit ihrem Einkommen – auch ohne Sparen – gerade einmal so über die Runden. Von dem Wenigen auch noch monatliche Sparraten von 50, 100 oder mehr Euro abzuzweigen, erscheint auf den ersten Blick unmöglich. Doch die Erfahrung zeigt, dass meist ein gewisser Spielraum besteht. Werden die Sparraten direkt nach Eingang des Gehalts überwiesen, kommt es bereits nach wenigen Monaten zu einem Gewöhnungseffekt. Auch Häuslebauer berichten immer wieder, dass ihnen die anfänglichen Zins- und Tilgungsraten zunächst als immens große Summe erschienen seien, an die sie sich jedoch spätestens nach einem Jahr gewöhnt hätten.

Bei der Auswahl der passenden Geldanlagemöglichkeit sind die Ziele entscheidend. Im Fall vergleichsweise kurzfristiger Vorhaben – etwa beim Autokauf – macht es keinen Sinn, dafür langfristige Sparpläne abzuschließen. Aber auch riskante Produkte, etwa in Form von Aktien, sollten eher gemieden werden, weil sie trotz aller Renditechancen nicht zu unterschätzende Risiken bergen. Ist zum Beispiel in drei Jahren die Neuanschaffung eines Autos erforderlich, sollte keine mögliche Aktienbaisse diese Pläne gefährden.

Die einfachste Form der Rücklagenbildung ist die über das Sparschwein. Der Nachteil: Es gibt keine Zinsen. Aber wer zum Beispiel regelmäßig kleine Münzen aus seiner Geldbörse in ein Sparschwein wirft, kann sich nach einiger Zeit über einen stattlichen Betrag freuen. Gleiches gilt für anlassbezogenes Sparen. Werden etwa nach jedem opulenten Essen in einem Lokal weitere fünf Euro in ein Sparschwein geworfen, kann sich daraus schnell eine interessante Summe entwickeln. Im Übrigen relativiert sich die „Null-Verzinsung“ in der aktuellen Lage: Tagesgeldzinsen von 0,5 Prozent jährlich, wie von einigen Banken derzeit geboten, sind dem Sparschwein kaum überlegen. Dennoch sollte die Sparbüchse nicht mehr als einige Hundert Euro enthalten – wegen der Diebstahlgefahr. Einen Kompromiss stellen Spar- und Tagesgeldkonten dar. Bei zwar niedrigem Zins bieten sie zumindest ein Höchstmaß an Sicherheit. Zudem sind sie flexibel: Angelegte Beträge können meist kurzfristig abgehoben werden.

Andererseits ist gerade die Flexibilität der „Feind“ jedes auf Dauer angelegten Sparvorgangs. Herrscht im Geldbeutel gerade Ebbe, dann wird eben das Tagesgeldkonto angezapft – und die ersparten Gelder fließen in den Familienhaushalt ein. Allein schon aus psychologischen Gründen ist daher eine gewisse Bindung zu befürworten. Dies gilt etwa bei Banksparplänen. Hier hat der Anleger zwar meist die Möglichkeit, schnell über sein Geld zu verfügen. Attraktive Erträge gibt es jedoch nur bei einer längerfristigen Bindung. Wenn die Prämie in Gefahr gerät, falls man kurzfristig knapp bei Kasse ist, wird man sich Verfügungen zweimal überlegen.

Vermögenswirksame Leistungen nutzen
In verstärktem Maß gilt dies bei langfristig angelegten Sparplänen, unter denen vor allem das Investmentsparen heute eine wichtige Rolle spielt. Hier überweist der Anleger monatlich einen festgelegten Betrag auf ein Investmentkonto. Die Fondsgesellschaft rechnet diesen Betrag in Anteile und Anteilsbruchstücke um und schreibt sie dem Fondskonto gut. Ausschüttungen des Fonds werden ebenfalls sofort wieder angelegt, meist zu besonders günstigen Konditionen. Welchen Fonds der Sparer wählt, richtet sich in erster Linie nach den persönlichen Zielen und der Risikobereitschaft. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt Renten- oder Immobilienfonds, wer einen gewissen Risiko-„Kick“ sucht, entscheidet sich für einen Aktienfonds. Aber auch Mischformen sind jederzeit möglich. Dabei fließen die Sparsummen in verschiedene Fonds, sodass sich Risikostreuung und Renditeorientierung optimieren lassen. Diese Sparform kostet jedoch vergleichsweise hohe Gebühren.

Alternativ bieten immer mehr Finanzdienstleister auch Sparpläne mit Indexfonds oder einzelnen Aktien an. Ein Plus sind die meist geringeren Kosten für hohe Sparraten. Nachteilig ist jedoch die Tatsache, dass sich der Anleger selbst für ein Produkt entscheiden muss und letztlich auch davon abhängig ist. Im Übrigen kann etwa mit einem Indexfonds – im Gegensatz zu einem aktiv gemanagten Aktienfonds – keine Mehrrendite gegenüber einem Index erwartet werden. Aber auch wer monatlich nur 25 oder 50 Euro sparen kann, ist bei einem „klassischen“ Fonds kostenmäßig meist besser aufgehoben.

Direkt auf Langfristigkeit sind weitere Sparformen angelegt, etwa der Bausparvertrag. Ursprüngliches Ziel dieser Anlageform war zwar, dass der Sparer zunächst einen Betrag zu vergleichsweise niedrigen Zinsen anspart und damit das Recht auf ein zinsgünstiges Baudarlehen erhält. Mittlerweile gibt es jedoch viele Vertragsvarianten, die allein auf das Erzielen zuverlässiger Erträge ausgerichtet sind und bei denen manchmal auch noch Prämienvorteile gesichert werden können. Gern wird Bausparen auch in Verbindung mit vermögenswirksamen Leistungen gewählt, bei dem der Arbeitgeber zumindest einen Teil der Sparraten dazubezahlt. Ob man jedoch den Anspruch auf günstiges Baugeld nutzt, kommt auf die eigene Situation und die Lage an den Kapitalmärkten an.

Mit staatlichen Vorsorgeprogrammen kombinieren
Speziell für die Absicherung im Alter konzipiert und nach wie vor beliebt sind die Kapitallebensversicherung und die private Rentenversicherung. Beide basieren auf regelmäßigen Einzahlungen während der Ansparphase, die – gerade heutzutage – eine immer noch solide Rendite erwarten lassen. Während jedoch die Lebensversicherung entweder dann in einer Summe zur Auszahlung kommt, wenn der Versicherte während der Vertragslaufzeit stirbt oder wenn die Police fällig wird, ist bei der Rentenversicherung eine meist lebenslang gezahlte Leibrente vorgesehen. Alternativ ist jedoch auch hier oft eine Kapitalzahlung möglich. In beiden Fällen bieten die Policen bei entsprechender Gestaltung steuerliche Vorteile. Vorzeitige Verfügungen sind zwar auch hier generell möglich, jedoch sind damit regelmäßig erhebliche finanzielle Nachteile verbunden, sodass auch eher labile Anleger den Vertrag möglichst fortführen sollten – wovon sie letztlich in Form entsprechender Ablaufleistungen profitieren.

Kombinierbar sind mehrere dieser Anlageformen mit staatlichen geförderten Vorsorgeprogrammen, besser bekannt als Riester- beziehungsweise Rürup-Rente. Hier führen die gezahlten Prämien oftmals zu Renditen von mehr als sieben Prozent. Kleiner Wermutstropfen ist die feste Bindung: Übertragungen auf andere Anbieter sind zwar möglich, allerdings kann man sich zum Beispiel bei einem Riester-Vertrag zu Rentenbeginn nur maximal 30 Prozent des Kapitals in einer Summe auszahlen lassen. Der Rest fließt hingegen als Leibrente. Auch sind die gesparten Beträge möglicherweise verloren, wenn der Anleger früh stirbt und keine Übertragung an Angehörige möglich ist. Dennoch wiegen in den meisten Fällen die Vorteile beim Ertrag schwerer als die geringe Flexibilität.

Neben diesen Sparformen gibt es noch viele weitere Produkte, darunter auch viele Mischformen. Vor jedem Vertragsabschluss sollte daher eine ausführliche Beratung stehen, aber auch ein sorgfältiger Vergleich auf Basis der individuellen Lebenssituation. Eine gewisse Zurückhaltung kann sich ebenfalls lohnen: Erfahrungen zeigen, dass euphorisch abgeschlossene Langfristverträge mit hohen Ansparsummen meist weniger lang halten wie nüchtern kalkulierte Sparpläne mit kleinen Beträgen.
Peter Jobst
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