ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 4/2009Medica 2009: Gesundheitstelematik – IT-Innovationen für die Praxis

SUPPLEMENT: PRAXiS

Medica 2009: Gesundheitstelematik – IT-Innovationen für die Praxis

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Zentrale Themen der Gesundheitstelematik sind die sektorübergreifende Kommunikation und Vernetzungslösungen. Darüber hinaus geht es um die Optimierung der Arbeitsabläufe sowie die Erhöhung der Service- und Datenqualität.

Foto: Medica
Foto: Medica
Vertragsmanagement, Online-Abrechnung, elektronische Gesundheitskarte, Patienten- und Gesundheitsakten, Dokumentation, Einbindung von Medizintechnik, Telemedizin – die Liste der Themen, die Fragen des IT-Einsatzes in Klinik und Praxis berühren, ist lang. Zum 41. Weltforum der Medizin in Düsseldorf wird medizinische IT daher erneut ein Themenschwerpunkt sein, der stark gefragt ist: Fast 40 000 Besucher interessierten sich 2008 für dieses Thema und für die Medica Media, das Forum für Telemedizin und IT. In diesem Jahr können sich die Fachbesucher bei mehr als 400 Ausstellern über innovative Lösungen in diesem Bereich informieren.

Die Ärzte sicher ans Netz zu bringen, ist kein einfaches Unterfangen. So sollen bis zum Jahr 2011 alle Vertragsärzte und -psychotherapeuten online mit ihren Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) vernetzt sein, weil ab diesem Zeitpunkt die Online-Abrechnung mit der KV für Vertragsärzte und -psychotherapeuten verpflichtend sein soll. Ursprünglich wollte man dieses Ziel bereits 2010 erreichen. Doch bis Mitte 2009 nahmen zum Beispiel erst rund 8 000 Ärzte an der Online-Initiative der KVen teil und nutzen das KV-SafeNet, die sichere Infrastruktur der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der KVen (www.kbv.de/12629. html). Mit dem E-Mail-Dienst steht seit Kurzem auch die erste KV-übergreifende Anwendung für alle registrierten KV-SafeNet-Nutzer zur Verfügung, die es den Ärzten ermöglicht, untereinander und mit ihrer KV sicher zu kommunizieren. Die KV Nordrhein und die Kassenärztliche Bundesvereinigung sind erneut mit einem Gemeinschaftsstand bei der Messe vertreten (Halle 16/A21).

Eines ihrer Hauptthemen ist die Online-Abrechnung mit dem elektronischen Heilberufsausweis (eHBA): Die KV Nordrhein gewährt ihren Mitgliedern seit dem 2. Quartal 2009 die Möglichkeit einer Verwaltungskostenreduzierung von 2,8 Prozent auf 2,6 Prozent, wenn sie die Online- Abrechnung mit digitaler Gesamtaufstellung unter Verwendung einer qualifizierten Signatur einreichen. Für die qualifizierte Signatur wird ein eHBA benötigt, der an die jeweilige Praxissoftware angebunden sein muss. Das Softwarehaus Duria beispielsweise zeigt ein entsprechendes Modul. Für den Versand der signierten Gesamtaufstellung einschließlich der Abrechnungsdatei wird ein modifizierter D2D-Client eingesetzt (Halle 15/G4).

Karte auf dem Prüfstand
Ähnlich reserviert wie der Online-Anbindung nähern sich die Ärzte dem Thema elektronische Gesundheitskarte (eGK), auch wenn der Basisrollout in der Region Nordrhein inzwischen begonnen hat: Rund 50 Prozent der Praxen hatten bis Ende Oktober Lesegeräte bestellt und die Anträge zur Erstattung der Pauschalen bei der KV Nordrhein eingereicht. Die Betriebsgesellschaft Gematik demonstriert auf der Medica die Integration der Gesundheitskarte und des Heilberufsausweises in die Arztpraxis und zeigt den Nutzern auch die Perspektiven der künftigen Tele­ma­tik­infra­struk­tur (Halle 15/C4).

Mobiles Arbeiten erfordert geeignetes technisches Equipment für Ärzte und Pflegepersonal. Foto: Vario Images
Mobiles Arbeiten erfordert geeignetes technisches Equipment für Ärzte und Pflegepersonal. Foto: Vario Images
Auch die Hersteller von Kartenlesegeräten sind erstmals mit den von der Gematik zugelassenen „eHealth-/ BCS-Terminals“ sowie mit ihren eGK-kompatiblen mobilen Kartenlesegeräten vertreten. Die meisten der stationären und mobilen Geräte sind mit einem zusätzlichen Steckplatz für den eHBA ausgestattet. Das wird relevant, wenn die Arztpraxen mit der Gesundheitskarte online gehen oder Funktionen wie die Speicherung von Notfalldaten nutzen wollen. Offen ist nach der Bundestagswahl derzeit dennoch, wie es mit dem eGK-Projekt konkret weitergeht. Vorerst heißt es aus den Reihen der schwarz-gelben Koalition etwas vage nur, dass vor einer weiteren Umsetzung eine Bestandsaufnahme des Projekts notwendig sei.

Experten mahnen eine standardisierte, interoperable und sichere IT-Infrastruktur zunehmend auch für telemedizinische Anwendungen an. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung erhalten diese künftig einen hohen Stellenwert.

Telemedizin als Modell
So ist die Sicherung der Versorgung älterer, immobiler und chronisch kranker Personen in ländlichen Regionen, wie etwa in Mecklenburg-Vorpommern, schon heute ein Problem. Weil künftig nicht genügend Hausärzte zur Verfügung stehen werden, übernehmen sogenannte Telegesundheitsschwestern einen Teil der Betreuung, für deren Arbeit die Anbieter telemedizinischer Systeme geeignete Lösungen im Rahmen der Medica präsentieren. Die Grundlage dafür legte das Projekt AGnES („Arztentlastende, Gemeindenahe, E-Healthgestützte, Systemische Intervention“), in dem das Versorgungsmodell mehrere Jahre erprobt wurde.

Die Telegesundheitsschwester berät Patienten bei der Prävention (wie die Sturzprophylaxe), übernimmt die Medikamentenkontrolle und schult Patienten bei der Nutzung von Telecare-Geräten. Hausbesuche dokumentiert sie auf einem Tablet-PC oder auf dem Laptop, der mit standardisierten Formatvorlagen hierfür ausgestattet ist. Sie fährt mit Auto, Laptop oder Tablet-PC sowie medizinischem Gerät ausgestattet von Patient zu Patient und unterstützt die behandelnden Ärzte mittels Hausbesuchen und Monitoringleistungen. Zu den erbrachten Leistungen zählen beispielsweise das Anlegen einer Langzeit-Blutdruckmessung, das Ermitteln von kognitiven, physischen, psychischen und sozialen Fähigkeiten von Patienten mittels standardisierter Tests, die Bestimmung von Laborparametern und die arztunterstützende Abstimmung mit anderen Leistungserbringern. Falls erforderlich, kann die Schwester vor Ort auch Bilder des Patienten an den Arzt übermitteln und mit diesem eine Videokonferenz aufbauen. Hierfür lassen sich Verbindungen über DSL und WLAN oder UMTS nutzen.

Nach erfolgreichen Projekten in Mecklenburg-Vorpommern sind inzwischen auch andere Bundesländer an einer Umsetzung von AGnES-Modellen interessiert. Für die technische Unterstützung sorgen die Praxis-EDV-Hersteller mit der Anbindung von Notebooks oder Webpads und der Anpassung der Hausbesuchsmodule. Darüber hinaus sind auch Videokonferenzsysteme und die Einbindung weiterer Telemedizinlösungen möglich.

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So präsentiert beispielsweise der zum Compugroup-Konzern gehörende Anbieter Turbomed ein Hausbesuchsmodul (Halle 15/E 32), mit dem der Anwender Patientendaten aus der Praxissoftware direkt auf ein mobiles Gerät übertragen kann, damit sie für den Hausbesuch zur Verfügung stehen. Änderungen und neu erfasste Informationen werden nach der Rückkehr in die Praxis automatisiert in die Patientenkartei übernommen. Auch Vita-X, die arztgeführte Online-Patientenakte, ist in die Praxissoftware integriert und für Patienteninformationen beim Hausbesuch geeignet. Mit Vita-X kann die Telegesundheitsschwester Bild- und Textinformationen übertragen und zum Beispiel zur Wundversorgung direkt eine Zweitmeinung des Hausarztes einholen. Auch telemedizinische Geräte können ihre Daten direkt in die Akte einspielen. Eine ähnliche Lösung bietet auch die Firma Albis an (Halle 15/C 21). Weitere Funktionen – wie das Befunden, Diagnostizieren oder Verordnen von Medikamenten – werden ebenfalls unterstützt.

Mobile Pflegesysteme
Wie lässt sich ambulante Pflege effizienter, qualitativ hochwertiger und kostensparender gestalten? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Mitte 2007 gestartete Projekt VitaBIT, das vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. In dem Projekt soll eine offene IT-Plattform für alle an der Pflege Beteiligten entwickelt werden, die die Kommunikation und den sicheren Informationsaustausch unterstützt. Zentrale Komponente ist dabei ein „mobiles Sanitätsphone“ mit Touch-screen-Display, das mit einem digitalen Stift bedient werden kann. Der Stift ermöglicht die Pflegedokumentation und die Leistungserfassung beim Klienten auf Papier und gleichzeitig digital mittels eingebauter Kamera. Informationen, die die Pflegekraft beim Patienten gewinnt, werden automatisiert übernommen. Vitalwerte, wie Blutzucker, Blutdruck und Gewicht, werden bei der Erfassung vom Messgerät direkt per Funk (Bluetooth) an das Mobiltelefon gesendet und dann online in der Webakte abgespeichert. Auch Wunden lassen sich mittels Handy dokumentieren und dem jeweiligen Klienten zuordnen. Nach Ende der Tour werden die gesammelten Fotos über eine Dockingstation in die Patientenakte überspielt. Weiteren an der Pflege der Patienten beteiligten Benutzergruppen, wie Ärzten oder auch Angehörigen, kann ebenfalls Zugriff auf die Akte gewährt werden.

Das System basiert auf einer Plugin-Architektur, das heißt, es stellt Schnittstellen für die Anbindung etwa der Pflegeverwaltungssoftware zur Verfügung, sodass bestehende Software beibehalten werden kann. Praxissoftwarehersteller könnten ihre Produkte um eine Kommunikationskomponente zwischen Arzt und Pflegedienst ergänzen. Das Projekt wird am Stand des FZI Forschungszentrum Informatik, Karlsruhe, vorgestellt (Halle 15/A12).

Smartphones lassen sich mit geeigneter Software auch zum Diktiergerät umfunktionieren. Foto: Brainworks
Smartphones lassen sich mit geeigneter Software auch zum Diktiergerät umfunktionieren. Foto: Brainworks
Das Handy zum Diktat
Spracherkennungssysteme können dazu beitragen, die Schreibarbeit in Arztpraxen und Kliniken besser in den Arbeitsalltag zu integrieren und das Praxispersonal zu entlasten, denn das Schreiben von Befunden und Arztbriefen ist aufwendig. Inzwischen lassen sich Diktate auch ohne Kabelwirrwarr per WLAN übertragen. So hat der Diktiergerätehersteller Grundig Business Systems (bei 4voice, Halle 15/G26) eine WLAN-Station auf den Markt gebracht. Die „Digta Station WLAN“ überträgt Diktate ohne PC und Kabel und kann mit den mobilen Diktiergeräten „Digta 420“ und „Digta 415“ verwendet werden. Um ein Diktat an eine Schreibkraft zu senden, muss der Anwender sein Diktiergerät nur in die Station stecken; die Daten werden automatisch übertragen. Die WLAN-Station kann überall aufgestellt werden, etwa in einem Besprechungsraum oder im Behandlungszimmer. Die Diktate können per E-Mail oder FTP-Server an hinterlegte Adressaten versendet werden. Mit einer WLAN-Verschlüsselung ist das Übertragen der Daten in einem Netzwerk sicher. Die Konfiguration ist unkompliziert und erfolgt über den Web-Browser.

Dass man nicht unbedingt ein Diktiergerät oder ein extra Mikrofon benötigt, demonstriert die Berliner Softwarefirma Brainworks (Halle 15/A51). Mit der Diktiersoftware „ProMobile“ verwandeln sich Smart-phones wie der „BlackBerry“ in mobile Diktiergeräte. So können erstellte und gesendete Diktate direkt im Hintergrund umgesetzt werden und stehen damit schnell als Text zur Verfügung. Außerdem wurde die Remotefunktion ausgebaut, sodass sich die Geräte auch während des mobilen Einsatzes fernwarten lassen.

Das Unternehmen Nuance (siehe 4Voice, Halle 15/G26) stellt die neue Version von „Dragon Medical“, einer Spracherkennungssoftware für niedergelassene Ärzte, vor. Der Arzt kann die Software im Hintergrund nutzen und sich Patientendaten am PC ansehen, während er gleichzeitig diktiert, ohne dabei zwischen Spracherkennung und Patientenkartei hin und her springen zu müssen. Hilfreich ist außerdem das Diktieren mit vorformulierten Textbausteinen, die während des Diktats durch Sprachbefehle zum Beispiel in den Befund eingebaut werden können. Zusätzlich lassen sich Internetrecherchen per Sprachsteuerung navigieren.

Ein neuer Schwerpunkt ist in diesem Jahr das Thema „Green IT“. Der Druckerhersteller OKI etwa ist seit rund 20 Jahren „Energy-Star“-Partner. Energy Star ist eine US-amerikanische Produktkennzeichnung für energiesparende Geräte, die 1992 von der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA initiiert und 2003 auch in Europa eingeführt wurde. In Deutschland gibt es zusätzlich den Blauen Engel als Prüfsiegel für besonders umweltschonende Produkte. Etwa 100 Produkte sind laut OKI mit diesem Logo gekennzeichnet. Ein stromsparendes Druckermodell ist der OKI B440n Schwarz-Weiß-Laserdrucker, der im Wartemodus unter neun Watt verbraucht (Halle 15/G50).

Auch Telekonferenzsysteme lassen sich zu „Green IT“-Lösungen zählen, weil sie es ermöglichen, dass zum Beispiel die Teilnehmer eines ärztlichen Konsils keine Ressourcen für die Reise verbrauchen, sondern Dia-gnosen von Fachkollegen energieschonend und häufig auch schneller stellen können.

Ein Beispiel ist etwa die „Advantage Workstation Remote Access“ von GE Healthcare (Halle 10/A56). Mit der Software und der Remote-Access-Option können Ärzte ihren PC oder ihr Notebook vor Ort in eine mobile Bildanalysestation verwandeln, um beispielsweise auch zu Hause auf Bilddaten zuzugreifen.

Energiefresser sind vor allem Rechenzentren und Server. Viel Energie ist zum Beispiel für die Kühlung der Hochleistungsgeräte erforderlich. Festplattenspeicher mit Energiesparfunktion können hier eine interessante Alternative sein. Ein Beispiel sind die Silent Cubes der Fast LTA AG (Halle 15/A35). Der Stromverbrauch dieser „Zero Power“-Festplattenspeicher liegt im Standby-Modus je 8-Terabyte-Speichereinheit bei nur zwei Watt. Heike E. Krüger-Brand


Medica-Basisinfo
Zeit: 18. bis 21. November 2009
Ort: Düsserldorf, Messe
Eintritt: Eintrittskarten sind online preiswerter als an der Tageskasse. Sie gelten auch für die meisten Veranstaltungen des Kongresses.
Öffnungszeiten: 10 bis 18.30 Uhr, samstags 10 bis 17 Uhr.
Internetportal: Das Medica-Internetportal unter www.medica.de bietet Nachrichten aus der Branche, Berichte zu Innovationen sowie allgemeine Informationen für Messebesucher. Die Medica ist auch präsent im Web 2.0 in den Communities von Twitter, XING, Facebook, LinkedIn, in den Google- News sowie im Youtube-Channel.

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