ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2009Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie: Abhängigkeitspotenzial

MEDIZIN: Diskussion

Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie: Abhängigkeitspotenzial

The Pathophysiology, Diagnosis and Treatment of Constipation: Potential for Dependence

Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 765; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0765b

Schmiedel, Volker

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LNSLNS Das Abhängigkeitspotenzial darmirritierender Substanzen wird im Beitrag meines Erachtens unterschätzt. Wer einige Wochen seinen Stuhlgang mit diesen Substanzen unterstützt hat, wird kaum ohne Hilfe zu einer normalen Verdauung ohne Laxanzien gelangen. Die nach Absetzen der Laxanzien deutlich verminderte Stuhlfrequenz ist der Obstipierte kaum bereit zu tolerieren – sonst hätte er ja erst gar nicht zu Laxanzien gegriffen. Bei Obstipierten, die Laxanzien mehrere Jahre lang gebrauchen, ist ein normales Stuhlverhalten trotz massiven Einsatzes aller anderen im Artikel genannten Verfahren allenfalls nach Monaten guter Führung und großer Motivation seitens des Patienten zu erreichen.

Die bei bestimmungsgemäßem Gebrauch der Laxanzien als selten beschriebene Hypokaliämie kann man oft feststellen, wenn nicht das Serum, sondern das Vollblut auf Kalium untersucht wird. Im Serum beobachte ich tatsächlich nur selten einen Kaliummangel. In der Vollblutanalyse wird man jedoch häufiger fündig – besonders bei Obstipierten und erst recht, wenn diese Laxanzien einnehmen. Die einfachste Methode zur Obstipationsbehandlung wurde leider unterschlagen. Fast alle Obstipierten weisen einen Magnesiummangel auf – wiederum in der Vollblutanalyse gemessen.

Da Laxanzien nicht nur zu einer Kalium-, sondern auch zu einer Magnesiumverarmung der glatten Darmmuskelzellen führen, ist eine Kaliumsubstitution (nur bei Mangel in Serum und/oder Vollblut) sowie eine hoch dosierte Magnesiumgabe (300–900 mg Magnesiumionen) fast immer erfolgreich. Selbst wenn kein Magnesiummangel vorliegt, ist Magnesium aufgrund seines in hoher Dosierung salinischen Effektes wirksam. Dabei sind Magnesiumsalze als Brause/Granulat angenehmer als das geschmacklich schlecht zu tolerierende Glauber- oder Bittersalz.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0765b

Dr. med. Volker Schmiedel
Habichtswald-Klinik Werner Wilhelm Wicker KG
Wigandstraße 1, 34131 Kassel
E-Mail: schmiedel@habichtswaldklinik.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
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Müller-Lissner S: The pathophysiology, diagnosis and treatment of constipation [Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(25): 424–32. MEDLINE
1. Müller-Lissner S: The pathophysiology, diagnosis and treatment of constipation [Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(25): 424–32. MEDLINE

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