ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2009Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie: Begrüßenswert

MEDIZIN: Diskussion

Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie: Begrüßenswert

The Pathophysiology, Diagnosis and Treatment of Constipation: A Very Welcome Article

Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 765-6; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0765c

Wirz, Stefan

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LNSLNS Dieser begrüßenswerte CME-Artikel zur Obstipation, einem Symptom mit hoher Prävalenz, schildert diagnostische und therapeutische Optionen in gut lesbarer Form, was sicherlich zu einer Verbesserung des Wissensstandes führt. Einige Aspekte möchte ich aus klinischer Sicht ergänzen:

Selbstverständlich ist die aktive Befragung der Rom-III-Kriterien zielführend für die eindeutige diagnostische Festlegung einer Obstipation. Dennoch ist die praktische Umsetzung im konkreten Fall schwierig, weil diese Kriterien bei Patienten im klinischen Alltag nicht immer erfragbar sind.

Die Empfehlung selektiver Serotoninwiederaufnahmeinhibitoren (SSRI) als Alternative zur Anwendung trizyklischer Antidepressiva führt zwar seltener zu einer Obstipation, verhindert diese aber nicht sicher. So führen einzelne AWMF-Leitlinien die Obstipation als Nebenwirkung auch von SSRI auf. Pathophysiologisch kommt es unter SSRI zu einer Inhibition gastrointestinaler enterochromaffiner serotonerger Rezeptoren im enterischen Nervensystem mit einer Verminderung der Peristaltik des Kolons und der Sekretionskapazität.

Aus schmerz- und palliativmedizinischer Sicht sollte die opioidinduzierte Obstipation als ein häufiger Grund für den Abbruch einer ansonsten lege artis und effektiven Schmerztherapie unbedingt stärker beachtet werden. Mit Beginn einer Opioidtherapie ist eine Obstipationsprophylaxe unerlässlich.

Die vollständige Zusammenstellung der verschiedenen Therapieverfahren und Empfehlung bestimmter Laxanzien mit einem günstigen Verhältnis von Effektivität zu Nebenwirkung ist begrüßenswert. Im Bereich der Schmerz- und Palliativmedizin hat sich die Anwendung verschiedener medikamentöser Wirkprinzipien in einem eskalierenden Stufenschema als effektiv erwiesen. Ein solches Stufenschema könnte auch bei anderen Patientengruppen evaluiert werden.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0765c

Dr. med. Stefan Wirz
Anästhesie, Interdisziplinäre Intensivmedizin,
Schmerztherapie, Palliativmedizin
Katholisches Krankenhaus im Siebengebirge
Schülgenstraße 15, 53604 Bad Honnef
E-Mail: stefan.wirz@cura.org

Interessenkonflikt
Der Autor gibt Verbindungen mit den Firmen Mundipharma, Wyeth, Cephalon, Norgive an.
1.
Cash BD, Chey WD: The role of serotonergic agents in the treatment of patients with primary chronic constipation. Aliment Pharmacol Ther 2005; 22(11–12): 1047–60. MEDLINE
2.
Sittig HB: Kursbuch Palliative Care. Unimed 2009: 205–17.
3.
Schenk M: Multimodale Tumorschmerztherapie. Unimed Verlag 2009: 84–8.
4.
Müller-Lissner S: The pathophysiology, diagnosis and treatment of constipation [Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(25): 424–32. MEDLINE
1. Cash BD, Chey WD: The role of serotonergic agents in the treatment of patients with primary chronic constipation. Aliment Pharmacol Ther 2005; 22(11–12): 1047–60. MEDLINE
2. Sittig HB: Kursbuch Palliative Care. Unimed 2009: 205–17.
3. Schenk M: Multimodale Tumorschmerztherapie. Unimed Verlag 2009: 84–8.
4. Müller-Lissner S: The pathophysiology, diagnosis and treatment of constipation [Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(25): 424–32. MEDLINE

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