ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2009Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie: Verwirrung
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LNSLNSLNSLNS Als „adäquate therapeutische Konsequenz“ der opioidinduzierten Obstipation werden vom Autor zuerst die Verordnung von Oxycodon/Naloxon, dann Methylnaltrexon und zuletzt (!) die Gabe von Laxanzien genannt werden. Dazu mehrere Anmerkungen:

In jedem Lehrbuch wird auf die Wichtigkeit einer routinemäßigen und frühzeitigen Gabe von Laxanzien bei der Einstellung auf Opioide hingewiesen, um die darunter häufig auftretende Obstipation von Anfang an konsequent mit zu therapieren, beziehungsweise erst gar nicht entstehen zu lassen (1). Laxanzien sollten daher an erster Stelle der Empfehlungen stehen.

Wechsel der Applikationsart oder Opioidrotation führen oft zum Erfolg (2).

Ich habe die Obstipation als wichtiges gastrointestinales Symptom bei fortgeschrittenen Tumorleiden und die Abgrenzung zu chronischem Subileus/Ileus mit veränderten therapeutischen Implikationen vermisst. Die palliativmedizinisch öfters eingesetzten Gleitmittel-Laxanzien bleiben als Gruppe unerwähnt.

Oxycodon/Naloxon hat in der Therapie starker akuter (gerade auch postoperativer) und chronischer Schmerzen wegen der in der Praxis tatsächlich geringen Obstipationsauslösung zu Recht einen hohen Stellenwert, ist aber in der Zulassung auf 80 mg Oxycodon/40 mg Naloxon Tagesdosis beschränkt. Damit stößt man bei starken Schmerzen oft schnell an Grenzen. Auch ist Oxycodon nicht für alle Patienten das geeignete Opioid.

Die Kombination Tilidin/Naloxon auf der WHO-Stufe II findet gar nicht erst Erwähnung, obwohl sich diese seit Jahren auf dem Markt befindet und auch fast ohne Obstipationsrisiko ist (3).

Methylnaltrexon ist teuer und auch nur bei Versagen einer konventionellen Laxanzientherapie zugelassen, sodass hier eine differenzierte Betrachtung und Gewichtung notwendig gewesen wären. Die betonte Herausstellung in der Fußnote zusammen mit Oxycodon/Naloxon als „einzige in randomisierten kontrollierten Studien belegte Maßnahmen“ verwirrt eher, als eine rationale Entscheidungsgrundlage darzustellen.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0766b

Dr. med. Ingo Zerbe
St. Josef-Krankenhaus
Koblenzer Straße 23
54411 Hermeskeil
E-Mail: i.zerbe@t-online.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Bausewein C: Arzneimitteltherapie in der Palliativmedizin. 1. Deutsche Auflage. München: Urban & Fischer 2005: 15ff.
2.
Bausewein C: Arzneimitteltherapie in der Palliativmedizin. 1. Deutsche Auflage. München: Urban & Fischer 2005: 173.
3.
Wörz R: Differenzierte medikamentöse Schmerztherapie. 2. Auflage. München: Urban & Fischer 2001: 190.
4.
Müller-Lissner S: The pathophysiology, diagnosis and treatment of constipation [Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(25): 424–32. MEDLINE
1. Bausewein C: Arzneimitteltherapie in der Palliativmedizin. 1. Deutsche Auflage. München: Urban & Fischer 2005: 15ff.
2. Bausewein C: Arzneimitteltherapie in der Palliativmedizin. 1. Deutsche Auflage. München: Urban & Fischer 2005: 173.
3. Wörz R: Differenzierte medikamentöse Schmerztherapie. 2. Auflage. München: Urban & Fischer 2001: 190.
4. Müller-Lissner S: The pathophysiology, diagnosis and treatment of constipation [Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(25): 424–32. MEDLINE

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