ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2009Börsebius: Zwielichtiger Dollar

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Börsebius: Zwielichtiger Dollar

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LNSLNSLNSLNS Was ist bloß mit dem Dollar los? Seit der Jahresmitte verlor die US-amerikanische Valuta, die auch schon vorher zur Schwäche tendierte, gegen den Euro rund 15 Prozent. Das ist für eine Weltwährung wirklich eine Menge Holz. Fachleute erklären dieses Einknicken des Greenback vor allem mit dem Verhalten der Notenbanken, die eine „Reduktion der Dollarakkumulation zugunsten anderer Währungen“ konstatieren.

Fantasten reichen auch noch eine andere Geschichte herum, die aber bislang durch nichts belegt ist. Danach sind die Ölstaaten im Schulterschluss mit China, Russland, Japan und Frankreich konspirativ zugange, dem Dollar als Referenzwährung quasi den Hahn abzudrehen und dafür eine synthetische Verrechnungseinheit zu konstruieren. Die Story ist offenbar plausibel genug, um als Schreckgespenst herzuhalten, Quatsch ist es dennoch.

Wahr ist natürlich schon, dass der massenhafte Nachfragerückgang nach ausgeklügelten Finanzprodukten, wir erinnern uns, das sind genau die, denen wir die weltweite Finanzkrise verdanken, schlicht dazu führt, dass weniger ausländisches Kapital in den Dollar fließt und von daher eine marktinduzierte Schwäche durchaus einsichtig ist. Es stimmt ebenso, dass die US-Haushaltsdefizite nach wie vor wie ein Damoklesschwert über dem Kurs des Greenback schweben und einen ziemlich negativen Einfluss ausüben.

Persönlich glaube ich, dass von den vielen Einflussfaktoren, warum eine Währung stark oder eben schwach ist, es eine große Rolle spielt, dass die US-Valuta so schwach ist, weil sie schwach sein soll, sein muss. Um US-Produkte für ausländische Verbraucher attraktiv zu machen, also die Wirtschaft wieder anzukurbeln, bedarf es einfach eines niedrigen Dollarkurses.

Wie es denn immer so ist, wenn alle Welt den Daumen nach unten hält und in den Internetforen allerorten auf den Greenback eingeprügelt wird: Der Dollar hat durchaus das Zeug zu einer nachhaltigen Erholung. Wer es nicht glaubt, mag sicher auch gute Gründe dafür finden, den weiteren Niedergang zu beschwören, wie etwa die Finanzkrise und hausgemachte Probleme, vor allem riesige Haushaltsdefizite, siehe oben.

Gleichwohl, die Vereinigten Staaten von Amerika sind und bleiben ökonomische Riesen. Wenn die Wirtschaft drüben wieder in Fahrt kommt, wird das der US-Valuta auch wieder auf die Beine helfen.

Spätestens dann wird der möglicherweise gewünschte Dollarverfall (US-Produkte haben bessere Weltmarktchancen) seinen Zweck erfüllt haben. Die Macht des Faktischen soll niemals unterschätzt werden. Den Zweiflern sei ins Stammbuch geschrieben, dass die jüngste Geschichte mit Opel und General Motors ziemlich drastisch beschreibt und erst recht belegt, wer auf der Welt die Hosen an hat. Oder sie anderen auszieht.
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