ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2009Arztgeschichte: Im „grünen“ Sprechzimmer

SCHLUSSPUNKT

Arztgeschichte: Im „grünen“ Sprechzimmer

Hanke, Friederike

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LNSLNS „Ich bat die Mutter, das Mädchen auszuziehen, damit ich es genauer untersuchen könnte. Sofort ertönte lautes Protestgeschrei.“
Zeichnung: Elke R. Steiner
Zeichnung: Elke R. Steiner

Es war ein schwülheißer Samstagnachmittag. Ich hatte den kinderärztlichen Notdienst in unserer Stadt. In der Praxis erschien eine Mutter mit zwei Mädchen, dreieinhalb und circa zehn Jahre alt. A., das jüngere Mädchen sollte mir vorgestellt werden, und zwar „nur in den Mund gucken“, ob das Kind Mundsoor hat. Die Familie wurde in das „grüne“ Sprechzimmer aufgerufen. Im Sprechzimmer berichtete die Mutter dann auch von Pickeln am Körper, und dass A. am Vortag Fieber gehabt habe. Also bat ich die Mutter, das Mädchen auszuziehen, damit ich es genauer untersuchen könnte. Sofort ertönte lautes Protestgeschrei, A. flüchtete auf den Schoß der Mutter und klammerte sich an ihr fest. An Auskleiden war so nicht zu denken. Also schlug ich vor, die Familie für einen Augenblick allein zu lassen, damit die Mutter ihr Kind beruhigen und ohne meine bedrohliche Anwesenheit auskleiden konnte. Ich ging in das „rote“ Sprechzimmer nebenan. Dort saß ein kleiner Junge in etwa demselben Alter wie A. mit freiem Oberkörper erwartungsvoll auf der Liege, ließ sich dort problemlos von mir untersuchen, und nachdem ich den Vater beraten hatte, ging ich wieder ins „grüne“ Zimmer. Überraschung! Es erwartete mich die ganze Familie in Unterwäsche!

Das war die Bedingung, unter der A. sich hatte ausziehen lassen. Die Untersuchung war dann problemlos möglich, auch ohne dass Mutter und Schwester mit untersucht werden mussten. Glücklicherweise war A. auch nicht wirklich krank, die Veränderungen im Mund waren kleine Aphten, die Pickel am Körper „Hitzepickel“.
Friederike Hanke
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