ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2009Die NS-Zeit: Am Kern vorbei
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Der Artikel geht meines Erachtens in zweifacher Hinsicht am Kern des Problems vorbei. Auch wenn die Umfrage für Historiker und historisch Interessierte sehr interessant sein mag.

Zum einen ist es Sache des Geschichts- und Sozialkundeunterrichts (in Norddeutschland des Gemeinschaftskundeunterrichts) an den allgemeinbildenden Schulen, die Jugend über die Gefahren einer Diktatur aufzuklären. Besonders, ihr klarzumachen, wie die Welt ohne Demokratie und Menschenrechte aussieht. Ob die Verstrickung der Ärzte in das nationalsozialistische System hierfür das beste Beispiel ist, möchte ich dahingestellt sein lassen. Einen Mangel an Grundkenntnissen vermute ich persönlich ausschließlich bei den Leuten, die eine Wiedergutmachung an die Opfer des Nationalsozialismus ablehnen. Den Inhalt des oben genannten Artikels zusätzlich aufs Medizinstudium zu packen, wird wahrscheinlich bei allen Beteiligten erheblichen Widerwillen hervorrufen, ohne etwas an der Einstellung der Studenten zu ändern . . .

Zum anderen: Der tiefere Sinn solcher Forschung kann ja nur sein, dazu beizutragen, dass so etwas nicht wieder passiert. Damit der Nationalsozialismus seine ganze Grausamkeit entfalten konnte, musste man es erst einmal fertigbringen, die Weimarer Demokratie zu zerstören. Und das ist 1918 bis 1933 geschehen. Nach der Machtergreifung war das Kind nicht mehr aus dem Brunnen zu holen. Darum möchte ich die Historiker anregen, sich vorrangig mit den Zwanziger-Jahren des letzten Jahrhunderts zu beschäftigen.
Dr. Reinhold Herrmann, Ginsterweg 3, 95028 Hof
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