ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2009Harninkontinenz: Vermischung verschiedener Inhalte
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In dem Beitrag werden Inhalte in einem derartigen Umfang vermischt und falsche Zusammenhänge hergestellt, dass wir eine Richtigstellung zumindest der gröbsten Fehlinformationen für dringend notwendig halten . . .

1. Es liegen mittlerweile sehr wohl Langzeitdaten zu Inkontinenzoperationen mit alloplastischem Material vor, die nicht nur weniger Nebenwirkungen und Komplikationen, sondern auch eine geringere Rezidivrate der minimalinvasiven Operationstechniken mit alloplastischem Material gegenüber den herkömmlichen Operationsmethoden belegen.

Auch für die Verwendung alloplastischer Materialien in der Prolapschirurgie liegen mittlerweile Studien mit längerer Nachbeobachtungszeit vor.

2. Nebenwirkungen und Komplikationen sind nicht spezifisch für alloplastisches Material. Die genannten Aspekte zu Komplikationen und Nebenwirkungen der Operationstechniken mit alloplastischem Material, die nach Auffassung des Autors zu einer Neubewertung auch in Deutschland führen sollen, sind keinesfalls charakteristisch für die Verwendung dieser Materialien. Vielmehr handelt es sich, mit Ausnahme der Erosion, um allgemeine operative Komplikationen (wie z. B. die Verletzung von Nachbarorganen und Blutungen) oder um Komplikationen, die in gleichem Umfang, insbesondere auch unter dem Aspekt chronischer Schmerz und Kohabitationsprobleme, für Prolaps- und Inkontinenzoperationen ohne Verwendung alloplastischer Materialien gelten.

3. . . . Die aufgezählten Nebenwirkungen und Komplikationen sind keineswegs neu beobachtet worden, sondern werden seit Jahren intensiv in Kreisen diskutiert, die persönliche Erfahrungen mit den genannten Operationstechniken haben. Auch in vorformulierten Operationsaufklärungsbögen werden diese bereits alle erwähnt.

4. . . . Eine verantwortungslose und irreführende Vermischung von onkologischen Aspekten und denen der Prolaps- und Inkontinenzchirurgie nimmt der Autor vor, wenn er deklamiert „Nervenschonenden Operationsverfahren, wie sie im Rahmen der Beckenchirurgie beim Mann bereits seit Jahren mit Erfolg angewendet werden, müssen im gleichen Maß im Rahmen der weiblichen Beckenchirurgie gefordert werden“.

Hierzu ist festzuhalten:

– Nervenschonende Operationsverfahren werden im Rahmen der Therapie des Prostata-, Harnblasen- und Hodenkarzinoms zum Erhalt der erektilen Funktion und Kontinenz eingesetzt, sie sind im Rahmen von Operationen zur Therapie der Inkontinenz beim Mann nur ein Randthema.

– Die Innervierung des Beckenbodens und der Erhalt der Beckenbodenfunktionen sind in der Urogynäkologie bzw. Urologie der Frau bereits ein wichtiges Thema.

In der Gynäkoonkologie wurden im gleichen Maße wie in der onkologischen Urologie gewebe- und nervenschonende Operationsverfahren entwickelt, die z. B. bei der Trachelektomie sogar den Erhalt der Reproduktionsfähigkeit erlauben.

– Effektive Inkontinenzoperationen beim Mann sind gerade durch die Verwendung alloplastischer Implantate, wie z. B. künstliche Spinkteren und Inkontinenzbänder, möglich geworden.

– Alloplastische Materialien haben es überhaupt erst ermöglicht, Inkontinenz- und Prolapsoperationen bei der Frau minimalinvasiv, gewebeschonend und mit wenigen Nebenwirkungen zu realisieren.

5. . . . Die Kolposuspension, ein Inkontinenzoperationsverfahren, das meist über eine Laparatomie ausgeführt wird und das gerade durch minimalinvasive schonende Techniken mit alloplastischem Material verdrängt wurde, wird als Beispiel für eine Technik angeführt, von der behauptet wird, dass sie nicht nervenschonend sei.

Es ist richtig, dass Prolapsoperationen mit vaginal implantierten alloplastischen Materialien, die transobturatorisch oder ischiorektal suspendiert werden, neu sind und der Optimierung sowie der weiteren kritischen Evaluation bedürfen. Dies muss mit dem Wissen geschehen, dass die in Deutschland verbreitete Standardoperation der vaginalen Hysterektomie mit vorderer und hinterer Scheidenplastik mit Rezidivraten von 40 Prozent nach einem Jahr und Kohabitationsbeschwerden bei 30 Prozent der Operierten einhergeht . . .

Literatur und Liste der Unterzeichnenden bei dem Verfasser
Prof. Dr. Dirk Watermann et al., Oberarzt der Frauenklinik, Universitätsklinikum Freiburg, Hugstetter Straße 55, 79106 Freiburg
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