ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2009Impfungen gegen „Schweinegrippe“: Wenig Honorar, aber wohl genug Impfärzte

MEDIZINREPORT

Impfungen gegen „Schweinegrippe“: Wenig Honorar, aber wohl genug Impfärzte

Rieser, Sabine

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LNSLNS Erst mangelte es an Impfbereitschaft, nun an Impfstoff. Die Bundesländer organisieren die Impfung zudem unterschiedlich – mal mehr, mal weniger konfliktreich.

Foto: ddp
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Was Föderalismus bedeutet, kann man derzeit gut rund um die sogenannte Schweinegrippeimpfung studieren. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen informiert auf ihrer Homepage, dass sie seit dem 9. November eine landesweite Hotline geschaltet hat. Wer die Nummer wählt, kann sich die Daten von Ärztinnen und Ärzten in seiner Nähe geben lassen, die gegen diese Grippe impfen.

Auf der Homepage der KV Nordrhein kann man sich ein Plakatmotiv „Impfen schützt auch Sie“ herunterladen. Doch mit Impfärzten um die Ecke kann die KV nicht aufwarten. „Wir sind außen vor“, heißt es. In Nordrhein-Westfalen sichern mancherorts allein die Gesundheitsämter die Impfung, andernorts organisieren sie diese mithilfe von niedergelassenen Ärzten.

Der KV Hessen ist es gelungen, pro Impfung ein Honorar von 6,50 Euro zu verhandeln. In Bremen sind es dagegen nur rund vier Euro pro Impfung, in vielen anderen Bundesländern um die fünf Euro. Der zuständige Senat in Hamburg geht davon aus, dass nur einmal geimpft werden muss, und zahlt 5,50 Euro.

Streit gab es nahezu überall ums Geld, aber in Berlin und Rheinland-Pfalz ist er eskaliert. In der Hauptstadt wollte der rot-rote Senat die Preise drücken, die Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der KV verweigerte ihre Zustimmung zu Impfhonoraren unter 7,10 Euro. Einem Bericht im KV-Blatt Berlin zufolge erboste die VV-Mitglieder vor allem, dass der Senat die durchschnittlichen Kosten einer Impfung durch den öffentlichen Gesundheitsdienst in einer offiziellen Statistik mit knapp 22 Euro bezifferte (ohne Impfstoff).

In der Hauptstadt kam im Übrigen auch ein Vertrag mit dem Hausärzteverband nicht zustande, der Dumpingvorwürfe fürchtete. Nun muss der Senat mühsam Verträge mit einzelnen Ärzten schließen. Bis zum 6. November waren es erst 200 Praxisinhaber, weitere 200 sollen rasch folgen, hieß es. Sie bekommen 5,50 Euro für die erste und 4,50 Euro für die zweite Impfung.

Streit um Preisdumping
In Baden-Württemberg haben die KV und der Hausärzteverband entschieden, gemeinsam tagesaktuell Adressen und Telefonnummern von impfenden Ärzten zu veröffentlichen. Je Impfung gibt es dort fünf Euro.

In Rheinland-Pfalz hat sich die KV hingegen ausgeklinkt: Einer Sprecherin zufolge gab es bei den Verhandlungen um die Schweinegrippeimpfung Ärger mit den Krankenkassen. Der Grund: Die Kas-sen wollten in diesem Winter nur noch für Risikogruppen die Kosten der saisonalen Grippeschutzimpfung übernehmen, wohl, um unter dem Strich Impfkosten zu sparen. Ihre Position entspricht zwar den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Weil es in Rheinland-Pfalz aber jahrelang anders lief, wären impfende Ärzte auf dem schon georderten saisonalen Grippeimpfstoff sitzen geblieben, kritisiert die KV.

Am Ende lenkten Ersatz- und einige Betriebskrankenkassen ein, die AOK aber blieb stur. Daraufhin verweigerte die KV die Mitorganisation der Schweinegrippe-Schutzimpfung. Diese Aufgabe hat die AOK nun für Rheinland-Pfalz übernommen.

Strategien spielen eine Rolle
Wer also wen zu welchem Honorar wann impft, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Die Gründe dafür sind vielfältig. Strategische Überlegungen spielen eine Rolle, wenn das auch niemand offen zugibt. Mancherorts wollen die Gesundheitsämter endlich zeigen, was sie können. Anderswo ärgern sich KV-Repräsentanten zwar über die niedrigen Honorare, halten es aber für klug, ihre Organisation als handlungsfähig zu präsentieren. Nur eine Konstante scheint es mittlerweile zu geben: Überall wird der Impfstoff knapp.
Sabine Rieser

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