KULTUR

Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

Dtsch Arztebl 2009; 106(46): A-2318 / B-1988 / C-1936

Schuchart, Sabine

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Anspruchsvolle, schwerere Stoffe führen in den Filmherbst und -winter. Das Deutsche Ärzteblatt stellt alle vier Wochen eine Auswahl sehenswerter Neustarts vor.

Drama
Ab 26. November:
Helen
Was richtet eine Depression bei einem Menschen an, hier bei der erfolgreichen und glücklich verheirateten Musikprofessorin Helen (Ashley Judd)? Regisseurin Sandra Nettelbeck („Bella Martha“) gelingt in ihrem englischsprachigen Debüt die eindringliche Schilderung der Krankheit: Ohne Hollywoodklischees zu bedienen, beobachtet sie von außen, wie Helen mit ihren psychischen Problemen kämpft und lässt dadurch beim Zuschauer Raum für Reflektion. In Ashley Judd, selbst kürzlich wegen der Krankheit in Behandlung, fand sie eine Hauptdarstellerin, die die schwere Thematik überzeugend herüberbringt.
Deutschl./USA 2009, 119 Min. (FSK: 12)

Ab 26. November:
Nokan – Die Kunst des Ausklangs
Foto: Kool Filmdistribution
Foto: Kool Filmdistribution
Yojiro Takitas Film über die Macht der Liebe und die Kraft der Hoffnung und der Versöhnung ist der Gewinner des Auslands-Oscar 2009. Noch nie zuvor gewann Japan in Hollywood in der Kategorie „bester fremdsprachiger Film“, auch wenn Werke von Meistern wie Kurosawa nominiert waren. Entsprechend gespannt darf man auf das Melodram sein, in dem die Musik eine eigene Rolle spielt: Daigo Kobayashi (Masahiro Motoki) ist ein hingebungsvoller Cellospieler (Bild), doch nachdem sein Orchester aufgelöst wird, steht er plötzlich ohne Job da. Daher beschließt er, mit seiner Frau in seine alte Heimat zurückzukehren. Er meldet sich auf eine Jobanzeige, doch unter dem Titel „Departures“ verbirgt sich nicht etwa eine Reiseagentur, sondern ein Bestattungsunternehmen.
Japan 2008, 130 Minuten

Ab 26. November:
Die Tür
Dänemarks Charakterdarsteller Mads Mikkelsen in einer Paraderolle: Als erfolgreicher Maler David Andernach lässt er für einen Quickie mit der Nachbarin (Heike Makatsch) seine Tochter Leonie (Valeria Eisenbart) für kurze Zeit unbeaufsichtigt und kommt zu spät, um das in den Swimmingpool gestürzte Mädchen zu retten. Auch fünf Jahre später hat ihm seine Exfrau (Jessica Schwartz) nicht vergeben. Sein Leben ist zerbrochen. Bis er zufällig eine Tür findet, die ihn zu jenem verhängnisvollen Tag zurückführt. Es gelingt ihm, seine Tochter zu retten, aber sein jüngeres Selbst stirbt. Der Preis für diese zweite Chance, sein neues Leben, ist ungemein hoch. Anno Saul inszenierte den herausragenden Mysterythriller nach dem Buch „Die Damalstür“ von Akif Pirinçci mit viel Anspruch und Tiefgang.
Deutschland 2009, 103 Min. (FSK: 16)

Dokumentation
Ab 12. November:
Kapitalismus – Eine Liebesgeschichte
Star-Doku-Filmer Michael Moore („Bowling for Columbine“, „Fahrenheit 9/11“) nimmt sich diesmal das kapitalistische Wirtschaftssystem und die globale Finanzkrise vor. Unterhaltsam und polemisch wie gewohnt, beginnt er sein Pamphlet mit Szenen aus dem Römischen Reich, das vom Untergang bedroht ist.
USA 2009, 120 Minuten

Ab 19. November:
Die Anwälte
Die drei wichtigsten Anwälte der 68er-Bewegung, Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler, stehen im Mittelpunkt der Porträt-Dokumentation. In langen Gesprächen erzählen diese Männer, was sie geprägt und motiviert, verbunden und später getrennt hat.
Deutschland 2009, 94 Min. (FSK: 12)

Ab 3. Dezember:
Wenn Ärzte töten
Der US-Psychiater Dr. med. Robert Jay Lifton wurde durch seine Studien über Ursachen und Folgen von Kriegen und politischer Gewalt bekannt. Er ist Mitbegründer der Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs“, die 1985 den Friedensnobelpreis erhielt. Angeregt durch Dokumente des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, forschte der Autor und Wissenschaftler über die Verstrickung der Medizin in den Holocaust. Sein Film will Einblicke in die „dunkelsten Seiten der Ärzteschaft“ eröffnen. Dabei geht Lifton nicht nur auf die historischen Hintergründe ein, er fragt auch nach Ethik und Moral in der modernen Medizin.
Deutschland 2009, 89 Minuten
Sabine Schuchart


DVD-Tipp
Nur Wolken bewegen die Sterne

Foto: Absolut Medien
Foto: Absolut Medien
Ein Film nicht nur für Kinder und Jugendliche, der aus der Sicht der elfjährigen Maria von Liebe und Tod erzählt: Maria fühlt sich einsam, seitdem ihr kleiner Bruder an Krebs gestorben ist. Ihre Mutter, von einer schweren Depression erfasst, nimmt sie kaum noch wahr. Papa schickt sie weg zu den Großeltern. Was, wenn das Leben jetzt für immer traurig bleibt? Maria hat große Angst. Erst als sie mit dem Nachbarsjungen Jacob im Springbrunnen abtaucht, geraten ihre lähmenden Gedanken und Gefühle wieder in Bewegung. Denn dass es nichts mehr zu lachen gibt, hätte Marias Bruder bestimmt nicht gewollt.

Torun Lian: „Nur Wolken bewegen die Sterne“, Spielfilm, Norwegen 1998, ca. 93 Min., Absolut Medien Bestell-Nr. 163, über Internet, Buch- oder Fachhandel, ca. 14,90 Euro
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