ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2009Praxisführung: Über den richtigen Umgang mit Bank und Konto

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Praxisführung: Über den richtigen Umgang mit Bank und Konto

Bandering, Michael

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LNSLNS Der Autor gibt Tipps, wie der niedergelassene Arzt das Praxiskonto optimal nutzen und Kreditgespräche bestmöglich vorbereiten kann.

Offenheit schafft Vertrauen. Ein ehrliches Verhältnis zwischen Arzt und Bank zahlt sich in der Regel aus.Foto: Klaus Rose
Offenheit schafft Vertrauen. Ein ehrliches Verhältnis zwischen Arzt und Bank zahlt sich in der Regel aus.
Foto: Klaus Rose
Die Erledigung von Bankgeschäften steht auf der Liste der beliebten Tätigkeiten selten weit oben. Dies gilt auch und gerade für niedergelassene Ärzte. Dennoch dürfen sie natürlich nicht vernachlässigt werden. Einige Regeln für den Umgang mit Bank und Konto:

• Konto und Kontoführung. Kontoauszüge sind unverzüglich auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen, da durch „eine schuldhafte Verletzung seiner Kontrollpflichten der Kontoinhaber seinen Anspruch auf Schadensersatz (durch die Bank) verliert“. Und dass auch Banken irren können, beweist ein Fall, in dem eine zur Gutschrift auf ein Konto eingereichte Lastschrift dem Einreicherkonto versehentlich belastet anstatt gutgeschrieben wurde.

Eine Bankkontovollmacht sollte aus Sicherheitsgründen (zumindest zunächst) nur als Gemeinschaftszeichnungsbefugnis gewählt werden; ausschließlich bewährte und hoch integere Mitarbeiter sollten Einzelvollmacht erhalten – gleichzeitig ein den Angestellten motivierender Vertrauenserweis. Missbraucht der Bevollmächtigte aber seine Zeichnungsberechtigung, trifft die Bank nur dann eine Schadensersatzpflicht, wenn ihr der Vollmachtsmissbrauch nachweisbar hätte auffallen müssen.

• Der Zahlungsverkehr. Bei einem größeren Privatpatientenstamm sind Überweisungsvordrucke mit Praxiseindruck überlegenswert, den die Hausbank gegen Kostenersatz liefert. Die Vorteile:

– Das einer Liquidation bereits beiliegende Überweisungsformular erleichtert dem Zahlungspflichtigen einen schnellen Rechnungsausgleich, und
– der Überweisungsbetrag wird bei mehreren Bankverbindungen auf das vom Arzt bevorzugte Konto geleitet (Zinsersparnis bei debitorisch geführtem Konto).

Wichtig bei Überweisungen: Auf richtige Bankleitzahl und Kontonummer achten, da keine Namenskontrollen mehr erfolgen (bei Schäden durch falsche Zahlen haftet die Bank nicht). Ein Überweisungsrückruf ist heute meist nicht mehr möglich. An die Sperre eines bereits weitergegebenen, aber noch nicht eingelösten Schecks hat sich die Bank selbst dann zu halten, wenn sie eine Scheckabfrage bereits positiv beantwortet hatte (Ausnahme: Der Scheckaussteller hatte die Bank zu einer verbindlichen Einlösungszusage ermächtigt). Für Schecksperre belastet die Bank eine Gebühr.

Für eigene Zahlungen empfiehlt sich regelmäßig der Überweisungsweg. Dabei ist –namentlich bei debitorisch geführten Konten – zu empfehlen, eine etwa für einen Freitag gedachte Überweisung auf den darauf folgenden Montag zu verschieben: Der Zahlungsempfänger erhält die Zahlung dadurch zwar einen Tag später, der Arzt aber kann sich gleichzeitig inklusive Wochenende drei Tage Sollzinsen ersparen. Eine Scheckzahlung hingegen lohnt sich zur (Sollzins-)Ersparnis nur bei großen Beträgen. Sie setzt allerdings auch einen Begleitbrief voraus, der sich bei einer Überweisung erübrigt.

Anstelle von (mit Zusatzkosten belasteten) Daueraufträgen empfiehlt sich bei vertrauenswürdigen Zahlungsempfängern das Lastschriftverfahren mit Einzugsermächtigung, soweit diese damit einverstanden sind. Hier steht dem Zahlungspflichtigen das Recht zu, einer Belastung durch Lastschrift binnen sechs Wochen zu widersprechen, sodass die Bank den Lastschriftbetrag wieder gutzuschreiben hat.

• Gebühren. Ein Hinweis vorab: Der vorgeschriebene Konditionsaushang am Bankschalter gilt ausschließlich für Privatkunden, er bietet häufig aber auch Anhaltspunkte für Praxiskonten. Daher empfiehlt es sich, anlässlich einer Kontoeröffnung auch die Gebührenfrage zu klären. Führt ein Arzt mehrere Konten, sollte er auf einen Gebührenvergleich nicht verzichten. In der Regel genügen im Übrigen maximal zwei Praxiskonten (ein Haupt-, ein Nebenkonto), um sich nicht zu verzetteln.

Beabsichtigt man mehrere Überweisungen gleichzeitig, kann man unter Umständen unter Verwendung von „Sammlern“ eine Gebührenermäßigung erzielen. Bedient man sich des EDV-gestützten Überweisungsverkehrs, erreicht man regelmäßig ebenfalls eine Verringerung von Gebühren. Vereinzelt berechnen – vor allem im ländlichen Bereich – Banken und Sparkassen noch die sogenannte Umsatzprovision. Ihr sollte sich der Arzt durch sein Veto entziehen. Zwar ist der Spielraum für Konditionszugeständnisse merklich geschmolzen. Unterhält man aber regelmäßig größere Guthaben und/oder wickelt man regelmäßig Börsengeschäfte ab, lässt die Bank eher mit sich reden.

• Die Wertstellung. Der vom Arzt häufig unbeachtete Wertstellungs- oder Valutatag markiert den Beginn beziehungsweise das Ende der Zinsberechnung; bei Kreditkonten ein besonders wichtiger Punkt: Denn eingereichte Schecks beispielsweise erscheinen in der Regel zwar bereits am nächsten Tag als Kontogutschrift auf dem Tagesauszug, werden aber anders als Bareinzahlungen nicht Wert Einreichungstag gutgeschrieben, sondern erst zwei bis fünf Tage später. Unterhält ein Arzt ein debitorisches Konto und reicht er hier beispielsweise einen Scheck in Höhe von 5 000 Euro ein – der Wert wird zwei (Bankarbeits-)Tage später dem Konto gutgeschrieben –, und er hebt einen Tag nach Scheckeinreichung 5 000 Euro wieder ab, entsteht ihm folglich bereits ein Zinsnachteil von 1,39 Euro, ein Jahreszins von zehn Prozent unterstellt. Erfolgt die Scheckeinreichung an einem Donnerstag, verdreifacht sich wegen des Wochenendes sogar dieser Zinsaufwand. Keinesfalls sollte man bei Belastungen eine bereits vor dem Buchungstag liegende Wertstellung akzeptieren, es sei denn, die Bank hat tatsächlich schon entsprechend früher geleistet.

• Der Bankkredit. Ein mit der Bank vereinbarter normaler Betriebsmittelkredit kann flexibel beansprucht werden; reine Sollzinsen werden nur aus der Inanspruchnahme gerechnet. Es empfiehlt sich, eine gut bemessene Kreditlinie zu vereinbaren, um überziehungsprovisionspflichtige Rahmenüberschreitungen zu vermeiden. Preisgünstiger sind Euro-Kredite über einen Mindestbetrag von (institutsverschieden) 25 000 Euro bis 200 000 Euro, die in der Regel auf einen, drei, sechs oder zwölf Monate zugesagt werden und während ihrer Laufzeit stets voll zu beanspruchen sind (daher nur dauernd beanspruchte Kreditteile als Eurolinie einräumen lassen). Für Mietkautionen und ähnliches empfehlen sich Bank-Avale, die selbst bei einem (Höchst-)Satz von drei Prozent pro Jahr immer noch billiger kommen als Barkreditmittel.

Langfristige Investitionen sollte man keinesfalls über (kurzfristige) Betriebsmittel-, sondern ausschließlich über mittel- beziehungsweise langfristige Investitionskredite finanzieren; für Bauinvestitionen empfehlen sich Hypothekendarlehen, deren Zinssatz auf einen längeren Zeitraum festgeschrieben wird – ein gerade derzeit wichtiger Aspekt.

Das Kreditgewerbe kennt drei Arten der Zinsberechnung: variabel, gebunden, Festzins. „Bis auf Weiteres“ festgelegte Zinsen (die Regel bei kurzfristigen Betriebsmittelkrediten) werden jeweils der Marktentwicklung angepasst, wobei man Zinssteigerungen meist schneller angleicht als Zinsrückgänge (eine „Erinnerung“ bei fallenden Zinsen könnte nicht schaden). Dagegen verlieren Zinsbindungen, beispielsweise an den Spareinlageneckzins der Bank, weiter an Bedeutung. In beiden Fällen trägt der Kreditnehmer das Zins(steigerungs)risiko, das sich jedoch durch Zinssicherungsinstrumente minimieren lässt. Die Absprache eines während einer genau vorher bestimmten Dauer unveränderbaren Zinssatzes weist das Zinsrisiko der Bank zu (hier aber Vorsicht: Eine „Revisionsklausel“ für Extremzeiten weicht die Festzinsvereinbarung auf); deshalb liegen auch Festzinsen regelmäßig über den variablen Zinssätzen.

Ein bevorstehendes Kreditgespräch will gut vorbereitet sein. Die Bank erwartet nicht nur eine Vorlage der letzten zwei bis drei Jahresabschlüsse, sondern vor allem auch aktuelles Zahlenmaterial. Nicht zeitnah fertiggestellte Abschlüsse wertet die Bank negativ (daher Steuerberater zur Eile drängen und sich nicht vertrösten lassen); eine EDV-gestützte Buchführung kann den Bankwunsch nach aktuellen Zahlen befriedigen. Auch interessiert sich der Kreditgeber besonders für eine Zukunftsprognose des Arztes, deren Verifizierung sie später überprüft. Ein eher verschlossener Kreditkunde löst regelmäßig Misstrauen aus – bis zur Ablehnung des Kreditwunsches. Kann jedoch ein Arzt das Vertrauen seiner Bank gewinnen, wird sich gerade in schwierigen Zeiten der Erfolg seiner Kooperationsbereitschaft erweisen.

• Geldanlagen. Weist das Praxiskonto Guthaben von mehr als 5 000 Euro aus, sollte man diesen „Bodensatz“ auf einem Tagesgeld- oder Geldmarktkonto anlegen, das allemal wenigstens etwas mehr Zinsen bringt als ein Girokonto. Steht das Guthaben mindestens einen Monat zur Verfügung, bietet sich je nach aktueller Zinslandschaft ein Festgeldkonto als Zwischenanlageform an. Bei größeren Beträgen und Anlagezeiten von mehreren Monaten könnte eine Anlage in Rententiteln unter Umständen vorteilhafter sein (Effektivverzinsung unter Berücksichtigung aller Spesen vergleichen).

Schließlich noch ein guter Rat: Arbeitet ein Arzt mit zwei Geldhäusern zusammen, bietet sich ihm eine ideale Vergleichsmöglichkeit nicht nur bezüglich Gebühren und Zinsen, sondern insbesondere hinsichtlich der Qualität der banklichen Betreuung – und diese ist höher einzuschätzen als der Unterschied einiger Cents in der Gebührenabrechnung.
Michael Bandering
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