ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2009Priorisierung: Zum Scheitern verurteilt
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Ahlert und Kliemt schlagen eine Priorisierungsänderung bei der Zuweisung von Spendernieren mit Einführung eines weiteren von dem Erkrankungsbeginn abhängigen Kriteriums vor. Begründet wird dies mit der besseren Prognose und somit medizinischen Notwendigkeit von kurz nach Dialysebeginn transplantierten Patienten im Vergleich zu Langzeitdialysepatienten, veröffentlicht 2002 in einer Auswertung einer US-amerikanischen Datenbank. Leider ist dieser Vorschlag aus zwei Gründen zum Scheitern verurteilt:

1. Es existiert derzeit kein objektiver Parameter, der eine Vorhersage des Zeitpunkts des Übergangs einer chronischen Niereninsuffizienz in eine terminale Niereninsuffizienz ermöglicht. Somit kann der in der Grafik aufgeführte maximale Punktwert des neu zu berücksichtigenden Priorisierungskriteriums nur mit dem Dialysebeginn zusammenfallen und nicht wie von den Autoren angedeutet präemptiv zum Tragen kommen. Er verliefe damit absolut gegenläufig zum Wartezeitpunktwert.

2. Der medizinische Aspekt ist sicherlich richtig, allerdings gilt dieser medizinische Aspekt ebenfalls für das HLA-Kriterium, das heißt, je mehr Mismatches, desto höher die Fünf- und Zehnjahresmortalität mit ebenfalls nicht unerheblichen Unterschieden. Dies führte zu einem zufälligen Transplantationszeitpunkt (Zufall = HLA-Zusammensetzung von Spender und Empfänger), weshalb Wujciak und Opelz diese Zufallskomponente durch eine zusätzliche Komponente (Wartezeit) abfederten. Das von den Autoren vorgeschlagene weitere wartezeitabhängige Kriterium wäre somit nur ein Rückschritt zu dieser Zufallskomponente und wäre der Verteilungsgerechtigkeit sicherlich nicht zuträglich. Aus medizinischen Gründen müsste man vor Einführung eines weiteren Parameters konsequenterweise die Abschaffung des Wartezeitparameters befürworten . . .
Dr. med. Christian Weber, Hindenburgstraße 38 a, 91054 Erlangen
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