ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2009Medizintourismus: Individuelle Rundumbetreuung erwünscht

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Medizintourismus: Individuelle Rundumbetreuung erwünscht

Dtsch Arztebl 2009; 106(47): A-2361 / B-2029 / C-1973

Spielberg, Petra

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Plattform „Bonn Medical Partners“ (www. bonnmedical partners.de): mehr erreichen im Wettbewerb durch ein gemeinsames Auftreten.
Plattform „Bonn Medical Partners“ (www. bonnmedical partners.de): mehr erreichen im Wettbewerb durch ein gemeinsames Auftreten.
Beim internationalen Wettbewerb um ausländische Patienten steht Deutschland gut da. Die Einwerbung ausländischer Patienten erfordert gleichwohl hohe personelle und finanzielle Aufwendungen.

Zahlreiche ausländische Patienten schätzen die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland. 2007 ließen sich dem Statistischen Bundesamt zufolge 70 898 Patienten aus dem Ausland in deutschen Kliniken behandeln. Damit ist Deutschland die erste Anlaufstelle in Europa für Patienten aus aller Welt.

Hoch im Kurs steht die deutsche Medizin vor allem bei Niederländern, Franzosen, Österreichern und Polen. Seit einigen Jahren zieht es zudem immer mehr Araber und Russen zur Versorgung nach Deutschland. So stieg allein der Anteil russischer Patienten innerhalb von nur drei Jahren (2004 bis 2007) um 138 Prozent. Besonders beliebt sind Akut- und Rehaeinrichtungen in München, Berlin, Bonn, Hamburg und Augsburg. „Die Zahl ausländischer Patienten variiert jedoch stark nach Kliniken und Abteilungen“, sagte Jens Juszczak von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg auf einer Konferenz zum Thema Medizintourismus in Sankt Augustin.

Den größten Zulauf aus dem Ausland verzeichnen nach einer Marktstudie der Hochschule unter 150 Kliniken die Fachabteilungen Orthopädie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Innere Medizin, Kardiologie und Pädiatrie. Patienten aus dem Ausland erreichen hier mitunter einen Anteil von bis zu 40 Prozent. Der durchschnittliche Anteil aller Auslandspatienten an deutschen Kliniken beträgt 0,4 Prozent.

Die Erwartungen an die Versorgung sind hoch. Arabische Patienten etwa legten großen Wert auf fachliche Kompetenz, Diskretion, einen Rundumservice einschließlich touristischer Angebote, Rücksichtnahme auf Ernährungs- und religiöse Gewohnheiten, Transfer- und Dolmetscherdienste sowie annehmbare Preise, erklärte Prof. Dr. Dr. med. dent. Nicolas Abou-Tara, Implantologe aus Hamburg. Eine intensive persönliche Betreuung sei das A und O bei der Behandlung ausländischer Patienten, meinte auch Swjatoslaw Aksamitowski von der Dienst- und Serviceleistungs (DSL) GmbH der Knappschaftskrankenhäuser. Derartigen Anforderungen ist nur ein Bruchteil der Einrichtungen gewachsen, zumal Kliniken, die dem Fallpauschalensystem unterliegen, hieran auch bei der Abrechnungen der Behandlung ausländischer Patienten gebunden sind.

Zwar erhebt der Marktstudie zufolge gut die Hälfte der Kliniken Zuschläge bei erhöhtem Betreuungsaufwand und Komplikationen. Juszczak weist allerdings darauf hin, dass es oft zu Zahlungsausfällen oder -verzögerungen komme.

Gegenwärtig werben etwa 50 deutsche Krankenhäuser aktiv um ausländische Patienten. Dabei bedienen sie sich vornehmlich des Internets, gefolgt von Referenzen, persönlichen Kontakten, professionellen Vermittlern, Ministerien, Botschaften oder Konsulaten. Zahlreiche Kliniken nutzen zudem die Teilnahme an Messen und Kongressen zum Marketing.

Bildung regionaler Netzwerke für kleinere Häuser sinnvoll
Sinnvoll gerade für kleinere Kliniken kann auch die Bildung von regionalen Netzwerken sein. In Bonn beispielsweise haben sich mehrere Krankenhäuser zur Plattform „Bonn Medical Partners“ zusammengeschlossen. Die Initiative ist angesiedelt bei der Tourismus und Congress GmbH und wird von der Stadt Bonn gefördert. Das Angebot richtet sich vornehmlich an Kunden aus dem arabischen Raum. Die Häuser präsentieren sich über einen Newsletter und einen gemeinsamen Webauftritt. Der Verbund bietet zudem Übersetzungs- und Dolmetscherdienste an und unterstützt die ausländischen Patienten bei der Organisation ihres Aufenthalts.

Doch ob nun allein oder im Verbund – eines ist aus Sicht von Juszczak sicher: Ausschlaggebend für den Erfolg bei der Erschließung des Marktsegments „internationale Patienten“ ist ein professionelles und langfristig angelegtes Marketing. Glaubt man der Marktstudie, dann steigt das Interesse der Kliniken, hierfür entsprechende Investitionen aufzubringen.
Petra Spielberg
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