ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2009Chemotherapie-induzierte Emesis: Frühere Anwendung von Aprepitant

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Chemotherapie-induzierte Emesis: Frühere Anwendung von Aprepitant

Dtsch Arztebl 2009; 106(47): A-2377 / B-2045

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Bei Krebspatienten, die eine moderat emetogene Zytostatikatherapie erhalten, beugt eine Dreierkombination antiemetischer Medikamente Übelkeit und Erbrechen besser vor als der bisherige Standard. Die Leitlinien werden sich vermutlich ändern.

Zu den Nebenwirkungen einer Chemotherapie gehören Übelkeit und Erbrechen, deren Auftreten Krebspatienten am meisten fürchten. Zwar habe sich die Prophylaxe in den letzten Jahren verbessert, aber die Vorbeugung der Chemotherapie-induzierten Emesis gehöre noch immer zu den großen Herausforderungen einer Tumortherapie, weil zahlreiche Behandlungsregimes Übelkeit und Erbrechen auslösen könnten, sagte Prof. Dr. med. Petra Feyer vom Vivantes-Klinikum in Berlin-Neukölln: „Die entscheidenden Faktoren für die Art der Emesisprophylaxe sind das emetogene Potenzial des Zytostatikums und die Frage, ob akuter, verzögerter oder antizipatorischer Emesis vorgebeugt werden soll.“

Bei einer moderat emetogenen Behandlung als Bestandteil eines Anthrazyklin- und Cyclophosphamid(AC)-haltigen Therapieregimes empfehlen die internationalen Leitlinien der Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) einen 5HT3-Antagonisten (Ondansetron), Dexamethason und den Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten (NK1-Rezeptorantagonisten) Aprepitant, bei allen anderen moderat emetogenen Regimen reicht nach den Leitlinien eine konventionelle Zweierkombination mit einem 5HT3-Antagonisten und Dexamethason aus.

Diese Empfehlung werde aktualisiert werden, meint Feyer. Denn eine große randomisierte doppelblinde Studie hat ergeben, dass die zusätzliche Gabe des NK1-Rezeptorantagonisten zu dem Glucocortikoid und dem 5HT3-Antagonisten die Effektivität der Prophylaxe erhöht. An der Untersuchung haben 848 Patienten (durchschnittliches Alter 57 Jahre) mit Brust-, Lungen-, gynäkologischen und gastrointestinalen Tumoren teilgenommen. Sie erhielten eine Zytostatikakombination mit moderat emetogenem Potenzial (zum Beispiel Platinderivate, Epirubicin, Ifosfamid, Irinotecan, Cytarabin, Cyclophosphamid). Etwas mehr als die Hälfte der Patienten wurde ohne Cyclophosphamid therapiert.

Übelkeit und Erbrechen waren signifikant seltener
Die Studie wurde federführend von Prof. Dr. med. Hans-Joachim Schmoll von der Universitätsklinik Halle Wittenberg betreut (ASCO 2009, Abstr. 9626, www.asco.org). Nach der 1:1-Randomisierung erhielten die Probanden der Verumgruppe zusätzlich zu Ondansetron und Dexamethason auch Aprepitant (125 mg oral eine Stunde vor der Chemotherapie und jeweils 80 mg an den Tagen zwei und drei des Therapiezyklus). In der Kontrollgruppe wurde ein Placebo gegeben. Die Patienten wurden nach Übelkeit und Erbrechen innerhalb der ersten 120 Stunden nach Beginn der Chemotherapie befragt.

Über den gesamten Beobachtungszeitraum blieben in der Verumgruppe 68,7 Prozent ohne emetische Episode, in der Kontrollgruppe waren es 56,3 Prozent – ein signifikanter Unterschied. 24 Prozent der Probanden im Verumarm hatten Chemotherapie-assoziiertes Erbrechen, aber 38 Prozent waren es in der Kontrollgruppe. Auch bei einer Analyse nach akuter oder verzögerter Emesis blieben statistische signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen zugunsten des Verumarms bestehen. Zu den unerwünschten Effekten von Aprepitant können Müdigkeit, Kopfschmerz, und gastrointestinale Beschwerden wie Diarrhö oder Obstipation gehören.

„Die aktuelle Studie ergibt, dass auch bei einer nicht AC-haltigen Zytostatikabehandlung mit moderat emetogenem Potenzial Aprepitant einen Vorteil für die Patienten bringt“, kommentierte Feyer. Dies gelte es künftig zu berücksichtigen.
Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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