ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2009Interview mit Prof. Dr. med. Michael Almeling, Vorstand der Damp-Holding AG: „Es finden sich Praktiker, die miteinander arbeiten wollen“

POLITIK: Das Interview

Interview mit Prof. Dr. med. Michael Almeling, Vorstand der Damp-Holding AG: „Es finden sich Praktiker, die miteinander arbeiten wollen“

Dtsch Arztebl 2009; 106(48): A-2394 / B-2062 / C-2002

Rieser, Sabine

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Foto: Georg J. Lopata
Foto: Georg J. Lopata
Damp-Vorstand Almeling zu dauerhaften Kooperationshindernissen, neuartiger Konkurrenz und der schwierigen Rolle der KVen

Herr Professor Almeling, die Damp-Holding AG, die in Norddeutschland Akutkrankenhäuser und Rehakliniken betreibt, hat im Mai 2008 ein Abkommen mit der KBV geschlossen. Was hat sich dadurch bei der Kooperation ambulant-stationär getan?
Almeling: Nicht allzu viel – auf beiden Seiten nicht.

Welche Projekte hatte man denn am Anfang im Auge?
Almeling: Als Damp und die KBV starteten, war ich ja noch bei den SRH-Kliniken, mit denen aber ein ähnliches Abkommen besteht. Zum einen geht es um ambulant-stationäre Kooperationen, die der Qualitätsoptimierung dienen sollen. Zum anderen hatte man die Idee, gemeinsame EDV-Portale zu schaffen, um medizinische Daten leichter auszutauschen.

Beides läuft nicht gut?
Almeling: Ob manches, was man sich mit bester Absicht überlegt hatte, wirklich die Qualität verbessert, ist fraglich. Eine andere Erkenntnis war, dass diejenigen, die an Qualität interessiert sind, sowieso schon gut zusammenarbeiten. Aber es kamen zu wenig neue Kollegen hinzu.

Und welche Schwierigkeiten gibt es bei den gemeinsamen Portalen?
Almeling: Meist ist es bei einer Absichtserklärung geblieben. Die Kernfrage ist immer: Wer soll das Portal aufbauen? Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben kein Geld für solche Investitionen, aber auch die Kliniken haben nur begrenzte Mittel. Es gibt zudem bei allen Projekten eine grundsätzliche Schwierigkeit: Den Rahmenvertrag zur Kooperation haben Damp und KBV geschlossen. Aber mit Leben füllen müssen ihn die Partner vor Ort. Daran hat, vorsichtig gesagt, nicht jeder Interesse.

Gibt es erfolgreiche Vorhaben?
Almeling: Ja. Aber vieles läuft ehrlich gesagt unabhängig von der KV. Da finden sich einfach Praktiker, die miteinander arbeiten wollen.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Almeling: Unsere Ostseeklinik Kiel wollte die urologische Abteilung ausbauen. Der Geschäftsführer nahm Kontakt zu einer Gruppe niedergelassener Urologen auf. Die Zusammenarbeit läuft, weil es interessierte Ansprechpartner auf beiden Seiten gibt – und ein klares wirtschaftliches Interesse. Aber auch die Qualität der Versorgung hat sich verbessert. Patienten erhalten zum Beispiel rascher Termine in der Klinik, weil die operierenden niedergelassenen Urologen nun einen ganz anderen Zugriff auf unsere OP-Kapazitäten erhalten haben.

Arbeiten nicht auch Niedergelassene als Chefärzte für Kliniken der Damp?
Almeling: Doch, in unserer Stralsunder Klinik. Wir wollten die Kapazitäten in der Endoprothetik ausbauen und wussten, dass es drei engagierte Orthopäden aus belegärztlich tätigen Praxen gab. Die haben wir gefragt, ob sie gleichzeitig chefärztlich tätig sein wollen. Die Orthopäden fanden das spannend, weil sie davon ausgehen, dass man in Zukunft sowieso ein Standbein im ambulanten wie im stationären Bereich haben sollte. Diese Kooperation läuft seit drei Monaten.

Und ein erfolgreiches Kooperationsprojekt mithilfe einer KV?
Almeling: In Schleswig planen wir mithilfe der KV ein Projekt zur besseren Betreuung von Herzinsuffizienzpatienten.

Für etwas Neues sind meist nicht alle zu begeistern. Eine KV kommt aber schnell in Schwierigkeiten, wenn sie nur einige Ärzte bei bestimmten Projekten unterstützt.
Almeling: Ja, das ist ein großes Hindernis. Dabei könnten KVen sich gut an dem Wandel beteiligen und Modelle unterstützen, auch Vertragsideen ausarbeiten, die dann einzelne übernehmen. Stattdessen kooperieren einzelne Niedergelassene, schließen Verträge mit Kliniken und werben dann mit den Vorteilen. Das kann eine KV nicht unterstützen. Aber so läuft es. Es wird in Zukunft niedergelassene Ärzte geben, die mit ihren Verträgen besser überleben können als andere.
Das Interview führte Sabine Rieser.
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