ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2009Kathrin Schmidt: Wider den Sumpf der Sprachlosigkeit

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Kathrin Schmidt: Wider den Sumpf der Sprachlosigkeit

Hempel, Ulrike

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Kathrin Schmidt Foto: Kiwi-Verlag
Kathrin Schmidt Foto: Kiwi-Verlag
Woran hat Kathrin Schmidt (51) kurz vor der Bekanntgabe gemerkt, dass sie es sein wird, die den Deutschen Buchpreis 2009 für ihren Roman „Du stirbst nicht“ bekommen wird? „An den Kameras der Fernsehteams, die plötzlich alle auf mich gerichtet waren“, sagt sie.

2002 lag Schmidt nach einer Hirnaneurysma-blutung im Koma. Das Erwachen in der Klinik, ihren Kampf gegen Wortfindungsstörungen und körperliche Versehrtheit gibt die Protagonistin ihres jüngsten Romans wieder. Geschildert wird darin die Geschichte der Schriftstellerin Helene Wesendahl, zentrales Thema ist Krankheit und Sprache.

„Mit diesem Roman habe ich mich aus dem Sumpf der Sprachlosigkeit gezogen“, so Schmidt. Sie betont jedoch, dass nur die ersten 30 Seiten autobiografisch seien. Danach habe sich ihre Protagonistin „ziemlich weit von mir entfernt und fiktive Wege beschritten“. Wesendahl findet sich sprachlos im Krankenhausbett vor und entdeckt nach und nach Sätze für die Sprachlosigkeit, die zuvor in ihrer Ehe herrschte. Sie ist eine versehrte Frau, aber kein Jammerlappen. „Ich wollte auf keinen Fall einen Betroffenheitsschinken schreiben“, erklärt Schmidt.

Die gebürtige Thüringerin lebt in Berlin, ist Mutter von fünf Kindern und war als Diplom-Psychologin und Sozialwissenschaftlerin tätig, bevor sie Schriftstellerin wurde. Literatur studiert hat sie in den Jahren 1986 und 1987 in Leipzig, nach der Wende arbeitete sie am „Runden Tisch“ in Ostberlin mit. Für ihr Werk wurde sie vielfach geehrt, unter anderem mit dem Leonce-und-Lena-Preis und dem Preis des Landes Kärnten beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Ulrike Hempel
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