ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2009Kolorektale Karzinome: Neuer Bluttest zur Früherkennung

PHARMA

Kolorektale Karzinome: Neuer Bluttest zur Früherkennung

Dtsch Arztebl 2009; 106(48): A-2429

Weiß, Maria

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Darmkrebszellen in der elektronenmikroskopischen Aufnahme Foto: SPL/Agentur Focus
Darmkrebszellen in der elektronenmikroskopischen Aufnahme Foto: SPL/Agentur Focus
Um das Screening auf Darmkrebs effektiver zu machen, eignet sich möglicherweise eine Blutprobe: Bei Patienten mit kolorektalen Karzinomen lässt sich eine epigenetische Variation nachweisen. Derzeit wird der Test mit der Koloskopie verglichen.

Auch wenn man mit der Darmspiegelung eine sehr effektive Methode zur Darm­krebs­früh­erken­nung hat, ist die Akzeptanz in der Bevölkerung äußerst gering. Eine Alternative zu den ebenfalls häufig nicht wahrgenommenen Stuhlbluttests könnte in Zukunft ein blutbasierter Test zum Nachweis von Darmkrebs sein.

Nur knapp drei Prozent der über 55-jährigen Berechtigten nehmen die von der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung finanzierten Vorsorgekoloskopien wahr. Auch an den als Alternative angebotenen zweijährlichen Stuhlbluttests (Haemoccult®) nehmen lediglich 16 Prozent teil. Dies trägt dazu bei, dass Darmkrebs auch heute noch oft erst in fortgeschrittenem Stadium mit geringen Heilungschancen entdeckt wird.

Ein einfacher Bluttest mit nachfolgender Koloskopie bei positivem Ergebnis könnte zu einer höheren Akzeptanz beitragen. Der jetzt von dem Unternehmen Epigenomics entwickelte und validierte Test beruht auf dem Nachweis von methylierter Septin-9-DNA. Diese Veränderung des Septin-9-Gens (mSept9) sei bei mehr als 90 Prozent aller kolorektalen Karzinome nachweisbar und damit ein zuverlässiger Marker für eine Darmkrebserkrankung, erläuterte Dr. Achim Plum von dem Berliner Unternehmen.

Sensitivität liegt bei 70, Spezifität bei 90 Prozent
In Studien mit mehr als 3 000 Plasmaproben konnten insgesamt über alle Stadien eine etwa 70-prozentige Sensitivität und eine 90-prozentige Spezifität festgestellt werden. Damit entsprächen die Ergebnisse in etwa den besten auf dem Markt befindlichen immunologischen Stuhlbluttests, so Plum. In einer prospektiven Multicenterstudie (PRESEPT-Studie) mit 7 500 Probanden wird der Test zurzeit noch mit dem Goldstandard Koloskopie verglichen.

Für Arzt und Patient ist der Test sehr einfach durchzuführen: Es werden lediglich 10 ml Blut abgenommen und in ein entsprechend ausgerüstetes Labor geschickt. Bei einem positiven Ergebnis wird der Patient dann umgehend zur Koloskopie geschickt. Ist der Test negativ, wird er in ein- bis zweijährigen Abständen wiederholt. Zurzeit kann der Test nur Selbstzahlern für etwa 150 Euro angeboten werden.
Maria Weiß

Pressekonferenz: „Ein Meilenstein in der Darm­krebs­früh­erken­nung: Nachweis des Biomarkers mSEPT9 in einer einfachen Blutprobe“ (unterstützt von Epigenomics)
Darmkrebszellen in der elektronen-mikroskopischen Aufnahme
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema