ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2009Ärztliche Fortbildung: Integrationsfaktor Sprache

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Ärztliche Fortbildung: Integrationsfaktor Sprache

Schmitt-Sausen, Nora

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Foto: iStockphoto
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Medizin ist eine globale Angelegenheit – in der Praxis wie in der Wissenschaft. Sprachkenntnisse und interkulturelles Verständnis sind zunehmend ein Muss. Die International Academy der Charité will helfen, Barrieren zu überwinden.

Klemme, Schere, Tupfer. Einem Arzt geht dieser Zuruf an die OP-Schwester schnell von den Lippen. Solange er in einem deutschen Operationssaal steht. Etwas anders sieht die Sache aus, wenn der Arzt im Ausland praktiziert – etwa als berufliche Zwischenstation, im Rahmen des Studiums oder während eines Forschungsaufenthalts. Oder wenn er einer von 3 065 deutschen Ärzten ist, die jährlich auf Dauer ins Ausland abwandern. Wie auch immer: Mit der klassischen Eins-zu-eins-Übersetzung dürfte das Arbeiten in der fremden Umgebung schwierig werden. Hier ist Fachvokabular gefragt.

Zielgruppe sind Ärzte, Pflegekräfte und Wissenschaftler
Andersherum ist das Sprachproblem nicht weniger relevant: Ein ausländischer Arzt, der in Deutschland arbeitet, hat ähnliche Schwierigkeiten, im medizinischen Alltag zurechtzukommen. Sowohl in der Kommunikation mit dem Patienten als auch in Gesprächen mit den Kollegen und Vorgesetzten gibt es viele Hürden. Fast 22 000 ausländische Ärzte waren im vergangenen Jahr in Deutschland gemeldet. Tendenz steigend. Das Problem trifft auch ausländische Pflegekräfte, die zum Arbeiten nach Deutschland kommen. Sie stehen ebenso häufig vor Kommunikationsproblemen – ganz natürlich, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist.

Die neu gegründete International Academy der Berliner Charité (ChIA) setzt genau hier an: Sie bietet ein internationales Fortbildungsprogramm für Akteure im Gesundheitswesen. Zielgruppe sind Ärzte, Wissenschaftler und Pflegekräfte, die in der Klinik oder bei Forschungsprojekten in international gemischten Teams arbeiten. Zum Angebot gehören etwa Kommunikationstrainings „Fachsprache Medizin“ für internationale Ärzte und Pflegekräfte, „Medical English“ für deutsche Ärzte, die im Ausland arbeiten wollen oder auch Kurse wie „Erfolgreiches Präsentieren auf internationalen Konferenzen“ für Wissenschaftler.

Ziel der ChIA ist, die Akteure für die Arbeit in einem globalisierten Markt fit zu machen und ihnen die Integration im Gastland zu erleichtern: „Wir erleben im Alltag immer wieder, dass die Medizin eine internationale Wissenschaft ist“, sagt Ulrike Arnold, Leiterin der Charité International Cooperation, der die ChIA zugeordnet ist. „Das ist eine Herausforderung, der nicht jeder als Naturtalent gewachsen ist.“

Das Angebot der Akademie geht über reines Sprachtraining hinaus: Vermittelt werden – je nach Kursthema – Präsentationsformen, spezifische Redewendungen, Spezifika des Gesundheitswesens des jeweiligen Landes, Hierarchien und Strukturen in Krankenhäusern, medizinisches Grundvokabular, ärztliche Gesprächsführung und Dokumentation. Dabei setzen die Verantwortlichen auch auf zwischenmenschliche Aspekte: „Wer im Ausland arbeitet, stößt oft auf interkulturelle Hindernisse. In Schweden etwa duzt man sich in den Kliniken. Das sind Deutsche nicht gewöhnt. Sie gelten deshalb oft als unfreundlich und reserviert“, sagt Ulrike Schrimpf-Oehlsen, pädagogische Leiterin der ChIA.

Wachsende Nachfrage nach interkulturellem Training
Die Charité reagiert mit der Gründung einer eigenen Akademie auf eine wachsende Nachfrage nach interkulturellem Training im eigenen Haus. Bereits seit einigen Jahren bietet die International Cooperation Kurse für ausländische Gaststudenten und deutsche Nachwuchsmediziner an, die vor einem Auslandsaufenthalt stehen. Unter die Kursbesucher mischten sich in jüngster Zeit immer mehr internationale Ärzte, die an der Klinik tätig waren. So wurde die Idee geboren, das Angebot auszuweiten. Mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Charité gelang es schließlich, die Akademie zu gründen.

Veranstaltet werden die zwei- bis viertägigen Seminare und mehrwöchigen Kurse überwiegend in Berlin. Einige Kurse – wie „Medical English“ – werden zudem als Inhouse-Schulungen angeboten. Zielgruppe für diese Kurse, bei denen der Trainer ins Haus kommt, sind in erster Linie Kliniken, aber auch Universitäten und Unternehmen.
Nora Schmitt-Sausen
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