SUPPLEMENT: Reisemagazin

Kanada: Frau Holles Liebling

Krieger, Bernhard

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LNSLNS Big White, Sun Peaks, Revelstoke und Silverstar heißen die Geheimtipps in der Ski- und Olympiaregion British Columbia. Eine Entdeckungstour fernab vom Rummel in Whistler

Wer fährt im Olympiawinter schon nach Whistler?“, fragt Beat mit einem leicht ketzerischen Unterton in der Stimme. Unbestritten: Der Austragungsort für die Skirennen, den Skisprung sowie die Bob- und Rodeldisziplinen bei den Winterspielen 2010 in Vancouver ist eines der besten Skigebiete Nordamerikas und ein Traumziel für Europäer. Aber volle Pisten, ausgebuchte Hotels und hohe Preise sind die Kehrseite der olympischen Medaille in Whistler. „Die Olympiaregion British Columbia hat viel mehr zu bieten“, verspricht der Auswanderer aus der Schweiz und nimmt uns mit auf eine Entdeckungstour zu seinen Geheimtipps nach Big White, Sun Peaks, Revelstoke und Silverstar.

Mitten in den Rocky Mountains stoppen wir auf halber Strecke zwischen Vancouver und Calgary zunächst in Silverstar, um Kanadas Vorzeigeskifahrer Norman Kreutz zu treffen. Grazil wie ein Balletttänzer wedelt er den Steilhang zwischen zugeschneiten Bäumen auf uns zu. Sein Bremsschwung wirbelt Kanadas legendären „Champagne Powder“ auf. Sanft wie in einer Schneekugel rieselt das weiße Gold British Columbias auf uns nieder. „Hi, I’m Norman. Wie isset?“, fragt der kanadische Skigott in breitem Kölner Dialekt. Unglaublich, aber einer der besten Skifahrer Nordamerikas ist tatsächlich ein Deutscher. „In der kanadischen Wildnis muss man halt mit allem rechnen“, schmunzelt der Kölner. Sein Vater sei im Schatten des Doms geboren, er selbst im Rheinland groß geworden, bevor seine Familie nach Kanada auswanderte. Dort machte er als Skilehrer Karriere. 14 Jahre lang war Norman Chefausbilder des kanadischen Skilehrer-Verbands, seit 21 Jahren fährt er im kanadischen Demoteam, einer Art Nationalmannschaft der Skilehrer. Der 50-Jährige kennt alle Skigebiete Nordamerikas. Als er aber einen würdigen Platz suchte, um sesshaft zu werden, wählte er Silverstar.

Mit dem Winter kommen die „Snow Ghosts“. Die schneeverkrusteten Bäume in Big White sind ebenso berühmt wie die Abfahrten über unberührte Tiefschneehänge rund um Revelstoke. Foto: picture-alliance
Mit dem Winter kommen die „Snow Ghosts“. Die schneeverkrusteten Bäume in Big White sind ebenso berühmt wie die Abfahrten über unberührte Tiefschneehänge rund um Revelstoke. Foto: picture-alliance
Ausgerechnet ein kleines Kaff mit bunten Holzhäusern im viktorianischen Stil. Kein Riesenskigebiet und kein Glamour wie in Whistler. Der Ort am Okanagan-See wirkt eher verschlafen. So wie die Vorderseite des Skigebiets mit seinen direkt im Ort endenden Pisten. Familien mit Kindern tummeln sich auf sanft geschwungenen Anfängerhängen, Genussskifahrer cruisen auf breiten Pisten quer durch die Wälder. „Aber Silverstar hat zwei Gesichter“, sagt Norman und zeigt uns vom „Summit“-Lift aus seine Spielwiese auf der Rückseite des Berges. Rund um den Powder-Gulch-Lift sind die Pisten schwarz oder gar doppelt schwarz. „Double Black Diamonds“ sind die ultimative Herausforderung in Nordamerika. Nach einigen Abfahrten in Normans Windschatten ist uns klar, wieso seine „Ski Academy“ Cracks aus ganz Kanada anzieht. Genauso klar ist aber auch: Wir brauchen dringend neue Energie. Im Bugaboos Bakery Café warten heiße Suppen, süße Leckereien und Christine.

Vor mehr als 20 Jahren ist die Deutsche nach Kanada ausgewandert. Ihr gefällt vor allem die Gelassenheit der Kanadier. Da wird am Lift nicht gedrängelt, auf den Pisten nicht gerast und auf den Hütten weder gesoffen noch gegrölt. Dafür muss man allerdings auch auf jeglichen Hüttenzauber verzichten. Statt Kaiserschmarrn gibt es auf den Skihütten oft nur Burger, Pommes und Tortillas.

Auf Skiern durch die Fußgängerzone: In Big White fallen in jedem Jahr um die sieben Meter Schnee. Fotos: Tourism British Columbia
Auf Skiern durch die Fußgängerzone: In Big White fallen in jedem Jahr um die sieben Meter Schnee. Fotos: Tourism British Columbia
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Durchschnittlich sieben Meter Schnee fallen in Silverstar pro Jahr – ähnlich viel ist es im Schwesterresort Big White, das gerade mal zwei Autostunden entfernt ist. Für kanadische Verhältnisse ist das praktisch um die Ecke. Big White ist berühmt für seine „Snow Ghosts“ – die riesigen vom Schnee verkrusteten Bäume rund um den „Falcon-Lift“. „Wer richtig viel Ski fahren will und das ursprüngliche Kanada sucht, für den sind diese „Ski-in-/Ski-out“-Orte wie Big White, Silverstar und Sun Peaks genau das Richtige“, sagt Kanada-Spezialistin Pia Stumböck. Das rund vier Autostunden von Silverstar entfernte Sun Peaks ist die dritte Etappe auf unserer Entdeckungstour durch die Olympiaregion und die neue Heimat von Nancy Green. Kanadas Rosi Mittermaier schwärmt von „unzähligen Variantenabfahrten und dem charmanten Dorf, in dem man auf Skiern durch die Fußgängerzone zum Lift gleitet“. Viele Jahre lebte die Olympiasiegerin von 1968 in Whistler, dann kehrte sie dem dortigen Rummel den Rücken. Bereut hat sie es nie, und wie fast alle in British Columbia gönnt sie dem berühmten Whistler die Spiele von Herzen. Schließlich profitieren auch die kleineren Skiorte wie Sun Peaks, wo sich Österreichs Skiasse auf die Olympiarennen in Whistler vorbereiten.

„Der Olympiaboom gibt uns allen in British Columbia Rückenwind“, bestätigt auch Ashley Tait. Die ehemalige Rennfahrerin tobt sich am liebsten auf den Gipfeln rund um Revelstoke aus. Das Städtchen am Columbia River ist der Senkrechtstarter unter Kanadas Skiresorts. Gut drei Autostunden von Sun Peaks entfernt ist Revelstoke zum ambitioniertesten Wintersportprojekt Nordamerikas avanciert. Als Standort von Selkirk Tangiers Heliskiing war der Eisenbahnknotenpunkt in den Rockies schon lange der Renner bei Tiefschneefans. „Bis zu 18 Meter Schnee fallen in Revelstoke pro Saison – mehr als doppelt so viel wie in den Alpen“, berichtet Beat. Revelstoke ist Frau Holles Liebling und deshalb immer weiter gewachsen. Erst kam Catski dazu. Pistenraupen transportieren die Skifahrer quer durch die Natur auf die Gipfel, von wo sie von Guides geführt über unberührte Tiefschneehänge ins Tal abfahren. Dann erschloss man im dritten Schritt auch noch den Revelstoke Mountain, der Wintersportlern mit 1 713 Metern die größte Höhendifferenz des Kontinents bietet. Als einziges Skiresort Nordamerikas kann Revelstoek nun „3 in 1“ anbieten: ein normales Skigebiet, Catski und Heliskiing in einem. Das bietet nicht mal Whistler. Bernhard Krieger

Informationen
Veranstalter: Geführte Gruppenreisen und Individualtouren in alle Skigebiete der Olympiaregion British Columbia bietet der Kanada-Spezialist Stumböck Club an, Internet: www.stumboeck.com, Telefon: 0 80 35/96 60-0.
Auskünfte: Canadian Tourism Commission, c/o Lange Touristik-Dienst, Internet: www.canadas-west.de, Telefon: 0 18 05/52 62 32.

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