SUPPLEMENT: Reisemagazin

El Hierro: Außenposten der Glückseligen

Diemar, Claudia

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Der schönste seiner Art: Der spanische Künstler César Manrique schuf den Mirador de la Peña. Foto: Islas Canarias
Der schönste seiner Art: Der spanische Künstler César Manrique
schuf den Mirador de la Peña. Foto: Islas Canarias
Kaum Strände, dafür Steil­küsten und Felsen­pools und jede Menge ursprüng­licher Natur. Die west­lichste der Kanarischen Inseln ist eine Stipp­visite wert.

Die Maschine, die vom Norden Teneriffas aus durch die Passat­wolken Richtung Süd­westen rumpelt, hat weniger Sitz­plätze als ein Reise­bus, und der Flug zum Eiland El Hierro dauert gerade einmal 40 Minuten. „Luft­hafen der Krebse“ nennt sich wörtlich übersetzt der winzige Airport der süd­west­lichsten Kanarischen Insel. El Hierro ist ein rauer Flecken mit wenig Wasser und fruchtbarer Erde. Die Kiefern und Zedern im Hochland „melken“ sich die Feuchtigkeit mit ihren Nadeln aus den Passatwolken. Der heilige Baum „Arbol Santo“ soll die Wolken so reichlich ausgekämmt haben, dass sich zu seinen Füßen ein Teich bildete, der die Menschen Jahrhunderte lang mit frischem Nass versorgte. Das gewaltige Lorbeergewächs bei San Andrés wurde 1610 Opfer eines Wirbelsturm. Doch die Herreños pflanzten einen neuen Wunderbaum, der bis heute die Besucher anzieht.

Manchmal, wie an der Punta de La Bonanza, glaubt man, eher an einem norwegischen Fjord, als auf den Kanaren zu sein. Doch die Täuschung dauert nur einen Augenblick, denn in der Ferne schwebt Teneriffas Teide, mit fast 4 000 Metern der höchste Berg Spaniens, in majestätischer Präsenz über den Wolken. Lange Sandstrände? Fehlanzeige! Fast überall findet man eine felsig-schroffe Küste. Dennoch kann man auf El Hierro herrlich im Atlantikwasser baden, in den zahlreichen Felsenpools „Charcos“ nämlich, natürlichen Meerwasser-Schwimmbecken, die rund um die Insel verteilt sind. Am Wochenende trifft man hier die Herreños mit Kind und Kegel beim Picknicken und Plantschen. Oder man taucht in den tief eingeschnittenen Fjord des Fischerdorfes Tamaduste, das gleich neben dem Flughafen liegt. Chartermaschinen aus Deutschland landen hier nicht, doch es gibt Verbindungen zu den Nachbarinseln. Es lohnt sich, den Urlaub auf einer der größeren Inseln für einen Kurztrip nach El Hierro zu unterbrechen. „Die Glückseligen“ wurden die Kanarischen Inseln einst genannt, und El Hierro scheint es noch immer zu sein. Das raue Eiland mit seinen vom Wind gekrümmten Sabinarbäumen ist ein Eldorado für Wanderer. Den Leihwagen kann man überall unverschlossen stehen lassen. Valverde, die einzige kanarische Inselhauptstadt, die nicht an der Küste liegt, ist ein charmantes Städtchen mit schöner Pfarrkirche und einem rührenden Volkskundemuseum. Zur weit geschwungenen Bucht von El Golfo ist es von hier aus ein Katzensprung, seit sich die Herreños einen gut beleuchteten Tunnel geleistet haben, um die steilen Felsen zu durchqueren. Kurz hinter dem Tunnel geht es zum „Lagartorio“, der Aufzuchtstation der nur noch auf El Hierro vorhandenen kanarischen Rieseneidechsen, die vor Jahrzehnten noch als ausgestorben galten. Dann fing ein Hirte einige Exemplare ein, aus denen nun neue Echsen gezüchtet und ausgewildert werden. Einen guten halben Meter können die urzeitlich anmutenden Tiere vom Kopf bis zum Schwanz messen.

Doch es lohnt sich ebenso, auf den Straßen im Hochland zu bleiben, denn die Herreños haben für die wenigen Besucher ihrer von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannten Insel überall herrlich gelegene Aussichtsterrassen gebaut. „Miradores“ nennen sich diese Panoramapunkte, von denen sich spektakuläre Blicke auf Berge und Küsten auftun. Der schönste ist der „Mirador de la Peña“ oberhalb von El Golfo, geschaffen vom kanarischen Künstler César Manrique. Im Restaurant aus Lavagestein und riesigen Glasfronten kann man sich den frischen Atlantikfisch schmecken lassen.

Von der einstigen Bedeutung Hierros kündet der einsam im Westen gelegene Leuchtturm Faro de Orchilla, wo bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der Nullmeridian verlief, bevor er nach Greenwich verlegt wurde. Jeder Besucher, der den von Ptolemäus definierten Punkt erreicht und dies vor der Abreise im Flughafen der Dame von der Touristeninformation glaubhaft versichert, erhält ein schmuckes Diplom für diese Leistung. Claudia Diemar

Informationen
Anreise: Die innerkanarische Fluggesellschaft „Binter Canarias“ bietet von Teneriffa (Aeropuerto Los Rodeos im Inselnorden) und Gran Canaria Flüge nach El Hierro an (pro Strecke ab circa 70 Euro). Buchungen: www.bintercanarias.com.
Von Los Cristianos im Süden Teneriffas gibt es Fährverbindungen nach El Hierro durch die Reedereien „Armas“ und „Fred Olsen“.
Mietwagen: Am Flughafen von El Hierro sind verschiedene Autovermieter vertreten. Ein Kleinwagen kostet 20 bis 40 Euro pro Tag.
Übernachten: Sehr angenehme Unterkunft in landschaftlich herrlicher Lage direkt am Kieselstrand bietet der staatliche Parador (Übernachtung im Doppelzimmer mit Frühstück pro Person ab circa 80 Euro). Buchungen von Deutschland aus unter www.paradores.de oder unter Telefon: 0 211/8 64 15 20.
Auskünfte: www.myhierro.com; www.insel-hierro.de.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema