ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2009Ehtikrat: Votum gegen Babyklappen
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Anonyme Geburten und Babyklappen stehen dem Rechtauf Kenntnis der eigenen Herkunft entgegen. Foto: dpa
Anonyme Geburten und Babyklappen stehen dem Recht
auf Kenntnis der eigenen Herkunft entgegen. Foto: dpa
Der Deutsche Ethikrat spricht sich dagegen aus, die Angebote der anonymen Kindsabgabe weiterzuführen oder zu legalisieren. Dies gab Priv.-Doz. Dr. med. Christiane Woopen, stellvertretende Vor­sitzende des Deutschen Ethikrats, in Berlin bekannt. Woopen sagte, es sei un­wahr­scheinlich, dass Mütter und Väter, die ihre Kinder töten wollten, „von dem Angebot überhaupt erreicht werden“.

Der Rat schlägt vor, Schwangeren in einer Notlage die „vertrauliche Kindsabgabe mit vorübergehender anonymer Meldung“ zu ermöglichen. In diesem Fall bleibt die Mutter für ein Jahr anonym. Ihre Identität ist nur der Beratungsstelle, an die sie sich gewandt hatte, und gegebenenfalls der Adoptionsvermittlungsstelle bekannt. Erst ein Jahr nach der Geburt wird ihr Name an das Standesamt weitergegeben. Damit soll nach Woopens Worten ein „angemessener Zeitraum größtmöglicher Vertraulichkeit geschaffen werden“. Das Gremium ruft in seiner Stellungnahme alle politisch Verantwortlichen auf, sowohl die Babyklappen als auch die Angebote zur anonymen Geburt aufzugeben. Zeitgleich müssten aber die öffentlichen Informationen über bestehende legale Hilfsangebote verstärkt werden.

In einem Sondervotum sprechen sich sechs der 26 Mitglieder des Ethikrats für eine Fortsetzung der Angebote aus. Dazu zählen der Augsburger katholische Weihbischof Anton Losinger, der katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff und der evangelische Mediziner Prof. Dr. med. Eckhard Nagel, der auch Präsident des Ökumenischen Kirchentages 2010 ist. Die Angebote seien trotz ethischer und rechtlicher Bedenken weiter vertretbar, argumentieren sie. Es bestehe immerhin die reale Möglichkeit der Rettung eines Kindes, sodass die Angebote im Hinblick auf den Lebensschutz bestehen bleiben müssen.

Bundesweit gibt es rund 80 Babyklappen; zudem bieten etwa 130 Kliniken anonyme Geburten an. Aber: „Die Angebote sind rechtswidrig“, stellt Woppen klar. Sie verletzten das Recht des Kindes, die eigene Herkunft zu kennen und eine Beziehung zu seinen Eltern aufzubauen. mei/kna/afp
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