ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2009Elektronische Gesundheitsakte: Mehr Schutz nötig

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Elektronische Gesundheitsakte: Mehr Schutz nötig

Dtsch Arztebl 2009; 106(49): A-2458 / B-2111 / C-2051

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Die patienteninitiierte Akte mit persönlichen Gesundheitsdaten ist datenschutzrechtlich nicht ausreichend abgesichert.

Noch herrscht über den Begriff der elektronischen Gesundheitsakte weitgehend Unkenntnis. Sie ist nicht zu verwechseln mit der arztgeführten elektronischen Patientenakte, die als eine Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) künftig einmal möglich sein soll. Mit der gesetzlichen Grundlage zur Einführung der eGK nach § 291 Sozialgesetzbuch (SGB) V hat der Gesetzgeber zusätzlich im § 68 SGB V festgelegt, dass die Krankenkassen zur Verbesserung der Qualität und der Wirtschaftlichkeit der Versorgung ihren Versicherten eine persönliche elektronische Gesundheitsakte (eGA) finanzieren dürfen. In dieser Akte, die in der alleinigen Hoheit des Patienten liegt und die dieser gemeinsam mit seinen Gesundheitsbetreuern pflegt, können Kopien relevanter medizinischer Daten der Primärsysteme und Originaldaten des Versicherten strukturiert abgespeichert werden.

Kommerzielle Produkte
Zwischen eGK und eGA gebe es lediglich eine „phonetische Verwandtschaft“, betonte Dr. med. Franz-Joseph Bartmann, Telematikbeauftragter der Bundes­ärzte­kammer, bei einer Diskussionsveranstaltung während der Medizinmesse Medica in Düsseldorf. Tatsächlich ist zwischen beiden Sachverhalten scharf zu trennen, denn: „Eine eGA unter dem hohen Schutzniveau des § 291a SGB V gibt es noch nicht“, erklärte Bartmann. So ist die Tele­ma­tik­infra­struk­tur der eGK klar vom Internet getrennt. Die sensiblen Daten werden verschlüsselt, ein Zugriff darauf erfordert die doppelte Autorisierung durch eGK und Heilberufsausweis. Für die eGA gibt es dagegen weder Vorgaben hinsichtlich der Zugriffsrechte noch technische Vorgaben für den Schutz der Daten (wie kryptografische Verfahren). Die BÄK fordert daher, die strengen Anforderungen des Datenschutzes, die für die Anwendungen der Gesundheitskarte gelten, auch auf die Gesundheitsakte auszudehnen. Dies vor dem Hintergrund, dass zunehmend kommerzielle Anbieter wie etwa Microsoft, Google oder ICW mit Aktenlösungen auf den Markt kommen.

Erste Kassen erproben Akten
Derzeit bieten Krankenkassen die eGA erst vereinzelt an. So ermöglicht es die Hallesche Private Kran­ken­ver­siche­rung seit 2008 ihren Versicherten, kostenfrei eine solche Akte des Anbieters Careon zu führen, berichtete Dr. Jacqueline Böhme. Bei diesem besonderen Service für die Versicherten habe man zwei Nutzergruppen im Blick: den Chroniker beziehungsweise den Versicherten mit komplexen Erkrankungen einerseits und die junge Versicherungsklientel mit häufigen Auslandsaufenthalten andererseits.

Die Barmer Ersatzkasse führt seit Ende 2007 ein dreijähriges Forschungsprojekt zur eGA durch, um zu erforschen, was die Patienten von einer persönlich geführten Akte im Internet erwarten. Es sei schwierig, den Patienten den Nutzen der Akte zu vermitteln, erläuterte Birgit Fischer, die Stellvertretende Vorsitzende der Barmer. Bei der Gesundheitsakte handele es sich noch nicht um ein fertiges Podukt, sondern in Zusammenarbeit mit den Versicherten würden bestimmte Anwendungen entwickelt und erprobt, wie etwa ein Erinnerungsdienst für Arzttermine und Vorsorgeuntersuchungen oder ein Arzneimittelcheck. „Die Akte ist ein Kommunikationsinstrument“, sagte Fischer. Sie erfordere einen Emanzipationsprozess sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten.
Heike E. Krüger-Brand
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