ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2009Repräsentativerhebung 2009: Gedämpfte Freude im Osten

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Repräsentativerhebung 2009: Gedämpfte Freude im Osten

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Sowohl die Ostdeutschen als auch die Westdeutschen freuen sich zumeist aufrichtig über die deutsche Einheit. Doch ein vollständiges Zusammenwachsen sehen viele in naher Zukunft nicht. Dies belegt die jüngste Repräsentativerhebung der Selbstständigen Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig unter Leitung von Prof. Dr. Elmar Brähler. Fast alle der durch das Meinungsforschungsinstitut USUMA im Auftrag der Universität Leipzig im Sommer dieses Jahres befragten 2 512 Ost- und Westdeutschen im Alter von 14 bis 94 Jahren leben gern oder sogar sehr gern in der nunmehr vereinigten Bundesrepublik. „Die Mehrheit der Befragten ist zudem der Meinung, dass der 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 ein Grund zum Feiern ist“, erklärt Dr. Yve Stöbel-Richter, Universität Leipzig. „Betrachtet man Ost und West jedoch voneinander getrennt, so zeigt sich im Osten eine größere Unzufriedenheit mit dem politischen System und der darin gelebten Demokratie als im Westen“, erläutert die Psychologin. So seien im Osten 65 Prozent sehr oder eher unzufrieden mit diesen Aspekten gegenüber 35 Prozent im Westen.

Auffällig ist für das Team um Brähler, das die Repräsentativerhebung seit 16 Jahren jährlich vornimmt, dass die Prognosen zum vollständigen Zusammenwachsen Deutschlands mit den Jahren eher pessimistischer werden. „Durchschnittlich 20 weitere Jahre veranschlagen die Deutschen derzeit dafür“, berichtet Stöbel-Richter. Dabei gebe es vor allem im Westen einen großen Teil der Befragten (40 Prozent), für die das Zusammenwachsen der Deutschen zu einer Gemeinschaft bereits vollzogen sei. Im Osten sähen das nur 18 Prozent der Befragten so.

33 Prozent der Teilnehmer in den neuen und 27 Prozent in den alten Bundesländern hätten dieses Jahr aber auch angeben, dass es eine innere Einheit nie geben werde, erläutert Stöbel-Richter weiter. Der Befragung zufolge fühlen sich beispielsweise 60 Prozent der Ostdeutschen von den Westdeutschen immer noch als Deutsche zweiter Klasse behandelt.

Offen zutage treten bei der diesjährigen Befragung auch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise: So sind 63 Prozent aller Befragten mit der jetzigen Wirtschaftsordnung weniger oder gar nicht zufrieden. Kritik ernten auch die Sozial-, die Bildungs- und die Familienpolitik, die Gesundheits-, die Lohn- und die Rentenpolitik.

Interessant ist dabei, das die Ostdeutschen mit vielen Politikbereichen noch deutlich unzufriedener sind als die Menschen in den alten Bundesländern. Bei der Gesundheitspolitik sind die Differenzen -dagegen eher gering. ER

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